Rechtsextremismus: Breivik fordert Zschäpe zu Propaganda auf

Im Gerichtssaal hob er seinen Arm zum "Deutschen Gruß": Der norwegische Massenmörder Anders Breivik hat nach SPIEGEL-Informationen die mutmaßliche NSU-Terrorisitin Beate Zschäpe dazu aufgefordert, auch ihre Verhandlung für rechtsextremistische Propaganda zu nutzen.

Beate Zschäpe (Archiv): Breivik und sie seien "Märtyrer der konservativen Revolution" Zur Großansicht
dapd/ BKA

Beate Zschäpe (Archiv): Breivik und sie seien "Märtyrer der konservativen Revolution"

Der verurteilte norwegische Massenmörder Anders Breivik hat die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe nach SPIEGEL-Informationen in einem Brief dazu aufgefordert, die Gerichtsverhandlung gegen sie für rechtsextremistische Propaganda zu nutzen. In dem dreiseitigen Schreiben, das Breivik bereits im Mai zu Zschäpe ins Gefängnis Köln-Ossendorf schickte, empfiehlt er der Untersuchungsgefangenen, ihre "politischen Motive" kundzutun. "Wenn klar wird, dass du tatsächlich eine militante Nationalistin bist", so Breivik, werde sie zur "mutigen Heldin des nationalistischen Widerstands, die alles getan und geopfert hat, um den Multikulturalismus und die Islamisierung Deutschlands zu stoppen". Die rassistische Mordserie des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) wird von Breivik ausdrücklich gelobt: Zwar glaube er, dass der "Angriff auf Eliten" wirkungsvoller sei als der "auf Minderheiten", gleichwohl würden beide Angriffsformen dazu beitragen, "das multikulturelle Experiment zu beschädigen". Das bizarre Schreiben an Zschäpe, die Breivik mit "liebe Schwester Beate" anredet, endet mit der Passage: "Wir beide sind unter den ersten Regentropfen, die den gewaltigen, reinigenden Sturm ankündigen, der auf Europa zuzieht." Er und Zschäpe seien "Märtyrer der konservativen Revolution und sollten extrem stolz auf unser Opfer und unsere Mühen sein". Bevor der Brief Zschäpe erreichte, ließ die Justiz ihn beschlagnahmen. Unterdessen geht der Generalbundesanwalt Harald Range davon aus, dass bei der mutmaßlichen Rechtsterroristin Zschäpe eine besondere Schwere der Schuld vorliege. "Angesichts des Anklagevorwurfs" stehe diese Frage "natürlich im Raum", sagte Range dem SPIEGEL. "Sie hat alle Morde mitgetragen." Bei besonderer Schwere der Schuld wäre im Anschluss an eine Haftstrafe eine Sicherungsverwahrung möglich. Diese Meldung kommt aus dem neuen Spiegel. Hier können Sie das neue Heft direkt kaufen oder ein Abo abschließen.

