AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 3/2017

Liebe und Finanzen Frauen, kümmert euch um euer Geld!

Er verdient das Geld, sie umsorgt die Familie. Und wenn die Beziehung kaputt geht, ist sie die Dumme. Muss das so sein? Was Frauen tun können, um sich abzusichern.

Liebespaar in München
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Liebespaar in München

Von Silvia Dahlkamp, , und


Es war der Tag einer Karrierefrau: Tina Rademacher, damals Deutschlandchefin der Werbeagentur J. Walter Thompson, hetzte von Termin zu Termin. Mittags blieben ihr ein paar Minuten für ein Sandwich. Abends eilte sie zum Flieger nach Hause.

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Heft 3/2017
Das Problem mit der Liebe und dem Geld

Als die Maschine eine gute Stunde später landete und Rademacher ihr Handy einschaltete, erschien eine SMS: "Wo bist du?"

Die Managerin rannte in Pumps und Kostüm an den Gepäckbändern vorbei, zwei Rolltreppen hoch bis zur Airport Security. Dort wartete ihr Mann, der sich um seine Maschine nach New York sorgte. Neben ihm: die beiden übermüdeten Kinder, heute fünf und acht Jahre alt.

Während ihr Mann hinter der Sicherheitskontrolle verschwand, schob Rademacher die Söhne zum Ausgang. Zu Hause bekam der Jüngste einen Wutanfall, weil er eine Gutenachtgeschichte wollte. Müde fiel Rademacher danach ins Bett, einen 18-Stunden-Tag hinter sich. "Das ist doch krank", dachte sie.

Keine zwei Jahre ist das jetzt her und eine Episode aus einem anderen Leben. Rademacher, 44, hat ihren Job aufgegeben. Die preisgekrönte Managerin kümmert sich um die Kinder. Für den Unterhalt der Familie sorgt derzeit: ihr Mann. "Zwei Karrieren, zwei Kinder, das ist in Deutschland nahezu unmöglich", sagt sie.

Tina Rademacher - Spagat zwischen Familie und Beruf

Maria Feck / laif

Es ist die moderne Fassung einer alten Geschichte: Er verdient das Geld, sie kümmert sich um Haushalt und Kinder. Zwar sind Frauen heute so gut ausgebildet wie nie zuvor. Doch am Ende landen die meisten Paare, gewollt oder nicht, bei dieser klassischen Rollenverteilung, vor allem in den alten Bundesländern.

Obwohl eine solche Biografie zur ökonomischen Falle werden kann. Christine Veicht, 54, hat das gerade schriftlich bekommen.

Sie sitzt mit hängenden Schultern in ihrer Frankfurter Wohnung auf der Couch, vor sich den jüngsten der jährlichen Rentenbescheide: 316,60 Euro im Monat wird sie voraussichtlich bekommen, wenn sie alt ist. "Das ist die Strafe dafür, dass ich meine Kinder erzogen habe", sagt Veith bitter.

Sie und ihr Exmann lebten das klassische Familienmodell: Sie kümmerte sich um Haushalt und Kinder, er brachte als selbstständiger IT-Berater das Geld nach Hause. Heute ist der jüngste Sohn 18, die Ehe geschieden und Veichts Konto leer.

Als sie noch verheiratet war, hatte sie über eine solche Situation nie nachgedacht. Wie selbstverständlich übernahm Veicht die unentgeltliche Hausarbeit, ohne mit ihrem Mann über den Fall einer Trennung oder ihre Altersvorsorge zu sprechen. Das wäre ihr schlicht nie in den Sinn gekommen, sagt Veicht.

Im Video: Christine Veicht - Beruf Hausfrau und Mutter

DER SPIEGEL / MARIA FECK

So ist es in vielen Partnerschaften: Geld ist das letzte große Tabu - zumindest, wenn es um die Frage geht, was wem gehört. Etliche Paare schlittern in ein Abhängigkeitsverhältnis, ohne die Folgen zu besprechen.

"Über sexuelle Wünsche reden die meisten heute sehr offen mit ihrem Partner, aber kaum ein Paar möchte seine Liebe durch so etwas Profanes wie Geld beschädigen", sagt der Paarberater Michael Mary (siehe SPIEGEL 43/2016). Vor allem Frauen täten sich schwer, ökonomische Forderungen zu stellen und sich um die eigenen Finanzen zu kümmern.

Dabei hätten gerade sie es nötig. In kaum einem anderen Industrieland sind Frauen finanziell derart abhängig von Männern - und in kaum einem ist ihr Armutsrisiko so groß.

Männer haben in Deutschland im Schnitt ein fast 40 Prozent höheres Einkommen, ihre Altersbezüge sind beinahe 60 Prozent höher. Auch ihr angespartes Vermögen ist größer.

Rund 40 Prozent der Alleinerziehenden sind hingegen arm, und rund 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen.

Familienpolitische Maßnahmen wie das Elterngeld konnten an den Verhältnissen wenig ändern. Sie werden von Gesetzen wie dem Ehegattensplitting konterkariert, das eine konservative Aufgabenteilung zwischen Frau und Mann zementiert.

