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Die erste Globalisierung Der Fluch des Silbers

3. Teil: Sklaverei als Motor der Kolonialwirtschaft

Nur in Potosí kam der Aufschwung nicht an. Die Silberminen waren weitgehend versiegt. Das Edelmetall, das in Europa zur Geburt des Kapitalismus, zur industriellen Revolution und zur Vorherrschaft über den Rest der Welt so viel beigetragen hatte, hatte in Südamerika eine Feudalgesellschaft genährt. Es verhinderte die Herausbildung eines bürgerlichen Standes und damit die Entstehung eines modernen Kapitalismus.

Was das Silber für das spanischsprachige Amerika bedeutete, war der Zucker für Brasilien und das portugiesische Kolonialreich. Portugal war traditionell eine Nation von Seefahrern. Als im 15. Jahrhundert in Europa das Gold knapp wurde und deshalb an Wert gewann, suchten die Portugiesen zunächst in Afrika nach dem Edelmetall. Von dort brachten sie Leder, Färbemittel und Sklaven mit, die in Europa teuer gehandelt wurden.

Im Jahr 1500 entdeckte der Seefahrer Pedro Álvares Cabral Brasilien. Die Portugiesen errichteten sogenannte Feitorias, Verwaltungseinheiten, die den Vizekönigreichen in Hispanoamerika entsprachen und später in "Capitanias" umbenannt wurden.

Zunächst exportierte die junge Kolonie vor allem Brasilholz nach Europa, Mitte des 16. Jahrhunderts wuchs die Nachfrage nach Zucker. Grundlage der brasilianischen Kolonialwirtschaft waren die Fazendas: riesige Farmen, die meist Zuckerrohr oder Getreide in Monokultur anbauten. Der portugiesische König besaß das Handelsmonopol, er vergab Lizenzen für private Geschäftsleute. In den Kolonien herrschte Tauschwirtschaft. Sklaven stellten die wichtigste Währung dar. "Die Sklaverei war der Motor der Kolonialwirtschaft", sagt der brasilianische Historiker Oswaldo Munteal Filho.

Die Capitanias importierten Sklaven aus Afrika, die sie gegen Zucker, Pfeffer und andere Produkte eintauschten. Zunächst hatten sie versucht, Brasiliens Ureinwohner zu versklaven, aber die Indios lehnten sich gegen die Kolonialherren auf. Afrikaner galten als kräftiger, fleißiger und gehorsamer.

Seefahrer vermieteten Stauraum in den Karavellen, die im Dreieckshandel zwischen Portugal, Afrika und Brasilien verkehrten. In Afrika begaben sich viele Stammesfürsten in den Dienst der Portugiesen. Sie tauschten Angehörige unterworfener Stämme gegen Stoffe, Salz und Tand aus Europa ein.

Das kleine Portugal war bald von seinen Übersee-Besitzungen abhängig. "Im 16. Jahrhundert stand Portugal an der Spitze der Weltökonomie", sagt Historiker Munteal Filho. "Aber die Iberische Halbinsel schaffte es nicht, sich aus der Abhängigkeit von den Kolonien zu lösen. Wirtschaftlich wurde Portugal zu einem Anhang Brasiliens."

Bis Ende des 17. Jahrhunderts dominierte der Zuckerhandel das portugiesische Kolonialsystem; der süße Stoff stieg neben den Sklaven zur wichtigsten Tauschwährung auf. Erst 1694, als im Hinterland von Rio de Janeiro Gold gefunden wurde, errichtete die Kolonialverwaltung von Bahia, der wichtigsten Capitania, eine Münzpresse, um eine eigene Kolonialwährung auszugeben.

In Brasilien führte der Gold- und später Diamantenrausch zur Entstehung neuer Städte und der Erschließung des Landesinneren. "Der Bergbau erlaubte die Ausweitung der Geldzirkulation und beschleunigte den Austausch von Gütern", schreibt der Historiker Arno Wehling. "Das trug dazu bei, die verschiedenen Wirtschaftsregionen der Kolonie untereinander zu verbinden und transformierte sie in einen relativ geeinten Kontinent namens Brasilien."

Aber die Sklaverei wurde in Brasilien erst 1888 endgültig abgeschafft. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein dominierte die Plantagenwirtschaft der Kolonialzeit Brasiliens Wirtschafts- und Sozialstruktur. Die Abschaffung der Sklaverei führte nicht zu einer Landreform, der Großgrundbesitz blieb bestehen. Die "befreiten" Sklaven verdingten sich zumeist als Lohnarbeiter auf den Fazendas. Oft erhielten sie nur Verpflegung und eine Schlafstätte.

