AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 50/2016

"Winnetou"-Remake Shatterhand hat Sex. Mit einer Frau.

Ausgerechnet die Trashspezialisten von RTL strahlen ab heute Abend eine neue "Winnetou"-Trilogie aus, mit einem "Tatort"-Kommissar als Old Shatterhand. Klingt erst mal schlimm. Lohnt sich das Einschalten dennoch?

Hauptdarsteller Möhring, Xhelilaj bei Drehpause
Jens Koch/ RTL

Hauptdarsteller Möhring, Xhelilaj bei Drehpause

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Winnetou muss tapfer sein. Der Mann, der ihn spielt, auch. Weniger, weil er sich am ersten von 81 Drehtagen beim Sturz vom Pferd die Hand verstaucht hat - da helfen Spritzen und Eis. Auch nicht weil der gebürtige Albaner vor der Kamera Deutsch sprechen muss und kein Wort davon versteht - sein Textvolumen ist ja überschaubar. Viel härter ist: Nik Xhelilaj macht Diät.

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Heft 50/2016
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Anders als seinerzeit Pierre Brice kämpft der neue Winnetou nämlich oben ohne(*). Während der Dreharbeiten ernährt Xhelilaj sich Low-Carb und fettarm. Gemüse und Fisch, gedämpft, nicht gebraten, keine Kartoffeln, kein Reis, immer nur Mineralwasser. Dazu der Spott des neuen Old Shatterhand, Wotan Wilke Möhring, der beim Essen gern mal mit einer Ecke triefender Pizza vor Xhelilajs Gesicht wedelt.

Herbst 2015 im Süden Kroatiens, Entstehungsort der Karl-May-Filme aus den Sechzigerjahren, eine Landschaft voller cineastischer Déjà-vus. Die weißen Felsen des Bergmassivs Tulove Grede, wie aus Teig gezupft, dort wurde Winnetou erschossen. Auf dem Plateau des Canyons im Nationalpark war Shatterhand an den Marterpfahl gefesselt, unten glitzert smaragdgrün der Fluss Zrmanja. Kulissen für die Ewigkeit. Nur die Autobahn muss man sich wegdenken, die heute die Gegend durchschneidet.

Der Wilde Westen, der war hier. Und ist es nun nach fünf Jahrzehnten wieder, für drei neue "Winnetou"-Filme. Schwer zu sagen, was bei May-Fans mehr Empörung hervorgerufen hat: dass der heilige Stoff überhaupt noch einmal angefasst wird, oder der Umstand, dass es eine Produktion für RTL ist, den Ballermann unter den deutschen TV-Sendern. Das ist verständlich. Aber auch bigott.

In Wahrheit war es schon damals, in den Sechzigerjahren, kurios: Erwachsene Deutsche spielen auf dem Balkan Cowboy und Indianer, auf Grundlage der wilden Fantasien eines vorbestraften sächsischen Schriftstellers aus dem 19. Jahrhundert. Doch dessen Hirngespinste waren genau das, wonach die junge Bundesrepublik sich sehnte.

Im Radio sang Freddy Quinn vom Fernweh, der deutsche Urlauber eroberte Rimini, und ein Mann, der sich Old Shatterhand nannte, entdeckte das Land der Apachen, 1962 im Kinofilm "Der Schatz im Silbersee", in strahlenden und satten Farben.

Shatterhand kam als Freund der Indianer, Friedensstifter, Versöhner der Kulturen. Ein guter Deutscher. Mit ihm identifizierte sich das Volk, das einige Jahre zuvor die Welt mit Krieg überzogen hatte, und auch mit seinem Blutsbruder Winnetou. Besser als dieses Männerduo harmonierten später allenfalls Siegfried und Roy.

Ungewiss, ob Deutschland im Jahr 2016 sich von dieser Erzählung berühren lässt. Ob sich überhaupt noch jemand für "Winnetou" interessiert. Kinder jedenfalls werden heute eher selten dabei ertappt, wie sie unter der Bettdecke Karl May lesen.

