Wallraff wird Opfer seiner eigenen Methoden

Günter Wallraff war nie zimperlich, wenn es darum ging, an Informationen zu gelangen; seine journalistischen Undercover-Operationen sind legendär. Jetzt ist er offenbar Opfer seiner eigenen Methoden geworden: Einer seiner Mitarbeiter, mit dem er mittlerweile im Clinch liegt (SPIEGEL 33/2012), hatte heimlich ein Gespräch mit Wallraff aufgenommen. Die Abschrift davon landete bei der Kölner Staatsanwaltschaft und dem Landgericht. Der Medienanwalt Ralf Höcker, der einen von Wallraff beschuldigten Großbäcker vertritt, führte die Abschrift als Beweismittel in ein laufendes Verfahren ein. Ausgerechnet Wallraff zeigte ihn daraufhin wegen der "Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes" an. Wie die Staatsanwaltschaft bestätigt, wurde die Anzeige vor einigen Wochen durch Wallraffs Anwalt zurückgezogen. Zu den Gründen wollte sich der Kölner Strafverteidiger Gottfried Reims auf Anfrage nicht äußern. Womöglich ist Wallraff und seinen Juristen aufgefallen, dass er mit der Strafanzeige ein Eigentor schießen könnte. Denn es war Wallraff, der 1984 in einem aufsehenerregenden Verfahren gegen den Springer-Verlag vor dem Bundesverfassungsgericht erstritten hatte, dass auch rechtswidrig beschaffte Informationen veröffentlicht werden dürfen – wenn es ein berechtigtes öffentliches Interesse daran gibt, das die Nachteile des Rechtsbruchs überwiegt.

DER SPIEGEL

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