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Die Folge dieser politischen Halbherzigkeit lässt sich in einem knappen Satz beschreiben: Frausein - oder zumindest Muttersein - ist ein finanzielles Risiko. Und es kommt erst zum Tragen, wenn es zu spät ist: wenn die Familie zerbricht. Das Einkommen von Männern steigt Studien zufolge im Schnitt nach einer Trennung sogar an.

Doch auch Männer kann eine Trennung an den Rand des Ruins treiben. So wie Martin Fischer. Er ist 40, verdient als Wachmann und freier Sporttrainer etwa 1500 Euro netto im Monat - und zahlt davon rund 540 an seine Exfreundin für die beiden Söhne, 7 und 2. Vom Rest muss er nicht nur sein eigenes Leben finanzieren, sondern auch astronomische Rechtsanwalts- und Gerichtskosten stemmen, denn der Clinch mit seiner früheren Partnerin ist derart eskaliert, dass allein für die Regelung des Umgangs mehrere Gerichts- und Vermittlungsverfahren nötig waren.

"Ohne die finanzielle Unterstützung von Freunden und meiner neuen Partnerin, die einen Großteil der alltäglichen Unterhaltskosten übernimmt, würde ich es gar nicht schaffen", sagt Fischer. Dann könnte er nicht einmal eine Wohnung mit Kinderzimmer finanzieren.

Vorbereitet auf eine solche Situation war auch Fischer nicht. Wenn in seiner früheren Beziehung mal über Geld gesprochen wurde, artete das meist in Streit aus. Fischers frühere Freundin gab aus seiner Sicht zu viel aus, sie wiederum wollte einfach, "dass wir es wieder schön haben", wie er sich erinnert. Der Klassiker unter den Pärchenstreitereien - und keine gute Basis für ein ruhiges Gespräch.

So ist es bei vielen Paaren. Statt dass sie für den Fall der Trennung Vorsorge treffen, ähnlich wie man es für den Todesfall oder einen Wohnungsbrand macht, ist Geld allenfalls ein alltägliches Streitthema. 41 Prozent der Deutschen wissen laut Umfragen nicht einmal, was der Partner verdient. Es gilt das Prinzip Hoffnung, dass die eigene Ehe nicht zu dem Drittel jener gehört, die auseinandergehen. Denn das kann den finanziellen Absturz bedeuten.

Vor Kurzem bekam Christine Veicht, die geschiedene Mutter von drei Kindern, quälende Zahnschmerzen. Unter einer alten Füllung steckte Karies. Der Zahn konnte gerade noch gerettet werden. Sonst hätte sie jetzt die erste Lücke im Mund, denn die 500 Euro für eine Brücke hätte sie nicht aufbringen können.

Den Sommer, in dem Veicht ihren Mann kennenlernte, nennt sie dennoch die glücklichste Zeit ihres Lebens. Er besuchte sie regelmäßig in dem Möbelhaus, in dem sie jobbte. Die Kolleginnen beneideten sie um diesen großen, souveränen Typen.

Veichts Mann war selbstständiger IT-Berater, verdiente an manchen Tagen 1000 Mark. Es war keine Frage, dass die gelernte Theaterpädagogin nach der Geburt des ersten Kindes vor 25 Jahren zu Hause blieb. "Das war normal", sagt Veicht. Die Frau hielt dem Mann den Rücken frei. Die Kindergärten schlossen mittags.

Sie erinnert sich, wie sie einmal mit Freundinnen über eine Frau diskutierte, die ihren Sohn zur Tagesmutter gab und arbeiten ging. Alle im Dorf waren überzeugt: "Das Kind bekommt einen Schaden."

Den Schaden, den ihr eigenes Leben genommen hat, kann Veicht an ihrem Rentenbescheid und ihren Kontoauszügen ablesen. Einen festen Job hat sie nach der Scheidung nicht gefunden. "Eine Mitarbeiterin der Arbeitsagentur sagte mir knallhart, ich sei am Arbeitsmarkt nicht existent" - weil sie jahrelang keiner regulären Beschäftigung nachgegangen war. Veicht arbeitet jetzt als selbstständige Theaterpädagogin an Schulen. In guten Monaten bringt das 1500 Euro brutto.

Unter Veichts Altersgenossinnen ist so ein Lebenslauf typisch. Die Frauen der sogenannten Babyboomer-Jahrgänge haben ökonomisch von der Emanzipation nicht viel gehabt. Die Autorinnen Christina Bylow und Kristina Vaillant nennen sie gar die "Verratene Generation". Rund die Hälfte der westdeutschen Frauen der Jahrgänge 1962 bis 1966 wird einer Studie zufolge mit einer Rente von unter 600 Euro im Monat leben müssen. Sie sind existenziell abhängig von ihrem Partner - oder arm.

Ihren Töchtern wird es kaum besser ergehen. In 82 Prozent der deutschen Familien mit Kindern unter sechs Jahren ist nach wie vor der Mann Hauptverdiener. Die meisten Frauen nehmen zwar heute für die Familie nur noch zeitweise eine Auszeit vom Job. Aber der Zuwachs an Beschäftigung unter Müttern in den vergangenen Jahrzehnten war vor allem ein Zuwachs an Teilzeitarbeit. 69 Prozent aller berufstätigen Mütter haben keinen Vollzeitjob - und arbeiten wöchentlich durchschnittlich 18,5 Stunden. Das ist im europäischen Vergleich sehr wenig. In anderen Ländern sind es 25 Stunden oder mehr.

