Staatsanwalt fordert neun Jahre Haft für mutmaßlichen Hintermann der Klatten-Erpressung

Im Erpressungsfall Susanne Klatten soll der mutmaßliche Drahtzieher des Komplotts gegen die reichste Frau Deutschlands für neun Jahre hinter Gitter. Das hat die Staatsanwaltschaft Pescara in ihrem Plädoyer am Dienstag im Prozess gegen den italienischen Sektenführer Ernano Barretta beantragt. Für Barrettas Ehefrau, Tochter und Sohn forderten die Strafverfolger je sechs Jahre Haft. Außerdem stellten die Anwälte der Nebenklägerin Klatten den Antrag, Barretta zur Zahlung von acht Millionen Euro an sie zu verurteilen. Nach Ansicht der Ermittler war Barretta der Anstifter des Gigolos Helg Sgarbi, der die Milliardärin 2007 zunächst mit einer Schwindelgeschichte dazu bewegt hatte, ihm sieben Millionen Euro zu geben. Später verlangte Sgarbi weitere 49 Millionen Euro und drohte mit der Veröffentlichung von Bildern eines heimlich gedrehten Liebesvideos. Bei der erhofften Geldübergabe auf einem Autobahnrastplatz in Österreich waren Sgarbi und Barretta festgenommen worden. Sgarbi wurde 2009 in München zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Während für die Staatsanwaltschaft feststeht, dass Barretta Kopf einer kriminellen Organisation war, hat Sgarbi ihn in einer Zeugenaussage am Dienstag in Pescara zu entlasten versucht. Barretta habe nicht gewusst, dass er, Sgarbi, Klatten erpresst habe. Einen Zettel mit den Rufnummern von Klatten und zwei anderen, ebenfalls erpressten Frauen, der bei der Festnahme in Barrettas Jacke gefunden wurde, will Sgarbi ihm heimlich in die Tasche gesteckt haben. Die gezahlten sieben Millionen Euro will Sgarbi unmittelbar an andere Personen in München und Rom weitergegeben haben, um Spielschulden zu bezahlen. Allerdings hatte die Polizei auf dem Grundstück von Barretta 500-Euro-Bündel mit rosa Banderolen und der Aufschrift "Landeszentralbank" gefunden, wie sie Klatten übergeben hatte. Für die Ehefrau von Sgarbi, ebenfalls eine Anhängerin Barrettas, forderte die Staatsanwaltschaft zweieinhalb Jahre Gefängnis. Wie Barretta und die anderen Angeklagten bestreitet sie, etwas von der Tat ihres Mannes gewusst zu haben. Mit einem Urteil wird in dieser Woche gerechnet.

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