Lobbyisten organisierten Kampagne zur Freilassung von Julija Tymoschenko


Eine Berliner Lobbygruppe hat ab 2011 eine Kampagne zur Freilassung von Julija Tymoschenko organisiert. Zum deutschen Stab zählten der ehemalige DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière und die Berliner PR-Firma German PR and consulting group (GPRC). Das berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Als Gesicht der Kampagne wählte die Gruppe Tymoschenkos Tochter Jewhenija. Sie sollte die "humanitären und emotionalen Aspekte" des PR-Feldzugs personifizieren. Mit ihrer Hilfe wollte die Lobbyistengruppe die "mitleidende Stimmung der Medien" unterstützen und den Fall Tymoschenko zu einem "trendy Thema" machen.

Tymoschenkos Tochter traf damals Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Gespräch. Ausweislich einer internen Terminübersicht kam die Gruppe mit weiteren Regierungsvertretern zusammen, etwa dem deutschen Botschafter in Kiew. Ein "Bild"-Interview mit Tymoschenkos Tochter feierten die PR-Leute laut internen Unterlagen als "große Arbeit" und "Riesending". Über ihren Auftritt im ZDF-"Morgenmagazin" schrieben sie: "Das schaut ganz Deutschland."

Finanziert wurde der PR-Feldzug vom heutigen ukrainischen Innenminister Arsen Awakow. Der damalige Parteifreund Tymoschenkos überwies im Dezember 2011 internen Papieren zufolge 250.000 Euro an GPRC, weitere 250.000 Euro sollten laut Vertrag folgen.

Ein Regierungssprecher erklärte auf Anfrage, Lothar de Maizière und GPRC hätten "weder auf die Politik der Bundesregierung gegenüber der Ukraine" noch auf das Vorgehen "im Fall der damals inhaftierten Julija Tymoschenko" Einfluss genommen. Awakow reagierte nicht auf Anfragen des SPIEGEL. Julija Tymoschenko wollte sich zu den Hintergründen der Kampagne nicht äußern.



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