Literaturnobelpreisträger Mo Yan: "Ich bin schuldig"

In einem Gespräch mit dem SPIEGEL verteidigt sich der chinesische Literaturnobelpreisträger von 2012, Mo Yan, gegen seine Kritiker, die ihm allzu große Nähe zur Staatsmacht Chinas vorwerfen. Mo: "Ich habe immer wieder betont, dass ich mich als Schriftsteller der Menschen empfinde, nicht als Schriftsteller der Partei." Dissidenten werfen Mo unter anderem vor, er hätte sich mehr für die Freilassung des seit 2008 inhaftierten chinesischen Schriftstellers und Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo einsetzen müssen. Mo antwortet ihnen im SPIEGEL, er habe "öffentlich gesagt, dass ich hoffe, Liu Xiaobo möge so schnell wie möglich seine Freiheit zurückerhalten. Trotzdem wurde ich sofort wieder attackiert". Diese "Rituale der Wiederholung" erinnerten ihn "an die Kulturrevolution". Mos neuer Roman "Frösche", der jetzt auf Deutsch erscheint, ist eine Abrechnung mit der Ein-Kind-Politik der Kommunistischen Partei Chinas, die viele Frauen zu Abtreibungen zwingt, und eine versteckte Selbstanklage. Mo gibt im SPIEGEL zu: "Ich habe, um meiner eigenen Zukunft willen, meine Frau zu einer Abtreibung gedrängt. Ich bin schuldig." Niemand "darf mit Gewalt davon abgehalten werden, ein Kind zu bekommen". Der Schriftsteller weiter: "China hat in den vergangenen Jahrzehnten so tiefe Umbrüche erfahren, dass sich fast alle von uns als Opfer empfinden. Kaum jemand aber fragt sich, ob er nicht selbst Täter wurde."

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