Braune Vergangenheit des Bundes der Vertriebenen

Der Bund der Vertriebenen (BdV) wurde in deutlich größerem Ausmaß von ehemaligen Nationalsozialisten dominiert als bislang bekannt. Das geht aus einer Studie des Instituts für Zeitgeschichte hervor. Danach waren allein 11 der 13 Mitglieder des ersten BdV-Präsidiums von 1958 "Träger des Systems" gewesen. Fast alle hatten als Mitglieder und Funktionäre der NSDAP angehört oder Hitler offen unterstützt.

Besonders belastet sind die Präsiden Alfred Gille, im Zweiten Weltkrieg Stadtkommissar im ukrainischen Saporoschje und dort Hauptverantwortlicher für die Verschleppung von Zwangsarbeitern nach Deutschland, sowie Erich Schellhaus, dessen Regiment 1941 in der Sowjetunion an mehreren Massakern an angeblichen Partisanen beteiligt war. Bei Heinz Langguth ergaben die Recherchen, dass er im besetzten Polen Bauernhöfe verwaltete, die zuvor katholischen oder jüdischen Polen gehört hatten. Der Donauschwabe Josef Trischler zählte zu einer Delegation der Ungarndeutschen, die mit "hoher Wahrscheinlichkeit" mit der Regierung in Budapest über die Verteilung des Hab und Guts der deportierten und ermordeten ungarischen Juden verhandelte.

Für den BdV kommt das Ergebnis der Studie zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Die vom Bund eingerichtete Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" in Berlin hat kürzlich das Konzept der künftigen Dauerausstellung vorgelegt. Sie soll sich auch der Geschichte des BdV widmen wird, der nun als Verband ehemaliger Nazis in Erinnerung zu bleiben droht.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback