Neuer DSO-Chef kritisiert Finanzierungssystem der Kliniken

Der neue Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Rainer Hess, macht den Druck auf die Ärzte für die Manipulationen in den Kliniken mitverantwortlich. "Wir dürfen den Ärzten keine Vorgaben auferlegen, die sich überwiegend an ökonomischen Zielen orientieren und mit Medizin nicht mehr viel zu tun haben", sagte Hess im Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Er sehe eine Verantwortung auch bei den Klinikverwaltungen und einem Finanzierungssystem, "das unmedizinisches Verhalten fördert und Fehlanreize setzt". An seinem ersten Arbeitstag in der DSO-Zentrale in Frankfurt wurde Hess, 72, gleich mit dem Organspende-Skandal in Leipzig konfrontiert. "Damit muss man rechnen, wenn man in einer Krisenphase als Vorstand eingesetzt ist", kommentiert Hess seinen Start als DSO-Chef. Als Ursache für die Krise vermutet Hess auch, dass man den "Ärzten offenbar zu viel Vertrauen geschenkt" habe. Jetzt gebe es ein "Aha-Erlebnis: Jeder Beteiligte sieht, dass wir im System mehr Qualitätssicherung brauchen". Hess widerspricht im SPIEGEL der Forderung anderer Ärztefunktionäre im Zuge der Skandale, einzelne Transplantationszentren zu schließen. Er halte dies für schwer umsetzbar. Er würde jeder Klinik zunächst die Chance geben, Organe zu transplantieren: "Wenn sich das dann nicht rechnet, müssen die Länder natürlich überlegen, Zentren zusammenzulegen." Sorgen bereitet Hess der Rückgang der Spenderzahlen. "Der Vertrauensverlust der Menschen hat den Rückgang der Spendebereitschaft mitverursacht", sagte Hess. "Es gibt nun keine andere Erklärung für die schlechte Entwicklung." Es sei aber nicht seine Aufgabe, nun eine bestimmte Spenderzahl zu erreichen. Gute Zahlen könnten nur die Folge von guter Arbeit aller Beteiligten sein.

DER SPIEGEL

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