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30.03.2010
 

Der unbekannte Despot

Stimmen die Anekdoten über Großkönig Xerxes?

Von Gunther Latsch

Xerxes im Film: "Einfältige und grausame Barbaren"
Fotos
Warner Bros.

Ein Sieg des Xerxes gegen die Griechen hätte wohl den Lauf der europäischen Geschichte verändert. Die Person des Königs ist von Hollywood-reifen Legenden umwoben.

Eine gigantische Sänfte, getragen von Menschen, die im Dunkel bleiben. Silberne Löwen am Fuße einer Treppe. An deren Ende: ein grotesk gepiercter Riese. Es ist der persische Großkönig Xerxes, ein Feldherr, der als antike Drag-Queen posiert, mit tuntigem Hüftschwung zum Spartaner-König Leonidas hinabsteigt und ihn auffordert, sich zu unterwerfen oder mitsamt seinem Volk unterzugehen.

"300" heißt der Film, dem diese Szene entstammt; benannt nach jenen 300 spartanischen Kämpfern, die sich 480 vor Christus an den Thermopylen - einem Engpass zwischen Mittelmeer und Kallidromos-Gebirge - im Kampf gegen eine gewaltige persische Übermacht opferten, um den Rückzug des griechischen Hauptheeres zu decken.

Kaum in den Kinos, sorgte das Schlachtengemälde, das 2007 zu den kommerziell erfolgreichsten Filmen des Jahres zählte, für erbitterte Kontroversen. Aufgebrachte Kritiker monierten "Männlichkeitsirrsinn um Blut, Boden und Kriegerehre" und beklagten "eine unheilige Allianz aus faschistoider Geisteshaltung und peinlich pubertärer Ästhetik".

Der Film beschäftigte sogar die Vereinten Nationen. Die iranische Regierung beklagte dort, er spiele auf die aktuelle Situation im Nahen Osten an und stelle die Perser als einfältige und grausame Barbaren dar. Das iranische Fernsehen sekundierte: Mit "300" hätten die USA "eine neue Front im Krieg gegen Iran" eröffnet.

Der Kritiker der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gehörte zu den wenigen, die das Historienspektakel verteidigten - mit einem denkwürdigen Argument: Sein Verdienst sei, dass es "sein Publikum, mit der ganzen Wucht seiner Inszenierung, dazu zwingt, sich endlich bewusst zu machen, wie viel Fiktion in jenen Erzählungen steckt, welche wir für Geschichtsschreibung halten".

Ob es dazu wirklich in Zeitlupe zerfetzter Leiber bedarf und jener Phantasie-Monster, die auf Seiten der persischen Armee in die Schlacht ziehen, steht dahin. Sicher ist: Sieht man von Action-Übertreibungen und Fantasy-Schnickschnack ab, dann unterscheidet sich der Xerxes des Films "300" nicht sonderlich von dem, der in der abendländischen Geschichtsschreibung seit zweieinhalbtausend Jahren als maßloser orientalischer Despot geschildert wird - jähzornig, grausam und zum Scheitern verurteilt.

Dies liegt vor allem daran, dass nahezu alles, was über Xerxes geschrieben wurde, auf antiken griechischen Quellen basiert. Und deren Autoren waren dem Zerstörer Athens, der mit dem - bis zur Landung der Alliierten in der Normandie 1944 - größten Invasionsheer der Welt in Europa eingefallen war, alles andere als wohlgesinnt.

Von persischer Seite gibt es so gut wie nichts, das Rückschlüsse auf die Person des Großkönigs erlaubt. Tontafeln mit Aufzeichnungen der Bürokraten, die das von Indien bis ans Mittelmeer und nach Äthiopien reichende Riesenreich verwalteten, sagen so wenig über Xerxes' Charakter aus wie Münzen, Bauwerke oder Reliefs mit formelhaften Inschriften.

Das griechische Erbe prägt bis heute das neuzeitliche Europa

Zusätzlich erschwert wird die Annäherung an den historischen Xerxes durch den Umstand, dass die Perserkriege zu den Gründungsmythen der europäischen Zivilisation gehören: "Bei den Versuchen der Perser, sich das griechische Kernland untertan zu machen", so der britische Journalist und Historiker Tom Holland, "stand sehr viel mehr auf dem Spiel als die Unabhängigkeit jener griechischen Städte, die Xerxes zunächst für ein Sammelsurium von Schurkenstaaten hielt. Als Untertanen eines fremden Königs hätten die Athener nie die Möglichkeit gehabt, ihre einzigartige demokratische Kultur zu entwickeln."

Das griechische Erbe in der Form, die das neuzeitliche Europa bis heute prägt, hätte sich unter persischer Herrschaft wohl nie entwickeln können. Deshalb steht für Holland fest: "Im Fall einer Niederlage der Griechen gegen Xerxes und seine Angriffe ist unwahrscheinlich, dass es überhaupt je so etwas wie 'den Westen' gegeben hätte."

Aus all diesen Gründen war Xerxes über Jahrhunderte hinweg der barbarische Schatten, dessen Beschreibung dazu diente, das Licht der Griechen und ihrer Erben umso heller erstrahlen zu lassen.

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insgesamt 3 Beiträge zum Forum...
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30.12.2010 von zeitnah: Griechen und die u.a. geklaute Demokratie!

Ja, das ist wohl wahr... "Europäern" wäre vieles erspart geblieben... zB. die Demokratie viel früher erlebt und müssten nicht 2000 Jahre danach noch immer im Mittelalter leben! :( mehr...

15.04.2010 von gruselino: Xerxes-Erschaffer des Abwndlands

Absolut überflüssiger Artikel! Was soll das? Ich erhoffe aus der Überschrift etwas über Xerxes zu erfahren-was folgt ist bla bla bla. Sind wir schon im Sommerloch oder ist es dem Autor endlich gelungen, seine Frustration über [...] mehr...

15.04.2010 von frank_lloyd_right: Salz, viel Salz...

Historische Quellen wie Herodot muß man mit noch viel mehr Salz genießen als die Meldungen, die wir hier jeden Tag um die Ohren bekommen... Herodot behauptete ja auch als erster, Homer sein in Wahrheit ein ganz anderer Mann [...] mehr...

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