Dazu kommt: Auch der Anteil der Frauen an prekärer Beschäftigung ist hoch. Mehr als vier Millionen der insgesamt rund sieben Millionen Minijobber sind Frauen, 82 Prozent von ihnen sind verheiratet. Viele dürften die Teilzeitarbeit als Übergangslösung sehen, doch die Rückkehr in eine Vollzeitstelle ist Studien zufolge schwer.

So kommt es, dass 63 Prozent der verheirateten Frauen zwischen 30 und 50 Jahren weniger als tausend Euro netto im Monat verdienen. Entsprechend schlecht ist es um ihre Altersvorsorge bestellt.

Die Ehe sei damit für "einen erheblichen Teil" dieser Frauen "in ihren Risiken und Folgen abhängigkeitsfördernd und existenzbedrohend", lautet das Fazit einer Studie des Bundesfamilienministeriums. "Mitten im Leben" ist deren optimistischer Titel.

Männer hingegen stellten in dieser Zeit in der Regel die Weichen für Beruf und Karriere. Verheiratet oder nicht ist dabei egal.

Mutter mit Kind
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Mutter mit Kind

Aber warum ist das eigentlich so? Werden Frauen in diese Rollenverteilung gedrängt, oder sind sie womöglich selbst daran schuld? Studien zeigen doch eigentlich, dass junge Männer sich inzwischen mehrheitlich wünschen, dass ihre Frauen selbst für ihren Unterhalt sorgen.

Auch Volker Baisch wollte kein Vater sein, der sich den ganzen Tag abrackert und abends den schlafenden Kindern nur noch einen Gutenachtkuss auf die Stirn drückt. Mit seiner Frau zog er das Modell der gleichberechtigten Partnerschaft deshalb schon vor 16 Jahren durch, als ihre erste Tochter auf die Welt kam. Beide merkten schnell, worin die größte Schwierigkeit liegt, Baischs Überzeugung nach bis heute: in den eigenen Vorstellungen.

"Meine Frau beispielsweise sagte mir in der Zeit, in der ich mich ausschließlich um unsere Tochter kümmerte, wie schwer die Verantwortung auf ihr laste, allein für die finanzielle Situation der Familie zuständig zu sein. So schlimm habe sie sich das gar nicht vorgestellt. Über diese Frage habe ich nie nachgedacht, als es an mir war, das Geld zu verdienen." Für ihn als Mann sei das ja selbstverständlich gewesen, trotz der Belastung und auch der Risiken, die das mit sich bringe.

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Solche verinnerlichten Rollenmuster spielen auch heute noch eine zentrale Rolle bei der Frage, wer wie viel arbeiten geht und wer sich um die Kinder kümmert. Darin ist sich Baisch, der heute Unternehmen in Fragen der Familienfreundlichkeit berät, sicher. "Das sind ganz unterbewusste Prozesse, die sich da abspielen. Auch wenn sich junge Männer theoretisch unabhängige Partnerinnen wünschen und die meisten Frauen neben der Familie auch einen erfüllenden Beruf wollen, ist die gelebte Realität oft eine andere."

Es sind beispielsweise häufig die Frauen, die sich bewusst dafür entscheiden, für die Familie beruflich kürzerzutreten, das zeigt auch eine Studie des Familienministeriums, in der Väter und Mütter befragt wurden. Der Wunsch der Mutter, Zeit mit dem Kind zu verbringen, war demnach der wichtigste Einflussfaktor für die Rollenverteilung in der Familie. Nicht die Einkommensunterschiede vor der Geburt des ersten Kindes oder andere strukturelle Gründe, wie man es hätte vermuten können.

Auch in einer Studie über Väter, die Baisch vor einigen Jahren initiierte, gaben 63,5 Prozent der Befragten an, dass ihre Frauen auf zwölf Monaten Elternzeit bestanden hätten. Die Höchstdauer also, die für einen Elternteil möglich ist mit Elterngeldbezug. Sie selbst konnten dann nur noch zwei Monate nehmen.

"Viele deutsche Frauen definieren sich sehr über ihr Muttersein", glaubt Baisch. "Deshalb fällt es ihnen schwer, die Kinder auch den Männern zu überlassen, selbst wenn sie es kognitiv wollen." Viele Männer bemängelten in der Väterstudie etwa, dass ihre Frauen nur widerstrebend Verantwortung für die Kinder abgäben.

Unterbewusst wollten Frauen dem "überhöhten Mütterbild" in Deutschland gerecht werden, das noch ein Erbe aus der Nazi- und auch aus der Adenauerzeit sei, glaubt Baisch. "In den Fünfzigerjahren wurden die Mütter ja zunehmend zurück an den Herd gedrängt, nachdem sie im Krieg gezwungenermaßen oft sehr selbstständig waren."

Die Frau als Mutter, der Mann als Versorger - dieses veraltete Familienbild liegt zu allem Unglück auch noch der Gesetzgebung zugrunde. Vor allem, wenn eine Familie zerbricht, kommen Männer aus dieser Rolle kaum heraus, wenn es die Mutter nicht zulässt.

