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AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 41/2012

Pharmakonzern Novartis bietet umstrittene Impfstoffe für Grippeimpfung an

Die Firma Novartis steht im Verdacht, einen umstrittenen Grippeimpfstoff mit einem Trick auf dem deutschen Markt durchsetzen zu wollen. Seit Wochen gibt es Lieferschwierigkeiten für den klassischen Impfstoff Begripal. Die Krankenkassen, die mit Novartis einen Exklusivvertrag für Hamburg und Schleswig-Holstein geschlossen haben, benötigen 700.000 Dosen; No vartis liefert keine ausreichende Menge. Als Ersatz bietet die Firma den umstrittenen Impfstoff Optaflu an. "Das ist eine Einführung durch die Hintertür", klagt Wolfgang Becker-Brüser vom pharmakritischen Arznei-Telegramm. Optaflu werde nicht nach dem klassischen Verfahren in Hühnereiern gezüchtet, sondern in speziell präparierten Tumorzellen von Hunden. "In den Zellen sind Genbruchstücke enthalten, die immer noch Krebsinformationen enthalten können", sagt der Berliner Arzt und Apotheker. Die Zulassungsbehörde, das Paul-Ehrlich-Institut, erklärt, Optaflu sei schon in 100.000 Fällen ohne Komplikationen eingesetzt worden. Becker-Brüser kritisiert hingegen, dass in einer Studie nur 4000 Personen untersucht worden seien - und dies bereits ein halbes Jahr nach der Impfung. "Will man eine mögliche Krebsgefahr ausschließen, muss man die Versuchspersonen viel länger beobachten", sagt der Experte. Novartis wies auf Nachfrage darauf hin, 200.000 Dosen ausgeliefert zu haben, machte aber keine Angaben dazu, um welchen Impfstoff es sich bei diesen Lieferungen handelte.

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© DER SPIEGEL 41/2012
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