Zalando rechnet scheinbar nicht mit baldigem Gewinn


Der Online-Modehändler Zalando geht offenbar nicht davon aus, in nächster Zeit nennenswerten Gewinn zu erwirtschaften. Das zumindest legt die Bilanz des bislang unprofitablen Unternehmens für das Geschäftsjahr 2012 nahe, die nun veröffentlicht wurde. Wenn eine Firma wie Zalando Verlust macht, muss sie keine reguläre Gewerbe- und Körperschaftsteuer zahlen. In der Bilanz wird ein sogenannter Verlustvortrag geführt, der mit Gewinnen in späteren Jahren verrechnet werden kann. In Zalandos Jahresabschluss heißt es dazu jedoch: Für die steuerlichen Verlustvorträge "wurden keine latenten Steueransprüche angesetzt, da die vom Standard geforderte Wahrscheinlichkeit für den Ansatz aktiver latenter Steuern zum jetzigen Zeitpunkt nicht gegeben ist". Im Klartext heißt das: Die Wirtschaftsprüfer des Unternehmens rechneten zum Zeitpunkt der Bilanzerstellung anscheinend nicht damit, dass die Steuerschuld in absehbarer Zeit mit einem entsprechenden Gewinn verrechnet werden kann.

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"Warum Zalando 2012 neue Geldgeber finden konnte, bleibt rätselhaft", sagt Frank Schweizer-Nürnberg, Handelsexperte vom Branchendienst "markt intern", "es sei denn, die Investoren setzen auf einen Börsengang, der ihren Einsatz versilbert. Von Zalando selbst werden sie auf Jahre wohl keine ausreichenden Gewinne sehen." Das Unternehmen sah sich im Laufe des Freitags nicht in der Lage, dazu Stellung zu nehmen. Der Online-Händler hat seine Verluste stets mit starkem Wachstum begründet. Im deutschsprachigen Raum sei man jedoch seit 2012 profitabel – auch in den übrigen Märkten befinde man sich auf Kurs in Richtung Profitabilität.



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