Denn das deutsche Unterhaltsrecht basiert noch immer auf der anachronistischen Vorstellung, dass die Kinder nach der Trennung voll bei einem Elternteil - meist der Mutter - leben und der andere nur alle zwei Wochen am Wochenende vorbeischaut und deshalb einen Unterhalt überweist.

Martin Fischer zum Beispiel muss heute mehr als 500 Euro seines Einkommens an die Mutter seiner Kinder überweisen. "Und das, obwohl ich genau wie sie Kinderzimmer bereitstelle, Kleidung und Essen", sagt er.

Mittwochnachmittags und alle zwei Wochen von Freitagmittag bis Montagmorgen ist sein ältester Sohn bei ihm zu Besuch, der kleine Zweijährige kommt mittwochs ganztägig und von Samstag bis Sonntag. Fischer hätte gern, dass die Kinder noch viel öfter bei ihm sind, "ich habe meiner Exfreundin schon nach der Trennung gesagt, dass ich gern die Hälfte der Betreuung übernehmen würde". So habe man es ja auch während der Beziehung gehalten. Windeln wechseln, Fläschchen geben, das zahnende Kind nachts stundenlang durch die Wohnung tragen - all das habe er genauso oft gemacht wie seine Ex, sagt Fischer.

Doch die wollte es nach der Trennung anders haben, ein Familiengericht beschloss deshalb die heute geltenden Umgangszeiten. Die Unterhaltszahlungen, die wenig später festgelegt wurden, sind sogar genauso hoch, als würde Fischer sich tatsächlich auf die zweiwöchigen Wochenendbesuche beschränken. "Ich kümmere mich mehr, als der Gesetzgeber es annimmt, und werde dafür noch finanziell bestraft", sagt Fischer. "Das ist sehr ungerecht."

Tatsächlich scheint nicht nur das Unterhaltsrecht den Realitäten vieler getrennter Eltern nicht gerecht zu werden. Auch das deutsche Steuerrecht wirkt im internationalen Vergleich auf geradezu absurde Weise anachronistisch.

Schuld ist das sogenannte Ehegattensplitting, eine Zauberformel, die es so in kaum einem anderen Land gibt. Dabei werden die Einkommen der Ehepartner zusammengerechnet und für die Berechnung der jeweiligen Steuern wieder hälftig geteilt.

Weil der Steuertarif progressiv ist, bei höheren Einkommen also ein größerer Anteil an Steuern fällig wird, mindert das die Steuerlast des Besserverdienenden. In der Regel also die des Mannes - und das unter Umständen ziemlich deutlich.

Ein Unverheirateter mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 50.000 Euro etwa zahlt 13.331 Euro Steuern; Verheiratete mit dem gleichen Einkommen zahlen nur 8350 Euro. Vorausgesetzt, der Ehepartner - meistens die Frau - arbeitet nicht. Je geringer der Verdienstunterschied zwischen beiden Partnern, desto geringer die Steuerersparnisse.

Entscheidet sich die Frau für die Rückkehr ins Berufsleben, "wird aus ihrer Erwerbstätigkeit ein Nullsummenspiel, manchmal sogar ein Draufzahlgeschäft", schreibt Renate Schmidt (SPD) in ihrem Buch "Ein Mann ist keine Altersvorsorge". Dass viele Frauen vom Gegenteil ausgehen, kreidet Schmidt nicht zuletzt dem Versagen der Familienpolitik an.

Das ist bemerkenswert, weil Schmidt zwischen 2002 und 2005 selbst Bundesfamilienministerin war. Einer der Widersprüche, kritisiert Schmidt heute, sei die Förderung der Hauptverdiener-Ehe "bei gleichzeitiger Forderung nach materieller Unabhängigkeit bei Scheitern der Ehe".

Auf die Frage, warum Schmidt sich zu ihren Regierungszeiten nicht stärker für die Abschaffung des Ehegattensplittings eingesetzt hat, gibt es eine einfache Antwort: Seine Einführung war Folge eines Verfassungsgerichtsurteils von 1958, das den besonderen Schutz von Familien im Grundgesetz verankert sieht. Der Richterspruch ist über 50 Jahre alt, lässt sich aber nicht so einfach kippen.

Neben dem Ehegattensplitting treibt die Möglichkeit, sich beitragsfrei in der Krankenkasse des Partners mitversichern zu lassen, Frauen in die materielle Abhängigkeit. Viele entscheiden sich für einen Minijob, weil sie solche Privilegien auf diese Weise trotzdem ausschöpfen können.

Die Zeiten aber, in denen sich Frauen im Fall einer Scheidung auf jahrelange Unterhaltszahlungen vom Exgatten freuen konnten, sind vorbei. Seit 2008 gilt ein neues Unterhaltsrecht. Sollte es früher einer geschiedenen Frau finanziell so gehen wie in der Ehe, baut das Gesetz heute vor allem auf dem Prinzip Eigenverantwortung auf.

Eine Bibliothekarin beispielsweise, die einen Chirurgen geehelicht hat, muss sich damit bei einer Scheidung wahrscheinlich auf den sozialen Abstieg vorbereiten. Auch Müttern wird dann in der Regel ein Vollzeitjob zugemutet, wenn das jüngste Kind drei ist und fremd betreut werden kann. So hat es der Bundesgerichtshof vor einigen Jahren entschieden.

