"Eine Lektion für die Welt"


Staaten sollen für Angriffe auf Kulturdenkmäler anderer Länder künftig mit ihren eigenen Kunstschätzen haften. Dies fordert die Leiterin des Moskauer Puschkin-Museums, Irina Antonowa, in einem SPIEGEL-Interview. Antonowa ist eine der Schlüsselfiguren im Streit um die Rückkehr der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Deutschland in die Sowjetunion verbrachten Kunstgegenstände. Die 90-jährige Kunsthistorikern bezeichnete die Haager Konvention, die Kunstraub generell verbietet, als "veraltet, weil sich der Charakter der Kriege verändert hat". "Die Menschheit braucht heute einen anderen Mechanismus, um das Weltkulturerbe zu schützen", sagt Antonowa. Eine neue Konvention könne im Kern einen einzigen Satz enthalten: "Ein Land haftet mit seinen eigenen Kulturschätzen für den Schaden, den es dem Kulturerbe einer anderen Nation zufügt." Dann komme niemand auf die Idee, irgendwann vielleicht einmal Bomben auf den Pariser Louvre oder die Uffizien in Florenz zu werfen. Antonowa bekräftigt im SPIEGEL ihre Auffassung in der Frage der umstrittenen Beutekunst. Der von Heinrich Schliemann 1873 entdeckte Schatz des Priamos und das Gold von Eberswalde - beides lagert im Puschkin-Museum -, gehörten inzwischen recht - mäßig Russland. "Es geht um eine moralische Kompensation, weniger eine finanzielle Kompensation gegenüber Russland. Das ist eine historische Lektion für die ganze Welt." Antonowa äußerte sich erstmals ausführlich auch über ihre Kindheit in Deutschland.



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