Terrorhelfer der Olympia-Attentäter '72 wurde CIA-Agent

Willi Voss, deutsches Mitglied der Terrororganisation "Schwarzer September", hat nach eigenen Angaben ab 1975 als Agent des amerikanischen Geheimdienstes CIA die Zentrale des PLO-Geheimdienstes Rasd ausspioniert. Dies bestätigten seine ehemaligen CIA-Agentenführer Terrence Douglas und Duane Clarridge, die der SPIEGEL in den USA aufspürte. Der Deutsche mit dem Decknamen "Ganymed" lieferte Informationen und Dokumente, die Anschläge im Nahen Osten und Europa verhindern halfen, er identifizierte Terrorzellen in mehreren Ländern und berichtete über die Zusammenarbeit des Neonazis Udo Albrecht und dessen Komplizen mit den Palästinensern. Clarridge, der als Gründer der CIA-Anti-Terror-Abteilung ebenso berühmt wie berüchtigt war, setzte Voss sogar auf den Top-Terroristen "Carlos" an. Im Sommer 1972 war Voss der deutschen Polizei aufgefallen, weil er Kontakt zu jenem palästinensischen Terroristen Abu Daud hatte, der später beim Anschlag auf israelische Sportler während der Olympischen Sommerspiele 1972 in München als Drahtzieher fungierte. Sechs Wochen nach dem Attentat wurden Voss und ein Komplize im Haus eines ehemaligen Waffen-SS-Mannes festgenommen. In ihrem Gepäck: Kriegswaffen und Sprengstoff aus PLO-Beständen, sowie Skizzen für Terroranschläge und Geiselnahmen in Köln und Wien. Voss wurde 1974 wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zu einer Freiheitsstrafe von 26 Monaten verurteilt, erhielt im Dezember Haftverschonung und setzte sich nach Beirut ab. Wenige Monate später baten Abu Ijad, Chef des PLO-Geheimdienstes, und Abu Daud ihren deutschen Helfer, gemeinsam mit seiner damaligen Freundin ein Auto nach Belgrad zu überführen. Was Voss nicht wusste: In einem Hohlraum waren Waffen eingeschweißt und Sprengstoff mit fertig montierten Quecksilberzündern. Als rumänische Grenzer das Schmuggelgut bei einer Kontrolle fanden, begriff Voss, dass die Palästinenser ihn notfalls geopfert hätten. Empört über diesen Verrat bot er in der US-Botschaft in Belgrad seine Dienste an. Sein neuer Arbeitgeber CIA sorgte dafür, dass die in Deutschland gegen Voss anhängigen Verfahren eingestellt wurden. Ende der siebziger Jahre kehrte Voss in die Bundesrepublik zurück und arbeitet seitdem als Krimi- und Drehbuchautor, unter anderem für die Reihe "Tatort" und die Serie "Großstadtrevier".

DER SPIEGEL

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