Es sind diese Fragen, die Christian Becker umtreiben, seitdem ihm vor acht Jahren die Idee zu einem neuen "Winnetou" kam. Dass er in Kroatien drehen will und nicht etwa in den USA, sei ihm damals schon klar gewesen. "So sieht für den deutschen Karl-May-Fan Amerika aus." (Sehen Sie hier den Trailer zu "Winnetou".)

Becker, 44, ist der Chef von Rat Pack, einer Tochterfirma von Constantin Film. Ein hibbeliger Mann, am Set ein Kümmerer. Sein größter Erfolg war der Pennälerjux "Fack Ju Göhte", sein Steckenpferd ist das Recyceln alter Stoffe. Aus der Trickserie "Wickie" machte er Kinofilme mit realen Schauspielern, den Edgar-Wallace-Schocker "Der Hexer" parodierte er als "Der Wixxer".

Seinen "Winnetou" sieht er als "Best-of der Karl-May-Bücher und -Verfilmungen". Die drei Teile kosten rund 13 Millionen Euro, so viel wie zehn "Tatorte". Action, Steppe und Sternenhimmel. Ein kühnes Unterfangen.

Becker meint es ernst mit "Winnetou". Er umarmt die alten Filme, distanziert sich aber zugleich von ihnen. Ja, Winnetou und Shatterhand nennen einander "mein Bruder", aber erst am Ende. Und ja, die Schmachtmelodie ertönt wieder. Komponist Martin Böttcher, ein bescheidener Herr von nunmehr 89 Jahren, war dabei, als sie neu aufgenommen wurde.

Unvermutet modern ist das Frauenbild. In den alten Filmen dienten weibliche Figuren als Schmuck und Beigabe. Ihre Bestimmung war es, entführt oder gleich erschossen zu werden, wie Winnetous Schwester Nscho-tschi. Die ist nun quasi berufstätig, als weise Schamanin ihres Stammes, und darf am Leben bleiben.

Im Laufe der drei Teile kommt sie auch dem besten Freund ihres Bruders näher, auch körperlich, und das ist eine kleine Sensation. Shatterhand hat Sex. Mit einer Frau. Leidenschaftlich. Ganz entgegen der berühmten These des Schriftstellers Arno Schmidt, Shatterhand stehe in Wahrheit auf Winnetou.

Um jüngere Zuschauer zu locken, hat Produzent Becker einen Teeniestar engagiert, den 20-jährigen Emilio Sakraya, bekannt aus "Bibi & Tina". Nostalgiker werden ein paar Veteranen wiedererkennen. Darunter Mario Adorf als Bösewicht Santher sowie Marie Versini, ehemals Nscho-tschi, jetzt namenloser Fahrgast in einer Kutsche.

Amerikas Ureinwohnern wird in der Neufassung mehr Respekt erwiesen als früher. So fehlt, weil das latent rassistisch wirken könnte, der weiße Lehrer, der Winnetou und seine Schwester in der deutschen Sprache unterweist - einst ein Kunstgriff, um plausibel zu machen, warum sie sich mit Shatterhand unterhalten können.

Noch ein Novum: Die Filmindianer werden nicht synchronisiert, sondern untertitelt. Ein Wagnis, das Zuschauer kosten kann. Allerdings reden sie nicht in der Sprache der Mescalero-Apachen, die ist so gut wie ausgestorben, sondern auf Lakota, einer Sprache der Sioux, was aber höchstens den Indianern unter den RTL-Zuschauern auffallen dürfte.

Schauspieler Brice, Lex Barker 1962: Erwachsene spielen Cowboy und Indianer
Rialto/ Jadran/ SNC/ Kobal Collection/ Fotofinder

Schauspieler Brice, Lex Barker 1962: Erwachsene spielen Cowboy und Indianer

Ein Reporter der "Zeit" besuchte vor einigen Jahren in den USA den echten Chef der Apachen und spielte ihm Szenen aus den "Winnetou"-Klassikern vor. Der Mann war höchst befremdet angesichts der "Lululu" rufenden, Federschmuck tragenden Krieger. So etwas gebe es bei seinem Stamm nicht.

