AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 39/2016

Islamismus und Rechtsextremismus In der Zange

Unsere Gesellschaft, das liberale Europa, wird durch Islamismus und Rechtsextremismus bedroht. Doch wir scheinen die entscheidende Frage nicht zu begreifen: Wie wir uns gegen beide wehren können.

Demonstration in Bautzen im September 2016
DPA

Demonstration in Bautzen im September 2016

Ein Essay von


Wir wissen mehr als jede Generation vor uns, sind geradezu informationssüchtig. Ist es möglich, dass wir dennoch die entscheidende Frage nicht begreifen? Dass uns im Bestreben nach profunder Aufklärung jedes Ereignisses entgeht, in welche historische Situation wir geraten sind? Präzise analysieren wir den islamistischen Terror, den Aufstieg der extremen Rechten und die Schwäche Europas - aber jedes Phänomen und jedes einzelne Ereignis für sich. Lauter Pixel, die sich nicht zu einem Gesamtbild fügen.

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Heft 39/2016
Entspannen und bewegen - in gesundem Gleichgewicht

Vor einigen Wochen saß ich in einer informellen Runde mit Wissenschaftlern, Filmemachern und Politikern, es ging um den Aufstieg der extremen Rechten. Manche von ihnen hatten Mikrostudien betrieben, besaßen intime Kenntnis von Dörfern, in denen der allmähliche Aufstieg der Rechtsradikalen zu beobachten war. Sie beschreiben, wie die Rechten nach und nach den öffentlichen Raum beanspruchten, Freizeitangebote organisierten, während sich der Staat zurückgezogen hatte. Es gab in manchem Dorf keine Bushaltestelle mehr, eine rechte Initiative organisierte Bustransporte zu Sportereignissen oder Festen.

Es ist auch nicht falsch: Lokale Vernachlässigung kann zur Radikalisierung führen. Aber es ist nicht das ganze Bild. Vor lauter Kasuistik erkennen wir nicht, was in Bewegung geraten ist. Was wir gerade erleben, ist keine regionale, auch keine nationale Besonderheit, keine Reaktion auf irgendein lokales politisches Missmanagement. Der Aufstieg der radikalen Rechten ist eine schon lang bestehende und wohldurchdachte internationale politische Unternehmung.

Ihr stehen beträchtliche finanzielle Mittel zur Verfügung sowie das gesamte Arsenal der digitalen Kommunikationstechniken, und sie rekrutiert durchaus zweckmäßiges politisches Personal. Es mag entlastend wirken, deren Auslassungen bei Facebook wegen ihrer schlichten Sprache, ihrer Fehler zum Anlass herzlichen Gelächters zu nehmen - aber verschwinden wird diese Bewegung dadurch nicht. Diese Parteien und Bewegungen arbeiten seit Jahrzehnten daran, an die Macht zu gelangen, treffen sich und verfeinern ihre Kommunikation. Einer durch die Finanzkrise, die Eurokrise und die Migration verunsicherten Bevölkerung bieten sie Entlastung an: Schuld sind immer die anderen.

Doch das ist nur die eine uns bedrohende Seite. Die andere ist die des militanten politischen Islamismus. Auch der operiert seit Jahrzehnten. Wir nehmen die Terrorakte wahr, lesen alles über die jeweils aktive Zelle, nehmen zur Kenntnis, dass wieder einmal eine angebliche "Nummer 3" des jeweiligen Terrornetzwerks getötet worden ist - tun aber nichts gegen seine methodische, kulturelle Expansionsarbeit.

Beide aggressiven und illiberalen politisch-kulturellen Tendenzen verstärken sich gegenseitig. Das ist unsere Lage: Die Idee des liberalen Europa gerät in die Zange zweier ideologischer Kräfte. Und das entscheidende Schlachtfeld ist die Kultur. Bevor das nicht verstanden wird, finden wir auch keinen Ausweg.

