Der Chef des weltgrößten Möbelhändlers Ikea, Mikael Ohlsson, beschreibt die heutige Rolle von Ikea-Gründer Ingvar Kamprad im Unternehmen als nahezu bedeutungslos. "Wir haben ein Management- Team, wir haben einen Aufsichtsrat", sagte Ohlsson im Interview mit dem Nachrichten-Magazin SPIEGEL. "Ich kenne Ingvar sehr lange, man trifft sich mit ihm fünf- bis sechsmal im Jahr. Als Gründer inspiriert er natürlich alle, aber er greift nicht ins operative Geschäft ein. Sein Einfluss ist da nur noch sehr gering." Das gilt offenbar auch für die Pläne, TV-Geräte ins Ikea-Sortiment aufzunehmen. Kamprad soll sich als Senior-Berater des Managements dagegen ausgesprochen haben. Er habe seine Meinung gesagt, so Ohlsson, "und wir entscheiden trotzdem so, wie wir es für richtig halten. Wir werden integrierte Home-Entertainment-Systeme ins Angebot aufnehmen, in fünf Märkten wird das gerade getestet". Ohlsson will auch die Expansion der Möbelkette vorantreiben. "Wir haben in der Vergangenheit zwischen fünf und zwölf Läden pro Jahr neu eröffnet. Künftig werden es zwischen 20 und 30 neue Läden jährlich sein. Allein in China wollen wir die Zahl unserer Filialen verdreifachen. Statt einer sollen dort künftig drei pro Jahr neu eröffnen", so Ohlsson. Auch bei der Geschwindigkeit des Wachstums hat es offenbar einen Dissens mit Kamprad gegeben. Ohlsson: "Er ist Senior-Berater. Er gibt seinen Rat, aber am Ende entscheiden wir im Management und im Aufsichtsrat." Schon vor längerer Zeit hat die Organisation "China Labor Watch" in einem Report vielfältige Arbeitsrechtsverletzungen bei Zulieferern festgestellt darunter exzessive Überstunden ohne angemessene Bezahlung, fehlende Unfallversicherungen, verbale und körperliche Belästigungen sowie schlecht gesicherte Arbeitsplätze. "Die Bedingungen in China in der Möbelherstellung sind hart", sagte Li Qiang von "China Labor Watch" dem SPIEGEL und kündigt an, in Zukunft gerade Ikeas Zulieferer in China stärker unter die Lupe zu nehmen.
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