Warum nicht noch mehr Authentizität? Warum nicht ein Indianer als Winnetou? Regisseur Philipp Stölzl sagt, auch indigene Darsteller seien gecastet worden. Doch Deutsche hätten, wenn sie an Indianer denken, eher Pierre Brice vor Augen als Häuptling Geronimo oder Sitting Bull. Also suchte man in Südamerika, Nordamerika und Europa nach einem hochgewachsenen, schmucken Mann. Und fand Nik Xhelilaj, in seiner Heimat Albanien ein Star, ebenso in der Türkei, wo er in Serien mitwirkte.

Xhelilaj ist eine sanfte Erscheinung, zurückhaltend im Gespräch. Auf einem Klappstuhl am Zrmanja-Canyon wartet er auf seinen Einsatz. Er trägt Haarklämmerchen, weil der Wind ihm sonst die Strähnen seiner Perücke in den Mund weht.

Neben ihm sitzt Wotan Wilke Möhring mit künstlichen Stoppeln im Gesicht, denn Shatterhand verwildert von Folge zu Folge. Nicht, dass Möhring keinen Bartwuchs hätte, doch die Dreharbeiten springen in der Chronologie, und in der kurzen Zeit von zwei, drei Stunden sprießt selbst bei einem Kerl wie ihm nichts.

Möhring sagt, er sei schon als Kind Indianerfan gewesen. Mit zwölf nähte er sich ein Kostüm und pirschte durch den Wald, bei den Karl-May-Festspielen in Elspe holte er sich ein Autogramm von Hauptdarsteller Pierre Brice. Western hätten ihn immer fasziniert: "Schleicht ein Cowboy durch die Prärie, guckt hoch: ein Indianer! Schleicht weiter. Guckt wieder hoch: Tausende!"

Xhelilaj hingegen hatte noch nie von Winnetou gehört, bis der Anruf kam, ob er ihn spielen wolle. Er war gerade im Kurzurlaub in Antalya. Zunächst glaubte er, er werde "irgendeinen Häuptling" darstellen. Xhelilaj war verblüfft, als er erfuhr, was der den Deutschen bedeutet.

Mario Adorf hingegen ist in Albanien eine Größe. Von ihm wird Xhelilaj sich später ein Autogramm holen und es seinem Vater in die Heimat schicken.

Während in Kroatien ein neuer "Winnetou" entsteht, löst sich tausend Kilometer weiter der alte auf. Im November 2015 versteigert Hella Brice in Mühlenbeck bei Berlin den Nachlass ihres wenige Monate zuvor verstorbenen Mannes, alles für einen mildtätigen Zweck.

Witwe Brice steht zwischen Weingläsern, Flaschenöffnern mit Pferdekopfgriffen, Papp-Pierre-Brices und Indianerkostümen. Sie sagt, sie wünsche dem neuen Winnetou alles Gute. Die Silberbüchse, eine Theaterversion von Winnetous sagenhafter Waffe, bringt 65.000 Euro.

Pierre Brice ist den Apachen nie losgeworden. Ob auf Freilichtbühnen oder in zweitklassigen TV-Filmen, immer wieder gab er den Lieblingshäuptling der Deutschen. Seine Autobiografie hieß "Winnetou und ich", einer seiner Hits als Sänger "Winnetou, du warst mein Freund".

Irgendwann muss er angefangen haben, sich für Winnetou zu halten. Als er Ende 2001 neben Komiker Bully Herbig in "Wetten, dass..?" saß, beschimpfte er diesen für seine Parodie "Der Schuh des Manitu". Brice warf ihm vor, er habe keinen Respekt vor Karl May, und zog eine atemberaubend direkte Linie zu den Anschlägen des 11. September in New York.