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1.
Rainer Helmbrecht 18.11.2012
Zitat von sysopIm Gerichtssaal hob er seinen Arm zum "Deutschen Gruß": Der norwegische Massenmörder Anders Breivik hat nach SPIEGEL-Informationen die mutmaßliche NSU-Terrorisitin Beate Zschäpe dazu aufgefordert, auch ihre Verhandlung für rechtsextremistische Propaganda zu nutzen. http://www.spiegel.de/vorab/massenmoerder-breivik-schreibt-brief-an-beate-zschaepe-a-867856.html
Ich denke, dass die Norweger nichts gelernt haben. Dieser Breivik lebt von der Gutmütigkeit eines Staates der Humanität zum Prinzip erhoben hat. Der Gedanke an Rache verbietet sich darum und der Dank dafür ist, dieser Drecksack bekommt die Schnauze nicht voll. Warum erfahren wir überhaupt noch, dass er sich geäußert hat. Einfach aus unserem Bewusstsein streichen. Ernähren ist das einzige was man ihm zugestehen könnte und danach 40 Jahre schimmeln lassen. MfG. Rainer
2. Rechtsstaat adé?!
moe.dahool 18.11.2012
Vorab betone ich, dass ich jegliche nationalistische, rassistische und menschenverachtende Gesinnung aufs schärfste verurteile, mich tendenziell eher dem linken Lager zugehörig fühle. Trotzdem habe ich kein Verständnis für den Umgang mit Zschärpe. Sie jetzt, da kein anderer Verantwortlicher mehr vorhanden ist, zur Drahtzieherin zu machen, rein um eine symbolträchtige Situation zu schaffen, Post abzufangen, etc. In rechten Kreisen spielen Frauen lediglich eine beigeordnete Rolle, "dürfen" ihren Männern eher das Bier an den Tisch bringen und das Heim in Ordnung halten, ergo der vermeintlich klassischen Rolle der Frau gerecht werden. Hier soll das plötzlich anders sein? Hat jemand in der Vergangenheit auch nur ein einziges Mal von aktiven Entscheidungsträgerinnen gehört oder -lesen? Auch warum die Post einbehalten wurde erklärt sich mir nicht. Solange ein U-Häftling ein solcher ist, kann man verfahrensbeeinflussende Dinge zensieren, die sehe ich diesem Fall nicht. Egal was Z gemacht hat bzw. gemacht haben soll (noch gilt die Unschuldsvermutung), sie hat Grundrechte. Dieses schwere Opfer muss unser Rechtsstaat bringen, genau hier kann diesen erkennen. @spon: In einem vorherigen Bericht wurde darüber geschrieben, dass eine Zeugin sich daran erinnern konnte, Zschärpe von zehn Jahren gesehen zu haben. Begründung war, sie hätte sie an die Serienfigur "Roseanne" erinnert. Da es ja keine außerordentliche Situation war, kann ich das kaum glauben. SpOn hatte geschrieben, es bestünde tatsächlich eine große Ähnlichkeit. Ich kann die nicht ansatzweise erkennen, zumal Roseanne dreißig Jahre älter ist. Diese Art der Meinungsmache und Polemik ist unseres Systems und auch des Spiegels nicht würdig, eher gefährlich. Ich wünsche mir, dass Zschärpe, basierend auf FAKTEN und einem fairen, und fair begleiteten Prozess ihre gerechte Strafe bekommt. Eine Hexenjagd bzw. ein Stellverteterprozess würden bei mir Zweifel an unserem System verstärken. Unser System ist stark und stabil genug, wir müssen uns nicht mit einem kriminellen Subjekt messen bzw. Muskeln spielen lassen. Jedes Abweichen von absoluter Rechtsstaatlichkeit würden zeigen wie schwach wir doch sind.
3.
Martin72 18.11.2012
@moe.dahool: In dem Bericht stand das sie Ähnlichkeit mit der Schauspielerin hat die Roseanne's Tochter gespielt hat.
4.
sonstige 18.11.2012
Im Spiegel wurde eine Ähnlichkeit zu Sara Gilbert unterstellt, die hat zwar bei Roseanne mitgespielt, war aber nicht die Figur "Roseanne". ;-) Und ich bin der Meinung, man soll die Irren sich untereinander ruhig austauschen lassen. Ich weigere mich auch, diese Ideologie für voll zu nehmen. Erstnehmen muss man nur die Gefahr, die damit verbunden ist. Ansonsten ist sein Geschwafel wirklichkeitsfern, lächerlich und peinlich. Soll er es doch jemandem schreiben oder erzählen, der sich damit auseinander setzen will. Hauptsache die Türen bleiben hinter solchen Leuten für immer verschlossen. Der Junge kann einem fast schon leid tun. Erzählt da etwas von "Eliten", die es zu treffen gilt und feiert sich selbst dafür, dass er Kinder erschossen hat... Wenn das nicht eine Form von krankhaftem Wahn ist...
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