IS-Propaganda
AFP/ Islamistische Propagandawebsite

IS-Propaganda

Man muss, um klar erkennen und formulieren zu können, von ferne auf Europa schauen oder das alles schon einmal mitgemacht haben. Oder beides. Wie der algerische Schriftsteller Kamel Daoud. Er hat "Der Fall Meursault" geschrieben - eine Antwort auf den "Fremden" von Albert Camus aus algerischer Sicht. Daoud empfiehlt uns Europäern, das Beispiel Algeriens als Exempel zu studieren. Das Land wurde nämlich schon in die Zange genommen: oben die regierende Clique und der repressive Polizei- und Sicherheitsapparat, in der Mitte die eingeschüchterte Bevölkerung, auf die seit Jahrzehnten von unten die Islamisten ihren unheilvollen Einfluss ausüben - die Zange.

Zwar verloren die Islamisten den algerischen Bürgerkrieg der Neunzigerjahre, der einen entsetzlichen Blutzoll forderte, aber sie dominieren das kulturelle Leben des Landes. Ihr Einfluss trifft Verlage, Theater, Medien und Vereine und vor allem den urbanen Lebensraum. Feste, die Kleiderordnung, der Kalender der Gemeinden, alles richtet sich nach ihren Vorstellungen. Man geht in Algerien abends kaum noch aus, Frauen allein schon gar nicht. Das alles kommt den Regierenden gerade recht: "Wenn die Bürger zu Gläubigen werden", sagt Daoud, "gehen sie beten, nicht demonstrieren."

In dem Dorf, aus dem er stammt, erzählt Daoud, haben die islamistischen Fernsehprogramme, die in den Golfstaaten, Ägypten oder Saudi-Arabien produziert werden, die normalen Programme ersetzt. Ganze Bibliotheken islamistischer Agitationsliteratur stehen zur Verfügung, Interessenten bekommen sie frei Haus. Dahinter stehen beträchtliche finanzielle Mittel und ein dichtes Netzwerk, das in nahezu alle Staaten des Maghreb und des Nahen Ostens reicht. "Früher", sagt Daoud, "unterhielten sich die Frauen meiner Familie durchaus über Liebe, Familienplanung, sogar Sex. Heute reden sie nur noch darüber, was haram ist und was halal."

Daoud kennt die Szene genau, er stand den Islamisten in seiner Jugend sogar nahe. Kultur, Bildung, Medien - das ist ihnen am wichtigsten: "Man wird nicht als Islamist geboren. Bücher, Reden, Fernsehsendungen und natürlich die Propaganda im Netz machen dich dazu."

Der Aufstieg der extremen Rechten in Europa wurde, so Daoud, erst durch das Feindbild der Islamisten und ihr Projekt der Islamisierung Europas möglich. Die Migranten der Wirtschaftswunderzeit wurden, bis in die Achtzigerjahre hinein, gar nicht als Muslime wahrgenommen. "Die Islamophobie ist heute die Tochter des Islamismus."

Der Politologe Claus Leggewie schreibt in seinem Buch über die "Anti-Europäer", über die Ideologen der beiden uns bedrängenden Ideologien: Sie seien "siamesische Zwillinge, die sich hassen, aber doch nicht voneinander lassen können". In Algerien und in der Welt des Nahen Ostens arbeiten Islamisten und militärisch gestützte Despoten nicht selten Hand in Hand, es sind nicht nur Gegner, vielmehr stellen sie gegenseitig eine Lebensversicherung für den anderen dar. Ihr gemeinsamer Gegner ist die offene, multikulturelle Gesellschaft. Die offene Gesellschaft, die noch 1989 so unangreifbar schien, ist ideologisch in die Defensive geraten und hat es lange Zeit nicht bemerkt.

Was tun?

Europa muss kulturell reagieren, geschlossen, mutig und schnell. Lange waren wir nicht auf der Höhe dieser Herausforderung. Wo sind die Stiftungen, Sender und Websites, die die heroische Komplexität der liberalen bürgerlichen Gesellschaft vermitteln und preisen? Schulen, Hochschulen, die Ausbildung europäischer Imame, Stipendien und Austauschprogramme - die kulturelle Verteidigung unserer Offenheit durch ihre gerechte Darstellung braucht Geld und Organisation. Kultur, die verstanden werden möchte, braucht eine entsprechende Infrastruktur und zuallererst den politischen Willen dazu. Man darf keine Angst davor haben, islamistische Ideologen anzugreifen, weil Türken und Araber sich beleidigt fühlen könnten. Und auch nicht davor, Populisten als Rechtsradikale zu bezeichnen, weil man damit einen Teil des wählenden Volkes angreifen würde.