Immer noch wird Landbesitz in Brasilien höher geachtet als Geld und produktive Investitionen. Viele Politiker sind Großgrundbesitzer. Wer etwas Geld angespart hat, kauft eine Fazenda oder andere Immobilien.

Europas Aufstieg zum Handels- und Wirtschaftszentrum der Welt wurde vom Reichtum seiner Kolonien begünstigt. Doch in Lateinamerika zementierte der Überfluss natürlicher Ressourcen Großgrundbesitz und Sklavenwirtschaft. Die Ideen der Aufklärung erreichten in Lateinamerika nur die Eliten, die industrielle Revolution blieb aus.

So ist Lateinamerika bis heute in vieler Hinsicht vom Erbe der Kolonialepoche geprägt. Auch deshalb ist der moderne Kapitalismus dort nie angekommen.

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insgesamt 8 Beiträge
mark anton 29.07.2009
Egal wie das Regim beschaffen ist, ob freie,kapitalistische Wirtschaft wo in der Regel die Regale voll sind, oder Kommunisten, mit leeren Regalen (bei regulierter Planwirtschaft) die Versuchung sich zu bereichern lockt und [...]
Zitat von sysopDie Ausplünderung der Neuen Welt nach ihrer Entdeckung durch Kolumbus beschleunigte Europas Aufstieg, hat das Schicksal Lateinamerikas aber nicht so ausschließlich geprägt, wie linke Kritiker behaupten. Dennoch trägt der Kontinent bis heute schwer an seinem kolonialen Erbe. http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/0,1518,638682,00.html
Egal wie das Regim beschaffen ist, ob freie,kapitalistische Wirtschaft wo in der Regel die Regale voll sind, oder Kommunisten, mit leeren Regalen (bei regulierter Planwirtschaft) die Versuchung sich zu bereichern lockt und wird oft umgesetzt wo Kontrollinstanzen fehlen oder ebenfalls korrupt sind. Der SED Staat war da keine Ausnahme, im Gegenteil die Topgenossen und hoeheren Funktionaere konnten auch in Sonderlaeden zugreifen auf sog. Westartikel, von denen das gemeine Volk nur traeumen konnte. Die Hypokratie konnte im klassenlosen Arbeiter und Bauernstaat nicht ueberboten werden. Einige deren Nutzniesser mit Stasivergangenheit, schwimmen auch heute in der Bundesrepublik wieder oben mit.
JEW-T 29.07.2009
An seinem post-kolonialem Erbe trägt er weitaus schwerer, angesichts absurder Potentaten und Potentätchen, die sich nur mit Hilfe diverser ausländischer Sponsoren und dem Raubbau an den vorhandenen Bodenschätzen des jeweiligen [...]
Zitat von sysopDie Ausplünderung der Neuen Welt nach ihrer Entdeckung durch Kolumbus beschleunigte Europas Aufstieg, hat das Schicksal Lateinamerikas aber nicht so ausschließlich geprägt, wie linke Kritiker behaupten. Dennoch trägt der Kontinent bis heute schwer an seinem kolonialen Erbe. http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/0,1518,638682,00.html
An seinem post-kolonialem Erbe trägt er weitaus schwerer, angesichts absurder Potentaten und Potentätchen, die sich nur mit Hilfe diverser ausländischer Sponsoren und dem Raubbau an den vorhandenen Bodenschätzen des jeweiligen Landes (einschließlich des Bodens selbst) an der Macht und den Fleischtöpfen halten konnten und können. Ironischerweise ist das angestrebte Ideal dabei der koloniale Großgrundbesitzer, als post-kolonialer Hidalgo natürlich, von dem sie sich so glorreich befreit zu haben meinen...
ofelas 29.07.2009
"doch ihre eigenen Eliten trugen zum Elend der Massen bei" denn ihre eigenen "Eliten" sind fast allesamt nachfahren von Europaer. Die Spanier, Italiener und Deutsche sehen sich bis heute nicht als [...]
