Wall-Street-Firmen zahlen Boni bei Wechsel in die Politik


Wall-Street-Firmen wie die Investmentbank Goldman Sachs zahlen ihren Mitarbeitern bei einem Wechsel in die Politik enorme Boni, die bei einem normalen Stellenwechsel oft verfallen würden. Das hat die US-Organisation Project on Government Oversight (Pogo) herausgefunden. Leitende Manager von JPMorgan Chase können Bankpapieren zufolge etwa Aktienzuschläge bekommen, die ihnen eigentlich erst nach Ablauf einer bestimmten Zeit zustehen, wenn sie eine "Vollzeitstelle in einem gewählten oder ernannten Amt" annehmen. Ähnliches gilt für Goldman: Laut einem Dokument von 2010 können Führungskräfte der mächtigen Investmentbank, die in eine internationale Organisation oder in eine Regierungsbehörde wechseln, für bestimmte Aktien-Boni eine Einmalzahlung erhalten. Die Regelung würde "grundsätzlich auch für Wechsel zu Regierungen und Organisationen in Europa gelten", erklärt die Organisation Lobbycontrol. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, der von 2004 bis 2005 Vizepräsident bei Goldman Sachs International war, habe aber vor seinem dann folgenden Wechsel zur italienischen Notenbank "keine Zahlungen erhalten", wie eine Sprecherin auf Nach frage sagt. In den USA sind in der Vergangenheit schon etliche Investmentbanker in die Politik gewechselt. Vor allem die Drähte von Goldman Sachs in höchste Regierungsbehörden sind berüchtigt. Auslöser für die Recherchen von Pogo war eine Millionenzahlung an den neuen Finanzminister Jack Lew, die er von seinem früheren Arbeitgeber Citigroup erhielt.



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