Verein von AfD-Politikerin Beatrix von Storch kaufte mit Spendengeld Goldbarren für 83.812 Euro


Der fragwürdige Umgang mit Spendengeldern ihres Vereins "Zivile Koalition e.V." bringt die Vizechefin der AfD, Beatrix von Storch, erneut in Erklärungsnot. Nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL kaufte ihr Ehemann Sven von Storch, mit dem sie den Verein gemeinsam leitet, aus Spendengeldern der Zivilen Koalition Goldbarren im Wert von 83.812 Euro. Laut Satzung dürfen Vereinsmittel aber nur für "die satzungsmäßigen Zwecke" verwendet werden. Diese sind die "Förderung der Wissenschaft" und der "Schutz von Ehe und Familien". Was mit den Goldbarren geschah, wollte Vereinschefin Beatrix von Storch auf Anfrage nicht sagen. Sie betonte aber, das Finanzamt habe "sämtliche Geschäftsvorfälle" geprüft und "für ordnungsgemäß befunden". Derweil profitieren Beatrix von Storch und ihre Familie auch von Mietzahlungen ihres Vereins. Aus Spendeneinnahmen werden monatlich 1320 Euro überwiesen – für die Nutzung von Räumen, die Beatrix von Storch und drei ihrer Verwandten gehören. Ebenfalls im Familienbesitz ist eine 65-Quadratmeter-Wohnung, die Storch für ihre Abgeordnetentätigkeit nutzt. Dafür bezahle sie ebenfalls Miete, bestätigte Storch, diese werde aus ihrer Bürokostenpauschale beglichen. Über die Miethöhe wollte Storch keine Angaben machen. Sie liege "unterhalb der ortsüblichen Vergleichsmiete" wie auch die Miete für die vom Verein genutzten Räume. Anrüchig seien die Zahlungen nicht, sagte Storch. Nach SPIEGEL-Informationen ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin gegen Sven von Storch, zweiter Vorsitzender der Zivilen Koalition, wegen des Verdachts des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt. Hintergrund ist eine Strafanzeige, in der ihm vorgeworfen wird, er habe Sozialversicherungsbeiträge nicht bezahlt und Vereinsmitarbeiter zur "Scheinselbstständigkeit" animiert. SPIEGEL-Fragen zu diesem Vorwurf ließ Sven von Storch unbeantwortet. Seine Frau verwies dazu auf eine "Betriebsprüfung", die "ohne Beanstandung" verlaufen sei. Schon einmal war die Zivile Koalition wegen dubioser Finanztransaktionen in die Schlagzeilen geraten. Die "Welt am Sonntag" hatte seinerzeit über fragwürdige Barabhebungen von insgesamt 98.000 Euro berichtet. Offenbar handelte es sich dabei um das Geld, mit dem der Verein später die Goldbarren bezahlte.



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