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Doch auch alleinstehende Väter sind steuerlich gekniffen. Es gibt einen Elternfreibetrag und Kindergeld, was sich die Eltern teilen können. Während Alleinerziehende aber wenigstens noch bestimmte Leistungen oder Hilfestellungen in Anspruch nehmen können, wird der andere Elternteil - und damit meist der Vater - wieder so gestellt, als wäre er Single ohne Familie. Er kann nicht einmal die Fahrtkosten oder eine Zweitwohnung in der Stadt, in der die Kinder leben, absetzen, selbst wenn diese Hunderte Kilometer weit entfernt wohnen.

Tina Rademacher, die ehemalige Werberin, und ihr Mann müssen sich wohl beide keine Sorgen um ihre Finanzen machen, selbst für den unwahrscheinlichen Fall einer Trennung. Deshalb mussten sie oft als Beispiel herhalten, dass alles eine Frage des Willens sei.

Allerdings haben sich auch die Rademachers mittlerweile ins klassische Rollenmuster gefügt, zumindest für eine Zeit. Dabei hat Tina Rademacher schon als Kind am liebsten "Büro gespielt", entsprechend steil verlief ihre Karriere nach dem BWL-Studium als Unternehmensberaterin und Managerin. Schon mit 33 war sie kaufmännische Geschäftsführerin einer Werbeagentur, gehörte später zu den "Top 40 unter 40" der Zeitschrift "Capital".

"So ein Mist, Sie müssen sofort wiederkommen", sagte ihr Chef, als sich 2007 ihr erstes Kind ankündigte. Rademacher gab sich noch sportlich: "Der Stichtag ist Samstag, wie wäre Montag?", witzelte sie. Nach sechs Monaten Elternzeit saß sie wieder im Büro, auch nachdem 2011 der zweite Sohn geboren wurde. Rademachers Mann blieb zu Hause. Es war die klassische Rollenverteilung - nur andersherum.

Dann bekam er das Angebot, als Unternehmensberater zu arbeiten. Nach sechs Jahren als Hausmann war für ihn klar, dass er nicht ablehnen konnte. Es folgte: Familie just in time; wenn sie kam, ging er - und umgekehrt. Die beiden gaben sich nur noch die Klinke in die Hand.

Nach zwei Jahren war das Experiment gescheitert, Tina Rademacher kündigte. Jetzt sind die Wäscheberge im Keller verschwunden und die Kinder ausgeglichener. Aber glücklich ist Rademacher mit der Situation nicht. "Kaum ein Land ist so unflexibel, so rückständig, so familienunfreundlich wie Deutschland", sagt sie.

DER SPIEGEL

Tatsächlich ist die deutsche Arbeitswelt besonders elternfeindlich. Nirgendwo in der Eurozone werden so viele Überstunden geschoben wie in Deutschland. Wer etwa in Elitekanzleien als Rechtsanwalt etwas werden will, braucht vor dem späten Abend gar nicht erst ans Nachhausegehen zu denken. Ein Kind großzuziehen, wenn beide Elternteile sich diesem Rhythmus anpassen, wird zum fast unmöglichen Kraftakt. Meist sind es die Frauen, die deshalb die Arbeit im Büro gegen die Arbeit zu Hause eintauschen.

Ökonomisch gesehen kosten Kinder eine Frau im Laufe des Lebens etwa 64 Prozent ihres Einkommens, haben Wissenschaftler am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit ausgerechnet.

Unbezahlte Arbeitsstunden leisten Frauen dagegen jede Menge. Zur Erziehung der Kinder kommt oftmals noch die Pflege von Eltern oder Schwiegereltern: Der Großteil aller Pflegebedürftigen wird in Deutschland zu Hause versorgt, oft von Angehörigen. Zu zwei Dritteln sind das Frauen, im Schnitt zwischen 50 und 60 Jahre alt - und damit noch im erwerbsfähigen Alter. Die wenigen pflegenden Männer haben im Schnitt schon die achtzig überschritten.

Zwar gibt es für die Pflege von Angehörigen Punkte bei der Rentenkasse, auch Auszeiten von bis zu sechs Monaten im Job sind möglich. Aber was, wenn die Pflege länger dauert? Viele Frauen geben dann ihren Job auf, stellte eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung fest, oder sie reduzieren auf Teilzeitarbeit - mit den entsprechenden finanziellen Folgen.

In Frankreich hat sich das Modell Teilzeitjob dagegen nie wirklich durchgesetzt. Zwei von drei Französinnen haben eine Vollzeitstelle, und kaum eine plagt das schlechte Gewissen, wenn sie ihr Kind schon früh abgibt.

Rund die Hälfte der unter Zweijährigen geht in die Krippe - die Crèche - oder wird von einer Tagesmutter betreut. Mit drei Jahren kommen nahezu alle in die "école maternelle", die bis 16.30 Uhr dauert und kostenlos ist.

Angela Greulich von der Universität Sorbonne in Paris erforscht seit zehn Jahren, warum das so ist. Es fängt wie immer beim Geld an: 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) investiert der französische Staat jährlich in die Betreuung von Kindern bis sechs Jahren, die Hälfte der Ausgaben für unter Zweijährige. Deutschland lässt sich die Kinderbetreuung gerade einmal 0,5 Prozent des BIP kosten.

