Handelswege Wie die Weihrauchstraße Arabien reich machte

Die Weihrauchstraße ist eine der ältesten Handelsrouten der Welt. Sie war die Basis für den Aufstieg der arabischen Stämme zu Macht und Reichtum, die Karawanen transportieren ungeheure Reichtümer. Doch die Clans blieben zersplittert - bis eine neue Religion sie einte.

Von Claudia Stodte

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Der sagenhafte Reichtum des alten Arabien beruhte auf dem Kamel und zwei wohlgehüteten Geheimnissen: der Kenntnis der Monsunwinde und der Herkunft von Weihrauch und Myrrhe. Viele Jahrhunderte bevor die Griechen etwa um Christi Geburt den halbjährlichen Rhythmus des Monsuns im Indischen Ozean erkannten, kreuzten die Jemeniten bereits mit seiner Hilfe nach Indien, Südostasien und Ostafrika. Auf ihren hölzernen Segelschiffen brachten sie Pfeffer, Zimt, Edelsteine, Seide, Porzellan oder Sklaven in ihre Heimat.

In den Hafenstädten wurde die kostbare Fracht in die Packtaschen Hunderter Dromedare umgeladen, die als "Schiffe der Wüste" die nächsten Etappen des Fernhandels übernahmen. Neben Waren aus Indien und China schleppten sie auch zwei Luxusgüter aus Südarabien: Weihrauch und Myrrhe. So entstand die "Weihrauchstraße", eine der ältesten Handelsrouten der Welt.

Das goldgelbe Harz, das beim Verglühen einen aromatischen Duft ausströmt, wurde überwiegend im heutigen Oman gewonnen. Im alten Ägypten, in Mesopotamien, Rom und Byzanz war es für religiöse Riten und als desinfizierendes Heilmittel heißbegehrt. Allein im babylonischen Baal-Tempel verbrannte man im 6. Jahrhundert v. Chr. alljährlich zweieinhalb Tonnen Weihrauch, berichtet der griechische Historiker Herodot.

Die Römer kauften das Harz nicht nur für kultische Zwecke: Mit seinem Duft versuchten sie den bestialischen Gestank in den Gassen der imperialen Hauptstadt zu überdecken. Fast ebenso begehrt war das Baumharz Myrrhe. Es war Bestandteil des heiligen Salböls, diente als Betäubungsmittel - oder der Verführung: Iranische und palästinensische Frauen räucherten damit ihre Kleider ein. Auch die "Heiligen Drei Könige" brachten dem Kind in der Krippe neben Gold die beiden luxuriösesten Wohlgerüche des Orients.

Die Hauptroute der Weihrauchstraße führte mehr als 3000 Kilometer durch den Westen der Arabischen Halbinsel bis nach Gaza ans Mittelmeer. Dromedare, seit dem 2. vorchristlichen Jahrtausend gezähmt, schleppten die Lasten auf wochenlangen Märschen. Das Rote Meer hielten die Jemeniten wegen seiner Riffe und Strömungen noch für unbefahrbar.

"Arabia felix", glückliches Arabien

Um die 10.000 Lastkamele und etwa hundert Tagesmärsche benötigte man, um die rund 1500 Tonnen Weihrauchharz, die Rom jährlich verbrauchte, nach Gaza zu befördern. Der Karawanenführer, von den Römern "Praefectus deserti" genannt, hatte Zölle und Schutzgelder auszuhandeln. Die Kosten für diesen aufwendigen Transport waren enorm: Seefahrer, Karawanenführer, Kameltreiber, der bewaffnete Begleitschutz und Zwischenhändler mussten bezahlt werden. Die Händler in Rom oder Byzanz wussten wenig vom Ursprungsgebiet der Duftharze. Sie kannten nur die astronomischen Preise, vermuteten in Altsüdarabien sagenhaften Reichtum und nannten die Region "Arabia felix", "glückliches Arabien".

Hier, auf der riesigen Halbinsel, beginnt die Geschichte der Araber. Wie ein gigantisches Rechteck schiebt sich das Land zwischen den Mittelmeerraum und den Indischen Ozean. Es ist größer als der Indische Subkontinent und vom gebirgigen jemenitischen Hochland bis zu den Perlenmuschelbänken im Persischen Golf hin geneigt; das Gefälle beträgt über 3700 Meter. Jahrhundertelang war die Halbinsel Handelsbrücke und kulturelles Bindeglied zwischen Südostasien und Europa. Im fruchtbaren Südwesten entstanden in der Antike blühende Königreiche. Sie lebten von dem lukrativen Transithandel, der spätestens seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. boomte. Niederschläge von über 500 Millimeter im Jahr sowie ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem sorgten für eine florierende Landwirtschaft.