Die Ideologen sind nicht das Volk. Diesen Eindruck erwecken zu wollen ist schon Teil ihrer Inszenierung.

Es ist Zeit, dagegenzuhalten, die Vorstellung von der offenen Gesellschaft fantasievoll zu propagieren. Es gibt große, bundesweite Aktionen gegen Drogenmissbrauch, für bewusste Ernährung und Verkehrssicherheit - aber wo sind die Spots, die Plakate, die Fernsehgalas gegen Rechtsextremismus, gegen islamistische Propaganda, für die offene Gesellschaft?

In Kanada gibt es einen hohen Anteil an Bürgern, die nicht dort geboren wurden. Eine bedrohliche rechtsextreme Kraft aber existiert dort nicht. Das liegt auch an den Anstrengungen der kanadischen Regierung, Xenophobie, Diskriminierung und Rassismus schon in der Schule zu bekämpfen. Zugleich werden viel Geld und Mühe investiert, um das Bild von Kanada als einer toleranten und vielfältigen Gemeinschaft zu verbreiten, ebenso dafür, die Integration der Migranten bestmöglich sicherzustellen.

Die Propagierung unserer eigenen Werte und Vorstellungen von Humanismus, Toleranz und Freiheit ist eine zentrale Aufgabe eigentlich aller, die aus der ideologischen Zange herausfinden wollen. Es ist Zeit für ungewöhnliche Initiativen, dafür, die Dinge neu zu denken. Zeit, herumzuspinnen.

In Algerien, stellt Daoud fest, führen die Politiker nur noch die laufenden Geschäfte, entwickeln keine Fantasie, vermitteln weder Werte noch Vorstellungen von einer guten gemeinsamen Zukunft. Ist es bei uns anders? Welcher europäische Spitzenpolitiker traut sich noch, eine bunte, gelingende europäische Zukunft zu beschwören?

Kulturelle Offenheit bedeutet auch, dass wir von arabischen Schriftstellern wie Daoud lernen können. Die ideologischen Bedrohungen kommen nicht von außen, sondern sind eine Form des Bürgerkriegs. Polizei und Militär sind unabdingbar, aber sie bilden die letzte Verteidigungsreihe und werden allein nicht genügen. Man muss widersprechen und deutlich machen, dass der Aufstieg der beiden Ideologien, die unsere Luft abschnüren, aufhaltsam ist, dass Christen und Muslime, Gläubige und Atheisten, dass eigentlich fast alle Menschen gut miteinander auskommen können. Das ist die Lehre Europas nach 45: Wie viele Kriege haben Deutsche und Franzosen geführt, wie viele gute Gründe haben sie jeweils dafür gefunden, wie verschieden sind diese Kulturen - und eines Tages haben sie aufgehört, gegeneinander Kriege zu führen.

Die Kraft beider Bewegungen speist sich nicht aus Frust über fehlende Infrastruktur, gar Armut oder Arbeitslosigkeit, sondern aus dem von Daoud präzise beschriebenen Wunsch nach Entlastung von der Bürde der individuellen Freiheit.

Wie reagiert man darauf? Man antwortet mit Aufklärung und mit Humanität.

Und nichts widerspricht dem Weltbild des "Islamischen Staates" so sehr wie die freundliche Aufnahme der Flüchtlinge im vergangenen Jahr durch die Bundesrepublik.

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Entspannen und bewegen - in gesundem Gleichgewicht


insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
Phil2302 28.09.2016
1. Naja die Lage ist eigentlich klar
Ich habe schon vor über einem Jahr, zu Beginn der Flüchtlingskrise (bzw. zu dem Zeitpunkt, als die Auswirkungen in Deutschland ankamen) gesagt, dass bei entsprechend zahlreicher Zuwanderung die Rechten in ungeahnte Höhen aufschwingen werden. Das war nicht nur absehbar, sondern nahezu logisch zwingend. Es liegt in der Natur vieler Menschen, sich als zugehöriger zu einer Gruppe gegen große Einwanderungen zu stellen, da die eigene Identität/Kultur/Gesellschaft bedroht wird, respektive als bedroht empfunden wird. Wer sich also fragt, warum wir nicht aus der Geschichte lernen, übersieht gleich 2 Dinge: Zum einen lernt er selber nicht aus der Geschichte, weil der Aufstieg der Rechten schon immer in entsprechende Zeiten fiel, zum anderen möchte er nicht einsehen, dass es sich nicht ändert - wenn der Mensch seit über 2000 Jahren nicht aus der Geschichte gelernt hat, warum sollte er jetzt damit anfangen? Weil wir so "modern" geworden sind? Welch Arroganz, jede Generation von Menschen empfindet sich als aufgeklärt und modern. Zur Beantwortung der Eingangsfrage, wie man sich gegen Islamismus und Rechtsextremismus zusammen wehren kann: Es ist unmöglich. Wenn der Staat Werkzeuge nutzt, um den Islamismus zu bekämpfen, muss er nach rechts rücken. Und das ist - zumindest aktuell - nicht von der Regierung gewollt. Also rückt eben ein Teil der Gesellschaft nach rechts, der andere Teil arrangiert sich mit dem Islamismus und beruhigt sich mit der Tatsache, dass das Autofahren immer noch gefährlicher ist. Kann sich jetzt jeder aussuchen, wozu er gehören will.
GSYBE 28.09.2016
2. die entscheidende Frage?
Nein, es sollte heissen `die entscheidende Antwort´; und die wäre: längst überfällige Einlösung des europäischen Versprechens des Wohlstandes und sozialer Sicherheit für alle Bürger. Der Rest erledigt sich dann von selbst, und zwar zum Besseren.
cabeza_cuadrada 28.09.2016
3. eine sehr gelungene Analyse
Zitat von Phil2302Ich habe schon vor über einem Jahr, zu Beginn der Flüchtlingskrise (bzw. zu dem Zeitpunkt, als die Auswirkungen in Deutschland ankamen) gesagt, dass bei entsprechend zahlreicher Zuwanderung die Rechten in ungeahnte Höhen aufschwingen werden. Das war nicht nur absehbar, sondern nahezu logisch zwingend. Es liegt in der Natur vieler Menschen, sich als zugehöriger zu einer Gruppe gegen große Einwanderungen zu stellen, da die eigene Identität/Kultur/Gesellschaft bedroht wird, respektive als bedroht empfunden wird. Wer sich also fragt, warum wir nicht aus der Geschichte lernen, übersieht gleich 2 Dinge: Zum einen lernt er selber nicht aus der Geschichte, weil der Aufstieg der Rechten schon immer in entsprechende Zeiten fiel, zum anderen möchte er nicht einsehen, dass es sich nicht ändert - wenn der Mensch seit über 2000 Jahren nicht aus der Geschichte gelernt hat, warum sollte er jetzt damit anfangen? Weil wir so "modern" geworden sind? Welch Arroganz, jede Generation von Menschen empfindet sich als aufgeklärt und modern. Zur Beantwortung der Eingangsfrage, wie man sich gegen Islamismus und Rechtsextremismus zusammen wehren kann: Es ist unmöglich. Wenn der Staat Werkzeuge nutzt, um den Islamismus zu bekämpfen, muss er nach rechts rücken. Und das ist - zumindest aktuell - nicht von der Regierung gewollt. Also rückt eben ein Teil der Gesellschaft nach rechts, der andere Teil arrangiert sich mit dem Islamismus und beruhigt sich mit der Tatsache, dass das Autofahren immer noch gefährlicher ist. Kann sich jetzt jeder aussuchen, wozu er gehören will.
das muss man schon sagen. Nüchtern betrachtet , völlig ohne Schaum vorm Mund der sich derzeit rechts wie links immer bildet. Es ist definitiv kein deutsches Problem, auch wenn das von linksgrün gerne behauptet wird. Es ist schlicht menschlich.
spmc-135322777912941 28.09.2016
4. Politiker führen nur noch die laufenden Geschäfte
