Zwei der drei in Paris erschossenen PKK-Aktivistinnen waren wichtige Mitglieder der kurdischen Arbeiterpartei in Deutschland

Zwei der drei in Paris erschossenen PKK-Aktivistinnen waren wichtige Funktionärinnen der kurdischen Arbeiterpartei in Deutschland. Gegen Sakine Cansiz und Leyla Söylemez ermittelte der Generalbundesanwalt wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland. Cansiz galt als wichtige Figur im Führungskader der PKK in Norddeutschland und war Mitglied des Kurdischen Nationalkongresses in Brüssel. Im März 2007 war sie in einem Café im Hamburger Schanzenviertel auf Grundlage eines internationalen Haftbefehls aus der Türkei festgenommen worden. Das Hamburger Oberlandesgericht entschied aber, sie nicht auszuliefern. Die Vorwürfe seien zu vage, hieß es. Etwa zeitgleich begann die Staatsanwaltschaft Hamburg mit Ermittlungen gegen die Kurdin wegen ihrer Rolle in der PKK. 2008 übernahm der Generalbundesanwalt die Ermittlungen. Cansiz war zeitweise eine enge Vertraute von PKK-Chef Abdullah Öcalan, in der Türkei hatte sie zwölf Jahre im Gefängnis gesessen. 1998 erhielt sie Asyl in Frankreich. In jüngster Zeit soll sie sich im Nordirak aufgehalten haben. Die ebenfalls vergangene Woche in Paris erschossene Leyla Söylemez war in den neunziger Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland geflüchtet. Sie lebte in Halle, wo sie Architektur studierte und in der PKK-Jugendbewegung aktiv war. Vor einigen Jahren brach sie ihr Studium ab, angeblich um sich ganz der politischen Arbeit zu widmen. Wer auch immer hinter den Anschlägen steckt: Der Dreifachmord von Paris belastet zaghafte Entspannungsversuche. Erst am 2. Januar hatten zwei kurdischstämmige Abgeordnete des türkischen Parlaments PKK-Führer Öcalan auf der Gefängnisinsel Imrali besuchen dürfen. Einige Wochen zuvor hatte sich sogar der Chef des türkischen Geheimdienstes MIT mit Öcalan getroffen. In beiden Gesprächen ging es um die Wiederaufnahme des festgefrorenen Dialogs zwischen der PKK und der türkischen Regierung. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ließ erst im Dezember durchblicken, dass der seit 1999 inhaftierte Kurdenführer in den Friedensprozess eingebunden werden müsse.

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