Der schnelle Wiedereinstieg in den Job nach der Geburt wird in Frankreich auch finanziell belohnt: Je mehr Kinder, desto günstiger wird das Familieneinkommen versteuert. Ein hohes Einkommen der Frau wird, anders als in Deutschland, steuerlich nicht bestraft.

Aber natürlich wirken auch gesellschaftliche Normen und Traditionen. Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau benannte die Unterschiede zwischen den beiden Ländern schon vor gut 200 Jahren: Ein Kind, so glaubten französische Eltern, komme mit einer Seele zur Welt, die einem weißen Blatt gleiche, das es zu beschreiben gelte. Je früher äußerliche Eindrücke auf das Kind wirkten, desto besser. Mit Gleichaltrigen in einer öffentlichen Einrichtung betreut zu werden ist folglich gut für die kindliche Entwicklung.

In Deutschland, so schrieb Rousseau, herrsche dagegen die Vorstellung, dass ein Kind mit einer perfekten Seele auf die Welt komme und vor äußeren Einflüssen eher geschützt werden müsse. Je länger es in der geborgenen Umgebung der Mutter sei, desto besser.

Ute Klammer weigert sich dennoch, Frankreich uneingeschränkt als Vorbild zu akzeptieren. Klammer ist Professorin für Sozialpolitik an der Universität Duisburg-Essen und war Vorsitzende der Sachverständigenkommission, die 2011 den Ersten Gleichstellungsbericht für die Bundesregierung verfasst hat. "Wir können nicht wollen, dass das Ziel heißt: Alle arbeiten Vollzeit. Das ließe die Frage unbeantwortet, wer sich um Fürsorge und Pflege kümmert", sagt sie.

Das Schlüsselwort im Gleichstellungsbericht heißt deshalb "Wahlarbeitszeit". Gemeint ist, Arbeitszeiten für Frauen und Männer so flexibel wie irgend möglich zu gestalten, damit sie im Verlauf des Lebens mal mehr, mal weniger arbeiten können. Je nach familiärer Situation.

Einige wenige Unternehmen lassen sich auf diesen Gedanken schon ein, darunter ausgerechnet Porsche. Nur 15 Prozent der Mitarbeiter sind Frauen. Trotzdem kann jeder Mitarbeiter, vom Bandarbeiter bis zur Führungskraft, seine Arbeitszeit auf bis zu 20 Stunden pro Woche reduzieren, über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren. Und zwar mehrmals im Laufe der Karriere. Auch für die Pflege von Angehörigen sind spontane Auszeiten möglich.

Die Normalität ist allerdings das, was Rüdiger Peters erlebt hat. Peters heißt eigentlich anders, will aber aus Angst um seinen Job seinen richtigen Namen nicht nennen. Sein Arbeitgeber: ein Maschinenbauunternehmen, 25.000 Mitarbeiter weltweit. Es schmückt sich mit dem Label "audit berufundfamilie", das unter anderem auf die Hertie-Stiftung zurückgeht. Peters, der zum Topmanagement gehört und lange als Star im Vertrieb galt, hat der Wunsch, Beruf und Familie zu vereinbaren, die Karriere gekostet.

Als seine Frau, eine Wissenschaftlerin, nach zahlreichen künstlichen Befruchtungen endlich Zwillinge erwartete, malten sich die beiden die Zukunft rosarot aus: Sie würden moderne Eltern sein, sich die Erziehung teilen. Er einen Tag zu Hause, sie einen Tag zu Hause, drei Tage sollte eine Kinderfrau übernehmen.

Auch in der Firma zeigten sich alle glücklich über seinen Nachwuchs - bis er erklärte, drei Monate in Elternzeit gehen zu wollen. "Ein Topmanager nimmt Urlaub und kommt nach einer Woche wieder", erklärt Peters das bis dahin geltende, ungeschriebene Gesetz. Entsprechend kühl fiel auch die Reaktion aus, als Peters vorschlug, sich den Job nach der Elternzeit mit einem anderen Manager zu teilen: "In welcher Welt lebst du eigentlich?", fragte sein Chef nur. Schon für die ersten Monate musste Peters versprechen, wenigstens einmal pro Woche das Gröbste wegzuarbeiten.

Doch dann kamen die zwei Jungs viel früher als erwartet, eine Zeit lang stand es nicht gut um sie. Peters hockte in der Klinik, und auf seinem Schreibtisch wuchsen die Papierberge. Als er nach sechs Wochen wieder ins Büro kam, warteten 700 unbeantwortete Mails auf ihn. "Sieh zu, wie du fertig wirst", schnauzte ihn sein Vorgesetzter an. Und die Kollegen guckten schief, wenn er pünktlich nach Hause wollte. Dabei saß dort seine Frau und wartete auf ihn, weil sie ein wissenschaftliches Projekt fertig machen musste.

Peters fühlte sich völlig zerrissen.

Im nächsten Personalgespräch wurde offen gesprochen: "Mit Ihnen rechnen wir nicht mehr." Peters wurde versetzt, auf eine Stelle, auf der er weniger sichtbar ist. Seine Frau hat jetzt erst mal drei Jahre Elternzeit genommen, damit er den Job nicht verliert.