Aber bitte, das ist doch bei uns nicht anders. Und zwar seit Jahren schon. Der von vielen hochverehrte Helmut Schmidt wollte Menschen mit Visionen (Phantasien) gleich mal zum Psychiater schicken. Die EU erschöpft sich in einem dauernden Klein-Klein und lässt es zu dass sie sich auflöst, einige der führenden Politiker scheinen sich sogar darüber zu freuen dass GB aussteigt. Ein Problem weniger, denken sie, dabei werden die Probleme immer zahlreicher und grösser. Warum dies alles so ist weiss ich auch nicht, was ich aber sehen kann ist die Tatsache dass wir keine charismatischen Führungskräfte mehr haben. Wer stellt sich denn noch für die Politik zur Verfügung ?
kakadu 28.09.2016
5. Stimme nicht zu
Zitat von Phil2302Ich habe schon vor über einem Jahr, zu Beginn der Flüchtlingskrise (bzw. zu dem Zeitpunkt, als die Auswirkungen in Deutschland ankamen) gesagt, dass bei entsprechend zahlreicher Zuwanderung die Rechten in ungeahnte Höhen aufschwingen werden. Das war nicht nur absehbar, sondern nahezu logisch zwingend. Es liegt in der Natur vieler Menschen, sich als zugehöriger zu einer Gruppe gegen große Einwanderungen zu stellen, da die eigene Identität/Kultur/Gesellschaft bedroht wird, respektive als bedroht empfunden wird. Wer sich also fragt, warum wir nicht aus der Geschichte lernen, übersieht gleich 2 Dinge: Zum einen lernt er selber nicht aus der Geschichte, weil der Aufstieg der Rechten schon immer in entsprechende Zeiten fiel, zum anderen möchte er nicht einsehen, dass es sich nicht ändert - wenn der Mensch seit über 2000 Jahren nicht aus der Geschichte gelernt hat, warum sollte er jetzt damit anfangen? Weil wir so "modern" geworden sind? Welch Arroganz, jede Generation von Menschen empfindet sich als aufgeklärt und modern. Zur Beantwortung der Eingangsfrage, wie man sich gegen Islamismus und Rechtsextremismus zusammen wehren kann: Es ist unmöglich. Wenn der Staat Werkzeuge nutzt, um den Islamismus zu bekämpfen, muss er nach rechts rücken. Und das ist - zumindest aktuell - nicht von der Regierung gewollt. Also rückt eben ein Teil der Gesellschaft nach rechts, der andere Teil arrangiert sich mit dem Islamismus und beruhigt sich mit der Tatsache, dass das Autofahren immer noch gefährlicher ist. Kann sich jetzt jeder aussuchen, wozu er gehören will.
Sie schreiben über ihre eigene Ansicht und ihre Vorurteile, aber zum Artikel nehmen sie wenig Bezug. Zunächst einmal schreiben sie "ich habe vor einem Jahr schon...". Sie wollen es also bereits gewusst und analysiert haben. Was denn überhaupt? Dann schreiben sie weiter "...nahezu logisch zwingend". Logisch soll das sein, ja? Dann geht es weiter bei ihnen mit "Es liegt in der Natur vieler Menschen.....". Was genau liegt in der Natur des Menschen? Menschenverachtung oder was meinen sie? Und dann kommen sie mit der Erklärung: "....da die eigene Identität/Kultur/Gesellschaft bedroht wird...". Sie sollten sich mehr mit Identität, Kultur und Gesellschaft auseinander. Für die, die es nicht verstehen, ist es ein statisches Konstrukt, als ob es einen Fixpunkt in der Vergangenheit hätte. Nun entfernen wir uns stetig und unaufhaltsam vom vergangenem Fixpunkt und plötzlich kommen besonders ältere Menschen auf die Idee, die Kultur sei bedroht. Im Übrigen machen das die Führer der islamistischen Terroristen genau so, in dem sie ein Bedrohungs-Szenario der islamischen Kultur konstruieren und verbreiten. Kommen wir zu ihren Satzkonstrukten: "Wer sich also fragt, warum wir nicht aus der Geschichte lernen...". Sie nehmen es also als gegeben an, daß niemand aus der Geschichte lernt. Sie aber schon oder? Kommen wir zu ihrer Einstellung: "Zur Beantwortung der Eingangsfrage....wie man sich ... wehren kann: Es ist unmöglich". Hört sich aber sehr depressiv und verloren an. Zu ihrem Fazit sage ich jetzt mal nichts, da die Prämisse nur aus Plattitüden und ihrer eigenen dunklen Stimmung besteht.
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