Das berühmteste dieser Reiche war das Königreich von Saba mit seiner Hauptstadt Marib. Ob die vielzitierte Königin von Saba je gelebt hat (und wenn ja, ob im Jemen oder in Äthiopien), ist bis heute umstritten.

Als Geschenk zentnerweise Gold, Balsam und Edelsteine

Bei ihrem Besuch in Jerusalem soll die schöne Sabäerin König Salomo zentnerweise Gold, Balsam und Edelsteine geschenkt haben, heißt es im Alten Testament. Auch im Koran wird sie erwähnt, ebenso wie der berühmte Staudamm von Marib, der als größtes technisches Bauwerk und "Wunder von Arabien" galt.

Die sabäische Götterwelt orientierte sich an den Gestirnen. Der Mondgott war der höchste unter ihnen, dann folgten die Sonnengottheit Schams (noch im modernen Arabisch das Wort für Sonne) und der Venusgott Attar. Um die Götter günstig zu stimmen, wurden ihnen Tier- und Trankopfer gebracht. Es ging um Buße und Reue - man flehte um Vergebung für Verfehlungen, auch um Gesundheit und eine reiche Ernte.

Als "Araber" verstanden sich die Träger dieser hochentwickelten Kultur nicht. Diesen Stempel drückten ihnen erst die Griechen um 500 v. Chr. auf: Seit der Umsegelung Arabiens durch einen Admiral Alexanders des Großen dehnten sie die geografische Bezeichnung "Arabien" auf die gesamte Halbinsel aus; damit wurden für sie auch die Bewohner Altsüdarabiens Araber.

Der Begriff "Aribi" taucht erstmals in Inschriften aus dem 9. Jahrhundert auf - die Nachbarn Nordarabiens, wie Assyrer und Hebräer, bezeichneten damit die Nomaden, die auf ihren Kamelen den Assyrern als Hilfstruppen dienten. Auch im Alten Testament kommen Araber allgemein als "Wüstenbewohner" vor.

Den größten Teil der Halbinsel mit seinen riesigen Wüsten und Steppengebieten nannten die Römer "Arabia deserta". In den nördlichen Wüstensteppen lebten semitische Nomaden, die ihren Unterhalt mit Viehhaltung, Pferdezucht und Raubzügen bestritten - im Arabischen heißen sie "Beduinen" (von arab. Badija, "Wüste"). Landwirtschaft war nur in Oasen möglich. Bauern pflanzten dort Dattelpalmen, Pfirsich- und Zitronenbäume und bauten Getreide an. In den größeren Oasen entwickelte sich städtisches Leben mit Handwerk, Handel und regelmäßigen Märkten.



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vindex_sine_nomine 13.06.2011
1.
Der Artikel ist ein ziemliches Durcheinander (die Alternative wäre der Schreiber hätte, obgleich in der Geschichte unterwegs ist, keine Ahnung von ihr), was hat das ptolemäische Ägypten mit dem Niedergang eines Reiches in den Jahrhunderten nach 0 zu tun? Ägypten war da schon lange eine Provinz des Imperiums und die Ptolemäer schon lange Geschichte, zumal der Seeweg bereits im 1. Jhd. v.Chr. entdeckt wurde. Wie schnell ein Handelsimperium untergeht, wenn seine Grundfesten erschüttert werden, sieht man nicht nur am Beispiel der Hanse und der islamischen Reiche. Wieso werden dann auch noch Figuren aus dem Bestand von Religionen, die noch am Leben sind, wie historische Personen behandelt, während tote Religionen ins Reich der Mythen verabschiedet werden. Wieso beruft man sich auf einen Theologen und nicht auf Historiker und Archäologen, die eine zuverlässigere und bessere Quelle darstellen, insbesondere wenn man diesen Herrn als Quelle über die Zeit nach 0 und auch noch geographisch und zeitlich fern seines Interessensbereichs bemüht. Das Thema ist zu global und umfangreich, um es von jemanden behandeln zu lassen, für den eine Religion eine feste geistige Grenze ist.
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© SPIEGEL Geschichte 3/2011
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