Sicherheitsmängel in tschechischem AKW Temelin laut Grünen schlimmer als gedacht


Die Grünen werfen Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) vor, Zweifel an der Sicherheit des tschechischen Atomkraftwerks Temelin zu ignorieren. Auslöser ist das Gutachten eines ehemaligen Abteilungsleiters im Berliner Umweltministerium, das neue Bedenken an dem Meiler aufwirft, der rund 100 Kilometer von Passau entfernt steht. Es geht um möglicherweise mangelhafte Schweißnähte zwischen dem Reaktordruckbehälter und dem Primärkreislauf. Danach ist das Problem weit größer als bislang gedacht. Gutachter Dieter Majer warnt: "Einiges spricht dafür, dass für alle Schweißnähte im Anschlussbereich des Reaktordruckbehälters die erforderliche Qualität nicht nachgewiesen ist." Majer fällt nach Sichtung aller verfügbaren Unterlagen ein vernichtendes Urteil: Die Dokumentation der Schweißarbeiten sei "lückenhaft, fehlerhaft und zum Teil widersprüchlich". Umweltminister Altmaier lehnte in einem Schreiben an die Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl ab, auf weitere Untersuchungen zu drängen. Sein Amt sehe "keine sicherheitstechnischen Anhaltspunkte, das aufsichtsbehördliche Vorgehen der tschechischen Seite in Zweifel zu ziehen". Der Vorsitzende der überparteilichen "Plattform gegen Temelin", Gerhard Albrecht, forderte Altmaier auf, Fachleute zur Untersuchung des Schweißnaht-Risikos nach Temelin zu schicken. Er kritisiert das Desinteresse des Ministers: "Altmaier denkt wohl, der Name Temelin steht für eine tschechische Wurstsorte." Grünen-Abgeordnete Kotting-Uhl, die das Gutachten in Auftrag gab, kommentiert: "Es kann nicht sein, dass diplomatische Hasenfüßigkeit zu Lasten von Atomsicherheit geht."



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