Beckenbauer laut Freshfields-Report Schlüsselfigur bei ominöser Millionenzahlung


Franz Beckenbauer ist direkt verstrickt in die ominöse Zahlung von umgerechnet 6,7 Millionen Euro des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus, die im Zentrum der Affäre um die Vergabe der WM 2006 steht. Das haben die Anwälte der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer herausgefunden, die gut vier Monate lang im Auftrag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Korruptionsverdacht rund um das deutsche Sommermärchen untersuchten. Dabei sichteten sie 128000 elektronische Dokumente und 650 Aktenordner. In Spitzenzeiten waren 35 Juristen im Einsatz. Demnach flossen ab Ende Mai 2002 sechs Millionen Schweizer Franken in mehreren Tranchen von einem Konto, das "Robert Schwan oder Franz Beckenbauer" als Inhaber auswies, auf ein Konto der Kanzlei Gabriel & Müller in Sarnen im Schweizer Kanton Obwalden. Robert Schwan war der Manager von Franz Beckenbauer. Wenige Tage später sollen diese sechs Millionen gestückelt auf ein Konto der Firma Kemco bei der Doha- Bank in Katar weitergeleitet worden sein – der Firmengruppe des früheren Fifa-Exekutivkomitee- Mitglieds Mohamed Bin Hammam, der 2011 wegen Korruptionsvorwürfen von der Fifa lebenslang gesperrt wurde. Sämtliche Tranchen an Bin Hammam, so Freshfields, seien unter dem Verwendungszweck "Erwerb von TV und Marketingrechten Asienspiele 2006" gelaufen. Erst dann kam nach den Erkenntnissen von Freshfields Robert Louis-Dreyfus ins Spiel. Der frühere Adidas-Boss überwies am 16. August 2002 zehn Millionen Schweizer Franken auf ein Konto von Gabriel & Müller bei der Obwaldner Kantonalbank in Sarnen. Das Louis-Dreyfus-Geld wurde wenige Tage später weitergeleitet. Am 3. September 2002 flossen sechs Millionen Franken auf ein Konto Franz Beckenbauers. Damit erhielt Beckenbauer die Summe zurück, die er Bin Hammam zuvor hatte zukommen lassen. Am 5. September 2002 flossen die restlichen vier der zehn Louis-Dreyfus-Millionen auf ein Konto der Firma Kemco in Katars Hauptstadt Doha. Machte zusammen zehn Millionen Franken für den Katarer, Verwendungszweck: "Asian Games 2006 Schlusszahlung". Die Aufklärer von Freshfields erhielten die Hinweise auf diese Geldströme und auf die Rolle der Kanzlei Gabriel & Müller in Sarnen erst jüngst vom Zürcher Testamentsvollstrecker des 2009 verstorbenen Louis-Dreyfus. Franz Beckenbauer sagte zu den Freshfields-Anwälten in dieser Woche, er sei überrascht über die gewonnenen Erkenntnisse. Bin Hammam äußerte sich bis Donnerstag nicht zu einer Anfrage von Freshfields. Der Anwalt Othmar Gabriel sagt, Robert Schwan habe die Überweisungen ab Ende Mai 2002 angewiesen, Beckenbauer sei nie wirtschaftlich Begünstigter eines bei dem Büro geführten Kontos gewesen. Schwan kann dazu nichts mehr sagen, er starb im Juli 2002, vier Tage nach der Überweisung der letzten Tranche der sechs Millionen Franken an Gabriel.



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