• Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Imperium in der Krise Bier für die Landser

4. Teil: Der Hadrianswall

Wozu diente der Hadrianswall? Archäologische Funde zeigen, dass das Bauwerk durchaus nicht so gewaltig, von nur wenigen Soldaten direkt bewacht und zudem an vielen Stellen durchlässig gewesen sein dürfte. Zudem ist ein Annäherungshindernis, ein breiter Graben entlang der Mauer, nicht im Norden, sondern im Süden, also auf der "römischen" Seite der Mauer angelegt.

Kein Wunder, dass die Historiker bis heute über den Sinn der Anlage streiten. Kipling meinte gut britisch-nationalistisch, die Anlage habe nördliche Barbaren abhalten sollen - einige Forscher sind noch heute dieser Meinung. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand dagegen, frei nach dem Muster der deutsch-deutschen Teilung, die Idee, es handele sich eher um eine Demarkationslinie quer durch das Siedlungsgebiet des mächtigen britannischen Stammes der Briganten.

Nach dem Bau der Berliner Mauer legte das Hindernis auf der "römischen" Seite nahe, dass der Wall die zwangsromanisierten Stämme im "römischen" Britannien an einem Ausbruch in das "freie" Barbarengebiet hindern sollte. Zur Zeit der Nachrüstungsdebatte hieß es plötzlich, das Bauwerk sei vor allem zur Beschäftigung sonst unruhig werdender Militärs gedacht gewesen. Und nach 1989 haben manche im Hadrianswall eher den "mentalen" Zweck gesehen: eine Stein gewordene Selbstvergewisserung des Imperiums.

Sicher ist nur, dass die kostspielige Befestigung kurzlebig war. Schon Hadrians Nachfolger Antoninus Pius (138 bis 161 nach Christus) gab den Hadrianswall auf und errichtete eine neue Mauer weiter im Norden, zwischen Firth of Clyde und Firth of Forth, Glasgow und Edinburgh.

Noch lange sollten die Römer in Britannien bleiben. So sind vom Alltag der römischen Soldaten in späteren Jahrhunderten viele Überreste entdeckt worden, auch weit abseits der Grenzanlagen. Im mittelenglischen Staffordshire, im südwestenglischen Wiltshire und sogar im nordfranzösischen Amiens hat man emaillierte Trinkschalen gefunden, die oberhalb einer symbolisierten Zinnenmauer oder eines keltischen Rankenmotivs verschiedene Ortsnamen nennen, allesamt Stationen an der Stanegate-Linie und am Hadrianswall. Römische Auxilia-Soldaten im Ruhestand werden sich an solch farbenfrohen Souvenirs erfreut haben.

Und was haben sie daraus getrunken? Natürlich - Asterix lässt grüßen - lauwarme cervisia! Vor dem in Britannien gebrauten Bier warnte schon der in römischen Diensten stehende griechische Arzt Dioskurides:

Dort also, nicht so sehr an der Barbarenfront, mussten die Römer gute Nerven beweisen. Aus den Vindolanda-Tafeln ist der ganze heldenhafte Trinkermut der Truppe abzulesen:


Nicht immer war die Versorgung gesichert. So beklagte sich ein Decurio (Reiterei-Kommandant), der eine Station außerhalb des Lagers Vindolanda befehligte, beim Lager-Präfekten: "Ich bitte Dich, Herr, uns zu instruieren, was Du wünschst, dass wir morgen tun sollen: Sollen wir alle ins Lager zurückkehren oder nur jeder Zweite? ... Meine Mitsoldaten haben kein Bier! Ich bitte Dich zu befehlen, dass es geschickt wird!"

Kein Zweifel, dass der Lagerchef umgehend auf den Hilferuf reagiert hat.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Mensch

© SPIEGEL Geschichte 1/2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP