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AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 17/2014

V-Mann "Corelli" sollte zu Nazi-CD befragt werden - Beamte fanden ihn tot in einer Wohnung

Kurz vor dem Tod des ehemaligen V-Manns Thomas R. alias "Corelli" ist dem Verfassungsschutz ein Datenträger zugespielt worden, der eine Verbindung des Spitzels mit dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) belegen könnte. Die CD erhielt das Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz im Februar und leitete sie an die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe weiter. Am 3. April wollten Vertreter einer Sicherheitsbehörde den unter Zeugenschutz stehenden Thomas R. dazu befragen. Sie fanden ihn aber in einer Wohnung im Landkreis Paderborn tot vor. Auf der CD mit der Aufschrift "NSU/NSDAP" befinden sich nach Angaben aus Ermittlerkreisen rund 15.000 Texte und Bilder mit rassistischem und antisemitischem Inhalt, das meiste davon mit Bezug zur NS-Zeit. Einige Dateien lassen sich offenbar dem Urheber "Corelli" zuordnen. In anderen Dokumenten ist von einem "Nationalsozialistischen Untergrund" die Rede. Erste Untersuchungen ergaben laut Sicherheitskreisen keinen Zusammenhang zur gleichnamigen Terrorzelle von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Die Prüfung dauert jedoch an. Thomas R. alias "Corelli" galt als wichtiger Zeuge im Ermittlungsverfahren gegen den NSU. Seine Nähe zur Terrorzelle hatte den Verfassungsschutz in der Vergangenheit wiederholt in Erklärungsnot gebracht. Der Inlandsgeheimdienst wollte sich ebenso wie das Bundesinnenministerium weder zum CD-Fund noch zum Tod des ehemaligen VManns äußern. Als offizielle Todesursache gilt eine nicht erkannte Diabetes-Erkrankung. Inzwischen wurde R.s Leichnam laut Sicherheitskreisen obduziert, es gebe keine Hinweise auf eine "Fremdeinwirkung". Die Ergebnisse einer toxikologischen Untersuchung stehen aus.

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