Produzent Becker hätte ihn gern in seinen Filmen dabeigehabt, als Winnetous Vater oder als alten Schamanen. Doch Brice, damals schon über 80, sagte per Brief freundlich ab.


Im Video: Die Macht der Fantasie
Eine Welt im Kopf zu erschaffen, ist das Wesen der Schriftstellerei. Kaum ein Autor hat diese Disziplin so konsequent betrieben wie Karl May, die eigene Biografie eingeschlossen. SPIEGEL TV über den Erfinder von Winnetou und Old Shatterhand.

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Ein Jahr später in Celle. Wotan Wilke Möhring steht wieder für den "Tatort" vor der Kamera, als Kommissar Falke, der immer so beiläufig daherkommt, als wäre er nur der Monteur, der mal eben den Abfluss reparieren muss.

Geplant war eine Plauderei über Winnetou, ein Rückblick auf die Dreharbeiten mit etwas Abstand. Doch daraus wird ein Gespräch über Deutschland, vielleicht auch, weil das inzwischen ein anderes Land ist als noch vor einem Jahr, zumindest in Teilen.

Zunächst erzählt Möhring von seiner Reise nach Kanada, wo die Indianer früher Büffel jagten. Sie nutzten alles von den erlegten Tieren, selbst die Blase. Ihre Demut habe ihn beeindruckt. Und nun zum Film.

"Old Shatterhand hat keine Vorurteile. Er weiß, nicht die Indianer treten die Werte mit Füßen, sondern wir, die Weißen", sagt Möhring. Shatterhand werde nicht von der fremden Kultur angezogen, sondern von der eigenen abgestoßen. "Die Indianer haben nie versucht, Weiße zu missionieren. Umgekehrt schon."

Möhring redet sich in Rage. "Alle weißen Siedler sind gegen die Indianer, aber keiner kennt einen. Du musst Interesse haben am Fremden, dann ist die Angst weg." Es klingt, als spräche er über Pegida und AfD.

Der Mann, der Old Shatterhand war, spricht weiter über das Verhältnis von Christentum und Islam, Ostlern und Westlern, Trennendes und Einendes. Verblüffend, zu welchen politischen Gedanken man auffliegen kann, wenn es eigentlich nur um die Groschenliteratur eines notorischen Lügners geht.

Vermutlich liegt genau darin die Faszination Karl Mays, geboren 1842 als Spross einer armen Weberfamilie, gestorben 1912 in Radebeul bei Dresden.

May war ein Schwindler vor dem Herrn, ein Betrüger und Hochstapler, womöglich, und das würde ihn wiederum entlasten, war er schlicht schizophren.

Mal schrieb er als falscher Augenarzt Rezepte, mal gab er sich als Lehrer aus, bestellte Pelze und floh, ohne sie zu bezahlen. Nach dreieinhalb Jahren aus der Haft entlassen, flunkerte er munter weiter und beschlagnahmte als Polizeileutnant in einem Krämerladen angebliches Falschgeld.

Am tollsten jedoch log er in seinen Büchern. Nannte sich Kara Ben Nemsi oder Old Shatterhand und behauptete, er habe alle Abenteuer selbst erlebt. Er ließ sich sogar in Heldenmontur fotografieren. Dabei war er, als er seine Bücher schrieb, noch nie im Wilden Westen gewesen.

Der RTL-Film jedoch nimmt ihn beim Wort. Teil eins beginnt im Jahr 1860 mit dem Eintreffen des sächsischen Landvermessers Karl May in Amerika, der bald schon zu Old Shatterhand wird.

"Wir wollten uns auf May einlassen", sagt Philipp Stölzl, der Regisseur. "Dieser Mann empfindet einen tiefen Humanismus. Er malt sich die Welt der Indianer als verlorenes Paradies aus, als Gegensatz zum Turbokapitalismus seiner sächsischen Heimat." May beschäftigt ihn noch immer. In Dresden bereitet Stölzl gerade ein Theaterstück vor, das im Januar Premiere haben wird. "Der Phantast oder das Leben und Sterben des Dr. Karl May" handelt von den letzten Jahren des Schriftstellers. Der Autor als Mensch.

