Bewundernswert und göttlich sei er gewesen, königlich und großherzig. Giorgio Vasari geizte nicht mit Superlativen in seiner 1568 publizierten Biografie "Das Leben des Florentiner Malers und Bildhauers Leonardo da Vinci".
Der italienische Pionier der Kunstgeschichte rühmte seinen Helden überschwänglich: "Wohin er den Geist auch lenkte, verhalf ihm seine Begabung, die schwierigsten Dinge mit Leichtigkeit zur Vollendung zu bringen."
Vasari gab den Ton an, der bis heute vorherrscht, wenn von Leonardo da Vinci die Rede ist. Goethe schwärmte von einem "Mustermenschen"; Freud vom "allseitigen Genie"; Jacob Burckhardt pries "den vollkommenen Menschen".
Als Maler war Leonardo da Vinci schon zu Lebzeiten eine Legende. Seine wissenschaftlichen Studien in Anatomie, Geologie oder Architektur fanden dagegen erst im 19. Jahrhundert Anerkennung, als Kunsthistoriker seine Arbeitsbücher und Skizzen entziffert hatten.
Mittlerweile sind es vor allem anderen die Haltung und die Weltsicht Leonardos, die faszinieren: seine experimentelle Leidenschaft; sein rastloser Drang, Wissen an die Stelle von Glauben zu setzen; schließlich der außergewöhnlich produktive Eigensinn eines Mannes, der als uneheliches Kind, als Linkshänder und als Homosexueller immer schon anders war als die anderen. Vor Augen tritt ein Mensch, der als Vorbild eines neuzeitlichen, autonomen Individuums erscheint.
Nur ein einziges Selbstbildnis Leonardos ist erhalten, ein im Alter von etwa 60 Jahren gezeichnetes Porträt: Ein Mann mit markanter Nase, buschigen Augenbrauen, wallend langem Haar, dichtem Vollbart und durchdringendem Blick.
Üppige Lobeshymnen, kärgliches Wissen
So üppig die Lobeshymnen auf ihn ausfallen, so kärglich ist das Wissen über seine Person. "Die ungeheuren Umrisse von Leonardos Wesen", bedauerte Burckhardt, "wird man ewig nur von ferne ahnen können."
Wer war dieser Mann, der mit der "Mona Lisa" das bekannteste Gemälde der Welt schuf? Was trieb diesen Künstler an, in dem schon Zeitgenossen des 16. Jahrhunderts das Muster eines Universalmenschen, "uomo universale", erblickten?
Unbestritten ist, dass Leonardo am 15. April 1452 in dem Ort Vinci in der Toskana geboren wurde. Sein Vater Ser Piero war ein einflussreicher Florentiner Notar, der in seinem Heimatort eine Bauerntochter geschwängert hatte.
Aufgrund dieser illegitimen Abkunft ist es Leonardo, nachdem sein Vater ihn nach Florenz holt, verwehrt zu studieren. Mit 17 beginnt er, die Malerei zu lernen, in der Werkstatt von Andrea del Verrocchio, einem soliden und anerkannten Künstler.
Dort malt Leonardo sein erstes bedeutendes Bild, die "Verkündigung an Maria". Wie seine Kollegen ist er von der antiken Idee der Vollkommenheit inspiriert, doch deutet sich schon an, was ihn von anderen Malern unterscheidet: sein Dämmerlicht, das Verschwommene auf seinen Bildern. "Sfumato", verraucht, nennen Kunstfreunde den Effekt, der durch das Verwischen der Farbe und das Bestreichen der Bildoberfläche mit nahezu transparenten Lasuren entsteht.
Frauen als sexuelle Wesen bleiben ihm zeitlebens ein Rätsel
Der romantische Poet Charles Baudelaire wird einige Jahrhunderte später in seinem berühmten Lyrikband "Die Blumen des Bösen" über den Maler dichten: "Leonardo da Vinci, tiefer und düstrer Spiegel / wo zauberhafte Engel mit sanftem Lächeln / geheimnisträchtig uns erscheinen im Schatten / der Gletscher und der Pinien, die ihr Land umschließen."
Eine schnelle Karriere als Künstler ist Leonardo nicht vergönnt. Etwa zehn Jahre malt er bei und für Verrocchio. Eigene kleine Aufträge bekommt er vor allem dank der Verbindungen seines Vaters.
Wir dürfen uns den jungen Künstler als lebenslustigen Mann vorstellen, der sich vom weiblichen Geschlecht freilich nicht angezogen fühlt. Seine fehlerhaften anatomischen Zeichnungen eines kopulierenden Paares zeigen später, dass Frauen als sexuelle Wesen Leonardo zeitlebens ein Rätsel bleiben.
Als er 24 Jahre alt ist, ermitteln Beamte des Florentiner Magistrats wegen "Sodomie" gegen ihn. Zusammen mit anderen Künstlern soll er mit einem männlichen Modell Unzucht getrieben haben. Doch es gibt keine Beweise.
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Ich hoffe, ich konnte mit meinem vorangehenden Beitrag zur -auch- astrologischen Sicht von Leonardo's Abendmahls-Gemälde in wenig das kulturelle Niveau dieses Spiegel-Beitrag erweitern... [...] mehr...
Wie damals Leonardo in eigenen Worten selbst sein Abendmahls-Gemälde beschrieb, findet sich in 'Geschichte der Astrologie' von Wilhelm Knappich -1998 dokumentiert: "... in ganzen 12 Figuren die Kosmographie der kleinen Welt [...] mehr...
Warum dieser Artikel? Welche Thesen entwickelt der Autor? Leonardo - ein erster Horst Schlämmer? Ist es wirklich so bedeutend, dass Leonardo homosexuell/asexuell gewesen sein könnte? Vom Niveau erinnert mich dieses mehrfach [...] mehr...
Ich habe mich schon immer gewundert und habe immer eine Frage gestellt: Woher weiß man das? Ich meine nicht nur die Frage ob Leonardo schwul war, oder auch ob Alexander der Große auch schwul war,...ob Kaligula psychisch krank [...] mehr...
Naja, da gibt's wirklich schlimmere Lebensläufe. Die Vielseitigkeit dieses Mannes ist zumindest Krisensicher. Hier waren bestimmt auch wirtschaftliche Zwänge im Spiel, denn das Leben damals war ein hartes Brot. Wenn ich zu [...] mehr...
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© SPIEGEL Geschichte 5/2009
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