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Bundesumweltministerium untersucht neue Sicherheitslücke in deutschen AKW

Das Bundesumweltministerium will eine mögliche Sicherheitslücke in den sieben in Deutschland noch im Betrieb befindlichen Druckwasserreaktoren untersuchen. Ein ehemaliger Betriebsleiter des Kernkraftwerks Biblis hatte die Behörde nach Informationen des SPIEGEL auf ein Szenario aufmerksam gemacht, bei dem im Dampferzeuger des AKW durch den Bruch von Heizrohren ein Störfall entstehen kann, der im schlimmsten Fall in einem Super-GAU endet. Zur Kernschmelze könne es kommen, weil ein Pfropfen Wasser sich um die Brennstäbe legt, der kein Bor enthält – ein Stoff, der die Kettenreaktion eigentlich unter Kontrolle halten soll. Der ehemalige Abteilungsleiter im Umweltministerium und Reaktorsicherheitsexperte Wolfgang Renneberg hat das Szenario untersuchen lassen und hält für plausibel, dass es "sich nicht mehr beherrschen lässt". Renneberg und sein Expertenteam fordern von den Betreibern und den Aufsichtsbehörden nun in einer Stellungnahme, die dem SPIEGEL vorliegt: "Im Sicherheitsnachweis der Anlage muss gezeigt werden, dass dieser Unfall beherrscht werden kann." Das Umweltministerium hatte bislang beschwichtigt, die von dem ehemaligen Betriebsleiter unterstellten Szenarien seien von "entsprechenden Betriebshandbüchern für Kernkraftwerke berücksichtigt" und damit irrelevant. Doch nach der Neubesetzung des Abteilungsleiterpostens für die Atomaufsicht Ende vergangenen Monats hat ein Umdenken eingesetzt. Wie der SPIEGEL erfahren hat, will man die mögliche Sicherheitslücke noch einmal genau durch die zuständigen Behörden untersuchen lassen.

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