Drohne bei "Winnetou"-Filmaufnahmen in Kroatien: Kulissen für die Ewigkeit
Nikola Predovic/ RTL

Drohne bei "Winnetou"-Filmaufnahmen in Kroatien: Kulissen für die Ewigkeit

Menscheln lässt Stölzl es auch in seinem RTL-Dreiteiler. Er hat den Figuren mehr Tiefe gegeben. "In den alten Filmen wirken die Männer immer wie Kriegskameraden. Die Helden reden nichts Privates, sie lachen auch nie. Sie reiten hin, sie reiten her, bestehen Abenteuer, aber man weiß nichts über sie."

Das Ergebnis ist sehenswert, selbst wenn der zweite Teil, die Suche nach dem Schatz im Silbersee, etwas lahmt.

Der neue "Winnetou" ist eine Chance für RTL, dessen drei Buchstaben in der Anfangsphase gern mit "Rammeln, Töten, Lallen" übersetzt wurden, was ziemlich gut den Inhalt des Programms wiedergab.

Inzwischen pflegt der Sender ein anderes Image und hebt den Anspruch seiner Filme, zuletzt geschehen bei der preisgekrönten Ost-West-Serie "Deutschland 83".

Es gibt jedoch einen hartnäckigen Gegner der Neuverfilmung, und der sitzt in Bamberg. Es ist Bernhard Schmid, Leiter des Karl-May-Verlags. Er ist Mays größter Verteidiger. Schon die vorsichtige Bemerkung, May sei wohl einer der erfolgreichsten deutschen Autoren, macht ihn fuchsig. "Er ist von allen der erfolgreichste! Erfolgreicher als Hermann Hesse!"

100 Millionen Bücher Gesamtauflage allein in Deutschland hat Mays Werk. Davon 80 Millionen in Schmids Verlag. Pro Jahr verkauft Schmid noch etwa 50.000 Stück.

Der Karl-May-Verlag hält die Rechte an den Titeln der Werke. So hat es ein Urteil des Bundesgerichtshof festgelegt.

2015 klagte der Verlag wegen unerlaubter Verwendung der May-Titel für die Neuverfilmung. RTL und Produzent Becker behalfen sich mit einem Trick und benannten die Filme um. Teil zwei etwa heißt jetzt nicht mehr "Der Schatz im Silbersee", sondern "Das Geheimnis vom Silbersee".

Schmid mag das nicht gelten lassen, für ihn sind das nur Untertitel. "Der eigentliche Filmtitel ist 'Winnetou', und der ist geschützt."

Schmid kennt die Filme noch nicht, aber die Drehbücher. Nach der Lektüre prägte er den Spruch, dieses Projekt müsse nicht heißen "frei nach Karl May", sondern "frei von Karl May".

Der tiefere Grund für sein Missfallen könnte jedoch sein, dass Schmid bereits einen Deal in der Tasche hatte mit einer anderen Firma. Die wollte aus "Winnetou" einen Kinofilm machen, doch Becker war schneller. Schmid sagt, er habe die RTL-Filme nie verhindern wollen. Es geht ihm ums Prinzip. Seine und Beckers Anwälte arbeiten daran, bis zur Ausstrahlung einen Vergleich zu erzielen.

Und Winnetou? Nik Xhelilaj lebt seit einigen Monaten in Berlin. Er sagt, er habe das Gefühl gehabt, hierherziehen zu müssen, "Berlin ist eine Brücke für internationale Filmprojekte". Xhelilaj besucht jeden Tag die Volkshochschule, drei Stunden Intensivsprachkurs mit Spaniern, Chilenen und Flüchtlingen aus Syrien.