Der politische Befund ist kompliziert. Einerseits hat es in den vergangenen Jahren tatsächlich ein Umdenken gegeben. Es wurden Kitas und Krippen gebaut, das Elterngeld erfunden. Und doch ist es immer noch eine Nachricht, die Schlagzeilen bringt, wenn Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel Elternzeit nimmt oder Manuela Schwesig bereits acht Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Julia an ihren Ministerinnen-Schreibtisch zurückkehrt. Ein Umstand, den die SPD-Frau geschickt nutzte.

Pünktlich zum Ende ihrer Auszeit gab sie mitsamt Familie der "Bild am Sonntag" ein Interview und erzählte, wie sie das alles bewältigen will: mehrmals in der Woche von Berlin in ihre Heimatstadt Schwerin fahren und ab und an von zu Hause aus arbeiten. Und, ja, ihr Baby werde trotzdem weiter gestillt. Ein Mann hätte sich solchen Fragen niemals stellen müssen.

"Das Thema ist historisch und gesellschaftlich so verkrustet, dass man mit dem Holzhammer heranmuss, um es aufzubrechen", sagte Schwesig einige Zeit später im Gespräch über die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Den großen politischen Wurf, mit dem sich solche Ungerechtigkeiten auf einen Schlag beseitigen lassen, gebe es aber nicht. Stattdessen müsse man an vielen Enden anpacken. Das klingt realistisch, birgt aber die Gefahr, politisch bei Trippelschritten hängen zu bleiben.

Schwesigs Gesetzentwurf zur Lohngerechtigkeit oder die Bemühungen von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, Teilzeitarbeitenden ein Rückkehrrecht auf eine Vollzeitstelle einzuräumen, sind wichtige Initiativen. Aber es bedarf sehr viel tief greifenderer Reformen, um wirklich etwas zu verändern.

Die frühere Familienministerin Schmidt etwa schlägt vor, das Ehegattensplitting abzuschaffen und parallel dazu die Unterhaltspflicht in der Ehe zu kippen. Dann bekäme beispielsweise eine Frau, die in die Armut rutscht, staatliche Unterstützung, unabhängig vom Verdienst ihres Mannes. So könnte die Neuerung auch vor dem Verfassungsgericht Bestand haben, glaubt Schmidt, weil Familien zugleich an anderer Stelle entlastet würden.

So würden die Anreize für Paare sicher sehr viel größer, dass beide gleichermaßen Geld verdienen. Und nicht zuletzt ist es kaum zeitgemäß, dass unverheiratete und vor allem geschiedene Paare im Vergleich zu Ehepartnern steuerlich so viel schlechter gestellt sind.

Hätten beispielsweise getrennt lebende Eltern bessere steuerliche Abzugsmöglichkeiten, gäbe es sicher weit weniger Streit um Unterhaltszahlungen. Derzeit entsteht oft die abstruse Situation, dass der Unterhalt für die Kinder kaum reicht - und den Zahlenden trotzdem in ernste finanzielle Nöte bringt.

Denkbar wäre auch, das Elterngeld Schritt für Schritt an die Bedingung zu knüpfen, dass Vater und Mutter nacheinander und gleich lang aussetzen. Dann wären wahrscheinlich mehr Männer bereit, diese Zeit der Familie zu widmen - und männliche Bewerber um die dreißig ähnlich unsichere Kandidaten für Unternehmen wie Frauen. Die Firmen müssten sich endlich darauf einstellen, dass Arbeitnehmer Kinder bekommen, für die sie sorgen. So würden womöglich vernünftige Arbeitszeiten normal - und auch Karrieren, die jenseits der vierzig erst richtig losgehen.

Weil derart weitreichende Reformen in den nächsten Jahren nicht zu erwarten sind, müssen Paare, spätestens wenn sie die Familienplanung ernsthaft in Angriff nehmen, sachlich über Geld sprechen. Man dürfe nicht vergessen, "dass die Ehe auch eine Wirtschaftsgemeinschaft ist", sagt die CDU-Abgeordnete Anja Karliczek.

Auch die Finanzexpertin hat viele Jahre in Teilzeit gearbeitet. Doch sie hat vorgesorgt - und mit ihrem Mann einen Ehevertrag abgeschlossen. Darin ging es weniger um Gütertrennung als um den Unterhalt im Falle einer Scheidung. Das mag unromantisch klingen, aber es hilft.

In einem solchen Vertrag kann auch stehen, wie derjenige schon während der Ehe finanziell entschädigt wird, der seinen Beruf zurückstellt. Auch wenn die Partnerschaft bestehen bleibt, schadet es sicher nicht, wenn jeder sein eigenes Geld hat - und seine eigene Altersvorsorge.

Auf jeden Fall jedoch müssen Paare über ihre Finanzen sprechen, am besten mit professioneller Unterstützung, wie Unternehmensberater Baisch findet. "Geld ist ein hochsensibles Thema, das hat das Potenzial, die Beziehung zu sprengen." Allen Unternehmen, die er berät, empfiehlt er deshalb, entsprechende Beratungsstellen einzurichten, wo sich Paare mithilfe von Moderatoren über ihr Familienleben, ihre Karriere und ihre Einkommensverhältnisse auseinandersetzen können.

