Sächsischer Verfassungsschutz führte V-Mann im "Blood and Honour"-Umfeld des NSU-Trios


Der sächsische Verfassungsschutz hat Ende der Neunzigerjahre einen V-Mann in der Nähe des späteren Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) geführt. Der Mann war nach SPIEGEL-Informationen ein Aktivist aus dem Milieu der "Blood and Honour"-Organisation, in der sich auch Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bewegten. Das neonazistische Netzwerk aus Großbritannien hatte sich von 1994 an in Deutschland ausgebreitet und in seiner Hochphase Hunderte Mitglieder; im Jahr 2000 wurde die Organisation vom Bundesinnenministerium verboten. Der V-Mann war nach SPIEGEL-Informationen in Chemnitz eingesetzt, der Stadt, in der das Trio die ersten Jahre nach der Flucht aus Jena im Untergrund lebte und seinen ersten Überfall beging. Die Rolle des V-Manns wurde bislang weder im Münchner NSU-Prozess noch in den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen des Bundes und der Länder beleuchtet. Der sächsische Verfassungsschutz will sich nicht zu "Fragen zum operativen Einsatz von menschlichen Quellen" äußern. Wie der SPIEGEL weiter berichtet, lieferte ein gutes Dutzend V-Leute und Informanten den Behörden Informationen aus dem Umfeld von Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt, zumindest in den ersten Jahren nach ihrem Abtauchen. Der zweite NSU-Untersuchungsausschuss, den der Bundestag voraussichtlich im November einsetzt, will deshalb unter anderem herausfinden, was die Sicherheitsbehörden von ihren V-Leuten über das Trio wussten, und ob sie "sachgerechte Maßnahmen ergriffen und zielführend kooperiert haben", wie es im Einsetzungsbeschluss heißt.



© DER SPIEGEL 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.