"doch ihre eigenen Eliten trugen zum Elend der Massen bei" denn ihre eigenen "Eliten" sind fast allesamt nachfahren von Europaer. Die Spanier, Italiener und Deutsche sehen sich bis heute nicht als Lateinamerikaner. Es gibt keinen sozialen Zusammenhalt, die anderen sind Indios, Schwarze oder "gemischt", und werden als minderwertig betrachtet. Mir ist nirgends so viel Rassimus und Scheinheiligkeit begegnet wie in Lateinamerika. Das Europaer ueber Jahrhunderte einen gewaltiges Konjunkturpacket aus Amerika erhalten hat, und damit auch in der Lage war die Forschung, Ausbildung und Militaer zu finanzieren, sollte dem Spiegel mal ein Beitrag wert sein.
mypart 29.07.2009
Es ist echt schon traurig was der Spiegel in Herrn Glüsing für einen schlechten Südamerika Korrespondenten hat. Haben Sie das Buch welches Sie zu hinterfragen suchen, dessen Thesen Sie laut Ihrer Einleitung auf ihre [...]
Es ist echt schon traurig was der Spiegel in Herrn Glüsing für einen schlechten Südamerika Korrespondenten hat. Haben Sie das Buch welches Sie zu hinterfragen suchen, dessen Thesen Sie laut Ihrer Einleitung auf ihre Standhaftigkeit hin untersuchen wollen überhaupt gelesen? Wenn, dann haben Sie entweder nicht mitbekommen wollen was Sie lesen oder Sie haben einfach weit vor der Hälfte aufgehört! Eduardo Galeano zeigt eindeutig auf wer die tatsächliche Herrschaft übernahm als die spanische Krone zu schwach war um selbst genügend Unterdrückung auszuüben, von Europa gesteuerte Eliten die sich fast ausschließlich aus Nachkommen der Conquistadoren zusammensetzten. Nach Ihrer Unabhängigkeit wurden die lateinamerikanischen Staaten von ihren europäischen und nordamerikanischen "Geschäftspartnern" in ein Freihandelssystem gezwungen, von dem sie auf Grund ihrer zurückgebliebenen Wirtschaftsstrukturen nur weiter in den Abgrund getrieben worden. Eine kleine Elite konnte von diesem System aber weiter profitieren und sich mit dem Geld welches sie zur Unterstützung der Ausbeutung von ihren "westlichen" Partnern bekamen konnten sie die Massen unterdrücken. Dies ist die "direkte Linie von der Conquista zu den ökonomischen und politischen Interventionen der USA in Mittelamerika. So wie die Spanier die Indios unterwarfen, so beute im 20. Jahrhundert ein Unternehmen wie die United Fruit Company die Arbeiter auf seinen Bananenplantagen aus." Und die mehrfach genannten Eliten waren und teilweise sind eben immer noch die örtlichen Statthalter der United Fruit, der Standard Oil oder der Shell. Es sind die selben Eliten die 2002 den Putsch in Venezuela versuchten, die vor einem Jahr die Massaker im bolivianischen Tiefland anrichteten und die jetzt den Putsch in Honduras anführen.
martinhlindemann 29.07.2009
Aber dann stampfen Sie bitte auch die angeblich überlegene christlich-abendländische Moral ein. Überlegen ist/war sie in lediglich ausbeuterischer Hinsicht, hat durch Zwangsmissionierungen die Versklavung gefördert. Sie haben [...]
Zitat von mark antonLeider ist dies ein menschlicher Zug sich zu bereichern und korrupt zu sein, auch heute... Egal wie das Regim beschaffen ist, ob freie,kapitalistische Wirtschaft wo in der Regel die Regale voll sind, oder Kommunisten, mit leeren Regalen (bei regulierter Planwirtschaft) die Versuchung sich zu bereichern lockt und wird oft umgesetzt wo Kontrollinstanzen fehlen oder ebenfalls korrupt sind... Einige deren Nutzniesser mit Stasivergangenheit, schwimmen auch heute in der Bundesrepublik wieder oben mit.
Aber dann stampfen Sie bitte auch die angeblich überlegene christlich-abendländische Moral ein. Überlegen ist/war sie in lediglich ausbeuterischer Hinsicht, hat durch Zwangsmissionierungen die Versklavung gefördert. Sie haben Recht, wenn Sie anmerken, auch der Kommunismus nicht zur nachhaltigen Gerechtigtkeit führte. Doch hat wer das Recht die SED-Nutznießer vom Wohlstand auszuschliesen? Wenn man nur den Splitter im Auge (System) des Anderen betrachtet, übersieht man leicht den Balken im eigene Auge.
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