"Wer das nicht von Anfang an tut, rast direkt in die traditionelle Rollenverteilung hinein", sagt Baisch.



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
Crom 21.06.2017
1.
Warum nur Frauen? Ist es nicht so, dass auch Männer finanziell von einer Scheidung betroffen sind? Teilweise werden dann noch die Eheverträge als ungültig erklärt.
frankgalvin 21.06.2017
2. Dann doch etwas einseitig
Dieser Artikel ist dann doch etwas einseitig ausgefallen. Um ein Beispiel aus der Realität zu bringen: Er verdient das Geld, sie umsorgt das Kind. Soweit richtig, jedenfalls teilweise. Eigentlich umsorgt das Kind die Kita, die er bezahlt, sie geht studieren. Drei Monate nach der Eheschließung beschließt sie, dass ihr Ehemann doch nicht so interessant ist, und fängt eine intensive, heimliche Affäre mit einem anderen Mann an. Als diese Affäre auffliegt, ist sie alles andere als einsichtig, will dem jungen Glück keine Chance mehr geben und will die Scheidung. Die deutsche Justiz bewertet diesen Fall so: Das Schuldprinzip ist abgeschafft, also wird der jungen Frau die Affäre nach nur 12 Wochen Ehe nachgesehen, des Kindeswohls wegen. Härtefallscheidung, keine Chance. Kurzehe? Auch nicht, des Kindes (
oldskool 21.06.2017
3. Etwas übertrieben
Ganz ehrlich, in 2 Top-Karrieren mit übermäßig beanspruchtem Zeitaufwand und auch noch international, passen nun mal tatsächlich nur bedingt Kinder. Da bringt auch die beste staatliche Kinderbetreuung oder flexibelste Arbeitszeiten nichts. Eine Nanny wäre hier wohl angebracht, die dann die Kinder erzieht. Alternativ ein Internat. Der Kostenfaktor dürfte hier ja keine Rolle spielen. Ich bin ja wirklich dafür, dass jeder Karriere machen kann, aber Alles haben kann man nun mal beim besten Willen nicht. Irgendeine Entscheidung muss man schon treffen. Entweder macht man temporär Abstriche bei sich (sei es Mann oder Frau) oder bei den Kindern.
Nordstadtbewohner 21.06.2017
4. Extrembeispiele sind nur eine Facette der Realität.
"Es war der Tag einer Karrierefrau: Tina Rademacher, damals Deutschlandchefin der Werbeagentur J. Walter Thompson, hetzte von Termin zu Termin. Mittags blieben ihr ein paar Minuten für ein Sandwich. Abends eilte sie zum Flieger nach Hause." Ob nun verheiratet mit Kindern oder Single... Ein wie im Artikel beschriebener Arbeitstag von 18 Stunden ist auf Dauer nicht durchzuhalten. Warum hat Frau Rademacher die Führungsetage nicht auf eine breitere Basis gestellt und "Management by Delegation" betrieben, wie es in modernen Unternehmen durchaus üblich ist? Tina Rademacher erlag zum Zeitpunkt ihrer Tätigkeit einem Irrtum: Sie hielt sich für unersetzbar. Und eines kann ich mir nicht verkneifen: Das mit dem Mittagssandwich ist doch ein Witz. Ich habe selbst schon viel in der Wirtschaft erlebt, aber so etwas ist mit Sicherheit kein Dauerzustand. Zum Artikel: Auch Frauen, die nicht berufstätig sind, können für alle Eventualitäten vorsorgen, wenn sie entsprechend finanzielle Mittel in "guten Zeiten" zurücklegen. So zum Beispiel für die Rente. Da gibt es zig Möglichkeiten. Dazu kommt, dass ich es als Luxus erachte, dass ein Partner in einer Beziehung nicht arbeiten muss. Das ist nichts Schlimmes.
hmueller0 21.06.2017
5. Vier Frauen schreiben einen Artikel...
... und oh Wunder ... es klingt doch irgendwie nach "Frau schlimm benachteiligt". Mal ein ganz fortschrittlicher - sozusagen emanzipierter Gedanken ganz ohne Gender-blabla: Unabhängig von Geschlecht ist Jeder/Jede (bitte die Gender-Korrekte-Schreibweise ab jetzt einfach dazu denken, wer sich sonst unwohl fühlt) für sein Leben verantwortlich. Arbeiten ja/nein, Kinder ja/nein, er/sie zuhause oder 50% etc. Entscheidungen treffen und selbst (!) die Konsequenzen tragen. Und wo wir schon beim Thema sind: falls sich Jemand entscheidet, Kinder haben zu wollen, so ist er selbstverständlich für diese auch verantwortlich. Dazu gehört eben auch, dass Mami/Papi nicht weiterhin ihre 110% Ego-Nummer durchziehen können - sondern einfach die Verantwortung für ihre Entscheidung (Kinder) selbst tragen - und sie nicht auf andere abwälzen (Staat/Gesellschaft, Kita, ...). Oder man verzichtet eben auf Kinder, wenn die Karriere wichtiger ist - auch kein Problem. Oder gibt das dann das eigene "ich will aber alles" (hier gedanklich mit dem Fuß aufstampfen) Ego nicht her?
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