Piraten diskutieren über die Formulierung einer Parteisatzung, die dem Grundsatz der Gleichberechtigung gerecht wird

Der Pirat ist ein Mann. Für die Frau mit Holzbein und Augenklappe am Steuer eines gekaperten Schiffs kennt die deutsche Sprache das Wort Piratin. Diese Regelung hat sich im Laufe der Jahrhunderte bewährt. Und stellt nun ausgerechnet die Mitglieder der Piratenpartei vor ein ernstes Problem: In ihrer Bundessatzung tauchen überall Piraten auf, natürlich sind damit aber auch Piratinnen gemeint. Was, wenn die sich nun diskriminiert fühlen? Ab kommender Woche können die Parteimitglieder nun im interaktiven "Liquid Feedback" darüber abstimmen, wie eine Piratenparteisatzung lauten muss, die dem Grundsatz der Gleichberechtigung gerecht wird. Mehr als ein Dutzend Vorschläge stehen zur Wahl. Die profane Idee, einfach überall "Piratinnen und Piraten" zu schreiben, findet im Vorfeld wenig Unterstützer. Auf noch weniger Begeisterung stößt der Vorschlag, "Pirat/innen" zu schreiben. "Bitte Sprache nicht vergewaltigen", merkt ein Gegner an. Die Reaktionen auf den Antrag, den Begriff "das Pirat" zu verwenden, fallen nüchterner aus. Bislang kein Kommentar. Sehr pragmatisch wirkt der Vorschlag mit dem Titel "Die Satzung soll so bleiben, wie sie ist". Als hätten die Verfasser der aktuellen Bundessatzung das Gewitter schon aufziehen sehen, haben sie den ersten Paragrafen krisenfest formuliert: "Die in der Piratenpartei Deutschland organisierten Mitglieder werden geschlechtsneutral als Piraten bezeichnet." Natürlich könnte man in der Bundessatzung auch einfach von Mitgliedern anstatt von Piraten sprechen. Auch dieser Vorschlag nimmt an der Abstimmung teil. Er würde bedeuten, dass sich die Piraten den Vertretern der geschlechtsneutralen Grünen, Linken, Liberalen, Christsozialen und Sozialdemokraten annähern würden. Anpassung an die Regeln des System? Nichts für Piraten. Neben "Mitgliedern" gebe es auch "Ohneglieder", findet einer. Eine Anregung, die mittlerweile wieder zurückgezogen wurde. Um die Diskussion zu versachlichen, hat die Partei auch einen Sprachwissenschaftler um Rat gebeten. Professor Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin schlägt eine technische Lösung des Problems vor: "Im Zeitalter der Informationstechnologie dürfte es nicht schwer sein, eine Satzung zu programmieren, bei der die Leser/innen per Drop-Down-Menü auswählen können, ob sie die Personenbezeichnungen in der männlichen oder der weiblichen Form lesen wollen." Gute Chancen, als Gewinner aus der Abstimmung hervorzugehen, hat allerdings ein ganz anderer Vorschlag. Er steht im Ranking der beliebtesten Initiativen auf Platz zwei und besagt, an allen entsprechenden Stellen in der Satzung das Wort "Pirat" durch "Eichhörnchen" zu ersetzen. Der Ausdruck "Eichhörnchen" könne als ausreichend geschlechtsneutral angesehen werden, da auch er keine weibliche Form besitze. Außerdem sei er "historisch im Kampf der Geschlechter noch nicht vorbelastet".

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