Gottschalk-Firma kassiert Millionen für Schleichwerbung bei "Wetten, dass ..?"

Die 1999 von Christoph Gottschalk, dem Bruder des langjährigen ZDF-Showmasters Thomas Gottschalk, gegründete Firma Dolce Media bietet seit Jahren zahlungswilligen Unternehmen die Möglichkeit, für Millionensummen verbotene Werbung in Deutschlands populärster Fernsehshow "Wetten, dass ..?" zu platzieren.

Dies belegen Verträge, die die Gottschalk-Firma mit den Firmen DaimlerChrysler und Solarworld abgeschlossen hat. In den im Dezember 2003 für eine Laufzeit von drei Jahren geschlossenen Kooperationsverträgen mit DaimlerChrysler finden sich Passagen, die die redaktionelle Unabhängigkeit des ZDF untergraben, was laut Rundfunkstaatsvertrag verboten ist. Etwa die Regelung, dass "die konkrete Anmoderation" für ein in "Wetten, dass ..?" präsentiertes Sondermodell der Mercedes A-Klasse "zwischen den Parteien einvernehmlich festgelegt wird". An anderer Stelle heißt es "die On-Air-Präsenz der A-Klasse" müsse "im Schnitt 45 Sekunden pro Sendung" betragen. Es folgen detaillierte Regieanweisungen, wie das Auto zu präsentieren ist. "1.250.000 Euro,-- zzgl. Mehrwertsteuer" pro Jahr war dem Stuttgarter Automobilkonzern die "Wetten, dass?"-Kooperation wert. Doch das war noch längst nicht alles: "Ferner wird DaimlerChrysler Dolce Media für Herrn Gottschalk während der Vertragslaufzeit einen gemeinsam ausgesuchten Mercedes-Benz zur Nutzung in Europa überlassen", wie es in Paragraf 3 heißt. Als Beispiel wird im Vertrag ein CL 600 genannt, der damals laut Listenpreis mindestens 133.516 Euro kostete.

Dolce Media wollte zu Details aller Verträge nichts sagen, weil es "ausdrückliche Verschwiegenheitsklauseln" gebe. Für Daimler-Konzernsprecher Jörg Howe war das "aus damaliger Sicht ein ganz normaler Vorgang". In den Verträgen habe explizit gestanden, dass "Dolce Media aufgrund einer Kooperationsvereinbarung mit dem ZDF" gewährleiste, dass der "Rundfunkstaatsvertrag" sowie die "Werbe- und Sponsoringrichtlinien des ZDF" voll eingehalten würden. "Darauf mussten wir uns ver lassen." Das ZDF stellt klar, Dolce Media sei nicht berechtigt gewesen, für das ZDF solche Zusagen zu machen. Und: Es sei keine "unzulässige Einflussnahme" auf die Sendung erfolgt. Der Münchner Medien- und Werberechtsexperte Gero Himmelsbach sieht klare Hinweise auf einen Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag: "Regieanweisungen in einem Vertrag, dazu sogar die Absprache, eine Moderation gemeinsam festzu legen, das alles zeigt: Hier geht es nicht nur um die Überlassung eines Autos als Gewinnpreis, hier geht es um verbotene Schleichwerbung."

Frank Asbeck, Chef der Solarenergiefirma Solarworld, der rund eine Million Euro zahlte, um in der "Wetten, dass ..?"-Staffel 2010/2011 Kooperationspartner zu werden, redet ebenfalls Klartext: "Man zahlt für die Sendesekunden." Entscheidend sei für ihn gewesen, dass die Carports mit Solardach, die unter den Zuschauern verlost worden sind, die den Wettkönig wählten "in der Sendung einem Millionenpublikum gezeigt" wurden. "Ich bin mit dem Gegenwert sehr zufrieden", sagt Asbeck, "das war ein Super-Sendeplatz, und wir hatten einen tollen Werbeeffekt." Seit 2007 ist Audi Kooperationspartner von "Wetten, dass ..?". Grundlage der Zusammenarbeit ist ein Vertrag mit Dolce Media, den der Konzern nicht offenlegen will. Sicher ist: 2008 monierte die österreichische Medienaufsicht, Gottschalk habe einen Audi in "Wetten, dass ..?" so hemmungslos bejubelt, dass man nicht mal mehr von Schleichwerbung reden könne, sondern in Österreich von gesetz widriger Werbung reden müsse. Geht es nach ZDF-Intendant Thomas Bellut, sollen solche Kooperationen in Zukunft ausgeschlossen sein: "Dass die Markenrechte an ,Wetten, dass ..?' in diesem Umfang extern vermarktet wurden, lag auch daran, dass Gottschalk für den Sender damals so wichtig war." Damit aber soll jetzt Schluss sein. Im Sommer läuft der Vertrag mit Audi aus. "Die Vermarktung der Markenrechte und die Akquise von Gewinnspielpreisen aus einer Hand gibt es nach Gottschalk nicht mehr. Es schadet dem Sender, wenn auch nur der Anschein entsteht, dass da nicht sauber agiert würde."

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