Kanzleramt lässt seine NS-Vergangenheit untersuchen


Das Kanzleramt hat den jahrelangen Widerstand gegen eine offizielle Aufarbeitung seiner Gründerzeit eingestellt. Es geht um NS-belastete Beamte und deren Wirken in der Regierungszentrale, die Staatssekretär Hans Globke von 1953 bis 1963 leitete. Globke hatte 1936 einen Kommentar zu den Nürnberger Rassegesetzen mitverfasst, das Kanzleramt ehrt ihn noch heute mit einem unkommentierten Porträtfoto im vierten Stock. Die Aufarbeitung der Historie soll nun diskret in einem "ressortübergreifenden Forschungsprogramm" erfolgen, das Kulturstaatsministerin Monika Grütters gerade vorantreibt. Gegenwärtig suchen elf Historikerkommissionen nach braunen Wurzeln von Ministerien und anderen Behörden. Wissenschaftler vom Institut für Zeitgeschichte und vom Zentrum für Zeithistorische Forschung hatten kürzlich gefordert, künftig über die Ministeriumsgrenzen hinweg zu recherchieren, etwa Kollektivbiografien aller Staatssekretäre zu erstellen. Ein derartiges Konzept ist auch für das Kanzleramt akzeptabel. Globke wäre dann nur einer von vielen. Grütters möchte das Programm mit fünf Millionen Euro ausstatten.



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