Ehemalige DDR-Juristin: "Gysi hat mir über Jahre mein Berufsleben kaputtgemacht"

Gregor Gysi und das von ihm geführte Ost-Berliner Anwaltskollegium verhinderten im Frühjahr 1989 die Zulassung einer DDR-Juristin als Rechtsanwältin – trotz exzellenter Examensnoten. Das belegen bislang unbekannte Justiz- und Stasi-Akten der DDR. "Gysi hat mir über Jahre mein Berufsleben kaputtgemacht", sagt die betroffene Juristin, Thea Renate Wallach, dazu heute. Als Vorsitzender des Kollegiums der Rechtsanwälte hatte Gysi am 26. April 1989 zu entscheiden, ob Wallach in das Gremium aufgenommen wird. Ohne Mitgliedschaft im Kollegium war es praktisch unmöglich, als Anwalt in Ost-Berlin zu arbeiten. Gysi und das Kollegium lehnten "auf der Grundlage der Personalakte und der eingeholten Informationen" Wallachs Einstellung ab. Laut Aktenlage hatte Gysi, der einen Zwischenbescheid an die Bewerberin persönlich unterschrieben hatte ("Hochachtungsvoll Dr. Gysi"), mit einer Mitarbeiterin beim SED-Zentralkomitee "über die besondere Problematik" im Fall Wallach gesprochen. Diese bestand offensichtlich darin, dass ihr Ehemann von einem Besuch im Westen nicht in die DDR zurückgekehrt war. Nach dem Mauerfall, im Januar 1990, wies das Kollegium Wallach erneut ab. So konnte sie auch nach der Wiedervereinigung nicht als Rechtsanwältin arbeiten. Erst 1997 erhielt sie durch eine Sonderregelung ihre Zulassung. Gregor Gysi gab auf Nachfrage des SPIEGEL an, er könne sich "beim besten Willen weder an den 26. April 1989 noch an den Namen Wallach, noch an die Kollegialentscheidung erinnern". In jener Zeit habe es aber Zurückweisungen gegeben, weil keine neuen Räume für Rechtsanwälte zur Verfügung gestanden hätten.

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