Schlecker-Frauen: Ver.di wirft Bundesagentur Lohndumping vor


Die Gewerkschaft Ver.di wirft der Bundesagentur für Arbeit vor, "skandalöses Lohndumping im Einzelhandel" zu unterstützen. Hintergrund sind die Schwierigkeiten, die arbeitslos gewordenen Beschäftigten der Drogeriekette Schlecker zu vermitteln. Von den 2012 entlassenen 27.000 Mitarbeitern hatten im März 2013 erst 49 Prozent einen neuen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz. Einer der Hauptgründe dafür sei die "recht hohe" Bezahlung bei Schlecker, wie aus einer Analyse des agentureigenen Forschungsinstituts IAB hervorgeht. Der Drogerieriese zahlte im Gegensatz zu vielen Einzelhändlern nach Tarif, eine gelernte Verkäuferin verdiente zwischen 9,92 Euro und 13,79 Euro pro Stunde. Laut IAB-Studie hängen die Job-Aussichten der ehemaligen Schlecker-Beschäftigten "wesentlich von der Akzeptanz teils deutlicher Lohneinbußen" ab. Die Verkäuferinnen sind in den ersten Monaten ihrer Arbeitslosigkeit nicht verpflichtet, Jobs mit erheblich weniger Lohn anzunehmen. Damit stünden die Vermittler in einem "Spannungsverhältnis", so Martin Dietz vom IAB: Einerseits sollen die früheren Schlecker-Mitarbeiter schnell vermittelt werden, andererseits hätten sie Anspruch auf "relative Statussicherung". Die schlechte Bezahlung im Handel nehme man keinesfalls "distanzlos hin", so Dietz, "die Vermittler können sich die gutbezahlten Jobs auch nicht backen".



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