Mittelalter: Trutzbau der Macht

Von SPIEGEL-GESCHICHTE-Autor Marco Evers

Mittelalter: Das Leben auf den alten Burgen Fotos
DPA

Um alte Burgen ranken sich viele Mythen. Die Realität sah herber und dürftiger aus: Häufig waren die Befestigungen klein, beengt und nur bedingt abwehrbereit.

Wofür es Burgen gab, das glaubt spätestens seit Prinz Eisenherz jedes Kind zu wissen: Eine uneinnehmbare Festung! Edle Ritter und Burgfräulein! Gelage im Rittersaal, Feste und Turniere! Und im finsteren Verlies, natürlich, die Folterkammer!

Deutschland ist Burgenland: Rund 50.000 der markanten Wehrbauten sind im deutschen Sprachraum nachgewiesen. Mancherorts, etwa am Rhein bei Koblenz, scheint es keinen Felssporn ohne Burg zu geben. Vielen gilt die Burg geradezu als Inbegriff mittelalterlichen Lebens. Doch so präsent die alten Gemäuer sind, so hartnäckig haften ihnen Irrtümer und Irrglauben an.

Ganz so einfach, wie Kinder und noch mancher Erwachsene es gern glauben, ist es eben nicht. In den letzten Jahren haben Historiker und Archäologen ihr Burgenbild gründlich revidiert. Ihre Erkenntnisse stehen teils in krassem Gegensatz zu den liebsten Klischees vieler Romanautoren, Drehbuchschreiber und Touristenführer.

Die zehn populärsten Irrtümer über mittelalterliche Burgen:

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1. Und immer weiß es einer besser
donnerfalke 25.07.2013
Jedes Jahr kommt einer daher und erzählt dass es im Mittelalter ganz anders war. Jeder weiß es besser.
2.
muellerthomas 25.07.2013
Zitat von donnerfalkeJedes Jahr kommt einer daher und erzählt dass es im Mittelalter ganz anders war. Jeder weiß es besser.
In welchen Punkten gibt es denn von anderen Historikern Widerspruch? Alle aufgezählten Punkte sind m.E. seit Jahren bei allen Mediavisten anerkannter Stand der Forschung.
3. Romantisches Mittelalter
Mikaday 25.07.2013
Zitat von muellerthomasIn welchen Punkten gibt es denn von anderen Historikern Widerspruch? Alle aufgezählten Punkte sind m.E. seit Jahren bei allen Mediavisten anerkannter Stand der Forschung.
Dieser Aussage kann man nur zustimmen! Im Grunde sind die zehn angeführten Punkte Allgemeinplätze. Die neuzeitliche Baugeschichte etlicher Burgen und Schlösser etwa wird niemand wirklich in Zweifel ziehen. Widersprüche und unterschiedliche Ansätze gibt es wahrscheinlich in allen wissenschaftlichen Disziplinen, auch in der Mediävistik. Doch wird sich sicherlich kein ernstzunehmender Historiker hinstellen und behaupten, Kreuzfahrer hätten ihren Frauen bei der Abreise einen Keuschheitsgürtel umgelegt! ^^ Der Autor bezieht sich vielleicht mit seinen Irrtümern auf ein romantisierendes Mittelalterbild, welches teilweise durch Inszenierungen wie Mittelaltermärkte oder LARPs erhalten wird. Wobei sich widerum auch einige Larper oder auch Ständebetreiber durchaus eingehend mit Wirtschafts-, Kultur- und Sozialgeschichte des Mittelalters oder der frühen Neuzeit beschäftigt haben.
4.
saarpirat 25.07.2013
Zitat von sysopUm alte Burgen ranken sich viele Mythen. Die Realität sah herber und dürftiger aus: Häufig waren die Befestigungen klein, beengt und nur bedingt abwehrbereit. Burgen und Festungen im Mittelalter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/burgen-und-festungen-im-mittelalter-a-912765.html)
Sehr viele Fehlmeinungen kommen schlicht und einfach von Hollywood Co., sowie der Abenteuerliteratur. Die gab es ja praktisch schon gleich nach dem Mittelalter. Wobei z. B. in Timeline von Crichton ganz interessante Thesen aufgestellt werden. Viele Dinge, die insbesondere den Alltag betreffen, dürften aber tatsächlich noch im Dunklen liegen.
5. Trutzbau der Macht ???
albert schulz 25.07.2013
Zitat von sysopBurgen aus Erdwällen und Holzbauten wurden in Mitteleuropa schon im 9. Jahrhundert errichtet, als es Ritter, also schwer bewaffnete Panzerreiter, noch gar nicht gab.
Es gibt zahlreiche Funde von solchen Befestigungsanlagen von weit vor der Zeitenwende, zum Teil recht ausgedehnt, am Nördlinger Ries etwa. Allein die Höhe des Zugangs, die regelmäßig mehr als drei Meter betrug, spricht dafür, daß es sich um eine letzte Fluchtmöglichkeit handelte. Kaum erklärbar ist, wie man einen solchen Turm ausräuchern könnte, es sei denn man verfüge über Zauberkünste. Es fehlt die Begründung für den Burgenbau. Sie waren anfangs Fluchtburgen für die meist unterhalb gelegenen Ortschaften. Die Ritterschaft und die zu leistenden Abgaben resultierten ebenfalls aus der Verpflichtung, diese Ansiedlungen zu schützen. Viele Dörfer hatten allerdings im Hochmittelalter gar keine Ritter, sondern haben ihre romanischen Kirchen als Festungen ausgebaut, häufig mit einer zusätzlichen Schutzmauer außenherum. Die Wirtschafts-, Kultur- und Sozialgeschichte des Mittelalter ist ganz sicher hochinteressant und der wesentliche Teil von Geschichte überhaupt, aber zum Leidwesen aller Historiker sind die schriftlichen Überlieferungen aus dem Mittelalter ausgesprochen spärlich. Das ist womöglich dem eigentümlichen Umstand zuzuschreiben, daß die Herstellung von Papier das Ende des Mittelalters markierte. Neben der Erfindung des Buchdrucks und der Feuerwaffen.
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