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Politiker nutzen Fußball-WM für Dienstreisen

Brasilien ist derzeit ein beliebtes Reiseziel für Bundestagsabgeordnete – neun Politiker waren bereits dort, mindestens sechs planen Trips zu WM-Spielen. Gründe gibt es offenbar genug. Zuletzt flog Ulrich Kelber (SPD) nach Rio de Janeiro; der Parlamentarische Staatssekretär für Verbraucherschutz informierte sich über Hotel- und Ticketpreise, besichtigte das Maracanã-Stadion und spazierte durch den Stadtteil Copacabana, um mit Inhabern von Restaurants ins Gespräch zu kommen. Auch Jürgen Trittin von den Grünen reiste im Mai nach Rio, der Grund: Energiepolitik und Städtebau. Eine siebenköpfige Delegation des Innenausschusses blieb eine Woche lang. Die Politiker handelten aus, dass brasilianische Sicherheitskräfte sich während der WM von sieben deutschen Polizisten unterstützen lassen. Das Besuchsprogramm sah auch drei Stadionbesuche sowie "Stadtrundfahrten unter sicherheitsrelevanten Aspekten" vor. Innenminister Thomas de Maizière möchte zum Achtelfinale reisen, sofern das deutsche Team sich qualifiziert. Kanzlerin Angela Merkel wird die Partie gegen Portugal besuchen. Pro Fraktion darf ein Abgeordneter sie begleiten – als Erster hat sich Dietmar Bartsch von den Linken angemeldet. Der Bund der Steuerzahler geht davon aus, dass eine Flugstunde mit der Regierungsmaschine rund 12.000 Euro kostet, hinzu kommen Gebühren für Besatzung, Start und Landung. Mitarbeiter deutscher Auslandsvertretungen in Brasilien schimpfen bereits über den zunehmenden "Polit-Tourismus".

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