Manchmal trifft er sich mit Möhring, der auch in Berlin wohnt. Der kocht dann Huhn, oder Xhelilaj macht Pizza. Er darf jetzt ja wieder normal essen.

Möhring und Adorf ziehen gerade durch die Talkshows, um "Winnetou" zu bewerben. Xhelilaj wurde in keine Sendung eingeladen. Ihn kennt in Deutschland noch niemand. Fremdsprachige Gäste gelten, sofern sie nicht Stars sind, in Talk-Redaktionen als Quotenkiller.

Vermutlich wird er nach der TV-Ausstrahlung Angebote bekommen, als Winnetou deutsche Freilichtbühnen zu bespielen, so wie einst Pierre Brice. Xhelilaj weiß noch nicht, ob er annehmen würde.

Regisseur Philipp Stölzl sagt, wenn er könnte, würde er es ihm verbieten.


* Sendetermine: 25., 27., 29. Dezember, 20.15 Uhr, RTL.

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
DJ Doena 13.12.2016
1.
Old Shatterhand ist eine Mary Sue. In Fanfiction-Kreisen ist eine Mary Sue eine Figur, die immer perfekt ist, immer alles kann und der alle anderen ehrfürchtig aufschauen. Gucken wir uns doch mal Karl / Charlie "Old Shatterhand" an. Er schießt den Bärentöter des alten Büchsenmachers in St. Louis so präzise, dass dieser ihm diesen schenkt. Er zwingt ein unbesiegbaren Rotschimmel in die Knie. Und das ist, bevor er auch nur einen Fuß in den "wilden Westen" gesetzt hat. Dort angekommen ist er der einzige kompetente Landvermesser. Er schießt einen uralten mächtigen Büffel bei seiner ersten Jagd, fängt Mary das Muli für Sam Hawkens und ersticht einen Grizzlybären mit dem Messer. Später befreit er höchstpersönlich Winnetou und Intschu-tschuna unter den Augen eines geübten Kiowa-Kriegers und besiegt einen weiteren im Kampf mit dem Messer - letzterer hatte sogar seinen Kriegernamen bekommen, weil er ein Meister im Messerkampf war. Seinen Namen Old Shatterhand bekam er, weil er einen Mann mit nur einem einzigen Faustschlag zu Fall bringen kann. Wenn das keine Mary Sue ist, weiß ich auch net weiter. PS: Ich liebe die Bücher. ;-)
Ridcully 13.12.2016
2. Nun, sagen wir so, die Ahnungslosigkeit des Autors ergibt sich schon
aus diesem einen Satz: "Schwer zu sagen, was bei May-Fans mehr Empörung hervorgerufen hat: dass der heilige Stoff überhaupt noch einmal angefasst wird oder der Umstand, dass es " ... äh, die angeblich so kultigen Filme mögen ihre Trash-Fans haben, mit Karl-May-"Fans" hat das noch viel weniger zu tun las die Filme mit dem Werk des guten alten Sachsen ...
schgucke 13.12.2016
3. carb low and tan self
Winnetou ist fraglos extrem ansehnlich und super in Form, aber beim Betrachten des Fotos erscheint es mir, als sei ihm das Ninja Turtle samt Brüsten mit Selbstbräuner auf den Bauch gemalt worden :-)
Putin-Troll 13.12.2016
4. Nostalgiebrille
Die alten Winnetoufilme habe ich als Kind zwar rauf und runter geguckt, aber gut gealtert sind sie objektiv gesehen nicht. Für die Buchvorlagen gilt das übrigens genauso. Habe letztens mal wieder in den Schatz vom Silbersee reingelesen und mich ernsthaft gefragt, wie ich das tatsächlich mal zuende geschafft habe...
rst2010 13.12.2016
5. die bücher konnte ich auswendig,
die filme waren eher enttäuschend, obwohl nicht so unendlich weit weg von der vorlage, wie z.b.die verfilmung der unendlichen geschichte. und das soll mit einer neuverfilmung besser werden? die erfahrung lehrt das gegenteil ...
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