Inka - Herrscher der Anden Mysteriöse Floßfahrer

Die Hochkultur der Inka steht auf den Schultern großer Vorgänger - den Chimú, Huari, Moche. Einiges wird zurzeit ausgegraben: Gräber starker Königinnen, Spuren eines Klimaschocks.

Corbis

Von Angelika Franz


Als die Spanier nach Südamerika kamen, stellten sie nicht viele Fragen zur Geschichte des Landes. Und sie hätten auch kaum einen Inka gefunden, der in der Lage gewesen wäre, ausführlich von den Völkern zu erzählen, die früher einmal über die Berge und Wüsten geherrscht hatten. Doch deshalb mit den Inka zu beginnen, wäre in etwa so, als würde man versuchen, die europäische Historie erst von den Römern an zu erzählen - als hätte es Griechen, Ägypter, Babylonier oder Assyrer nie gegeben.

Es blieb den Archäologen überlassen, das Vergangene zu rekonstruieren. Noch immer liegen zwischen den einzelnen Funden viele dunkle Flecken - Zeiten und Orte, über die man fast nichts weiß.

Als die Spanier in Cuzco ankamen, lag die Blütezeit der großen Inka-Rivalen noch nicht lange zurück: Es waren die Chimú. Erst 60 Jahre zuvor, 1470, hatte der Inka-Fürst Tupac Yupanqui den letzten Herrscher der Chimú, Minchancaman, besiegt und in die Hauptstadt gebracht.

Mit Minchancaman kam das Gold nach Cuzco. Tupac Yupanqui ließ den gewaltigen Schatz der Chimú in die Hauptstadt bringen, dazu viele tausend Handwerker und Künstler. Denn niemand verstand sich damals so meisterhaft auf die Verarbeitung des Edelmetalls wie sie. Und es waren dann ihre Werke, also Erzeugnisse der Chimú-Goldschmiedekunst, die Francisco Pizarro gierig entgegennahm. Erhalten sind die Meisterstücke leider nicht - die Spanier schmolzen alles ein und beraubten die Nachwelt damit auch einer wichtigen Quelle des Wissens über die Hochkultur der Chimú.

Nur ein paar dürre Sätze sind aus spanischer Feder überliefert. Die befragten Inka fanden - wie üblich, wenn Sieger über Besiegte berichten - wenig nette Worte für die Chimú: "Die Herren waren sehr lasterhaft und Freunde des Vergnügens", notierte der spanische Chronist Cieza de León.

Doch wie waren sie tatsächlich? Machtbewusst, so viel ist sicher. Rund 200 Jahre lang hatten die Chimú den Norden des heutigen Peru dominiert - als Herren über den größten präinkaischen Staat der gesamten Region. Ihre Hauptstadt Chan Chan an der Küste bevölkerten etwa 60.000 Menschen. Kulturell unterschieden sie sich deutlich von den Inka. Denn anders als die "Söhne der Sonne" verehrten die Chimú den Mond als ihre Hauptgottheit. Er war in ihrer Welt verantwortlich für das Wetter und die Ernte - und damit für ihr Überleben.

Ihren Ursprung führten die Chimú auf einen legendären Herrscher namens Taycanamo zurück. Der kam angeblich aus dem Norden auf einem Floß aus Balsaholz ins Moche-Tal. Dort heiratete er einheimische Frauen und begründete seine äußerst erfolgreiche Dynastie. Es ist eine schöne Legende, die noch zu Spanierzeiten in Umlauf war.

Eine Geschichte aus dem Mythenschatz der Inka

Zum archäologischen Befund passt sie nicht so richtig. Denn die frühen Chimú-Artefakte ähneln denen der Moche. Diese Kultur beherrschte zwischen dem 1. und dem 8. Jahrhundert die peruanische Nordküste, engverwandt mit der darauffolgenden Sicán-Kultur. Wahrscheinlicher als ein mysteriöser Fremder auf einem Floß ist daher eine Kontinuität zwischen Moche und Chimú.

Solche Formen der Aneignung hat es wohl immer wieder gegeben. Eine Geschichte aus dem Mythenschatz der Inka erzählt vom Gott Viracocha. Der begann mit der Schöpfung der Welt nicht weit vom Ufer des Titicacasees, an einem Ort namens Tiahuanaco. Viracocha nahm Steine und hauchte ihnen Leben ein. Für den ersten Versuch verwendete er große Findlinge - und die Sache ging gründlich schief, heraus kamen dumme, tölpelhafte Riesen. Erst der zweite Versuch mit kleineren Steinen gelang ihm besser; mit den daraus resultierenden Menschen war er leidlich zufrieden.

Den Ort Tiahuanaco gibt es tatsächlich. Er liegt 70 Kilometer westlich von La Paz am Rand einer unwirtlichen Hochebene. 700 Jahre lang, etwa von 300 bis 1000 unserer Zeitrechnung, befand sich hier das Zentrum eines mächtigen Reiches. Dass die Inka vor dieser imposanten Kulisse ihren Gott mit Steinen experimentieren ließen, ist noch heute gut nachvollziehbar.

Ihren Aufstieg zur Großmacht verdankte die Tiahuanaco-Kultur einer ausgeklügelten Bewässerungsmethode, mit der ihre Bauern die Hochebene fruchtbar machten. Unter normalen Umständen ist das Klima dort oben viel zu frostig, um ertragreichen Ackerbau zu betreiben. Doch die Leute von Tiahuanaco durchzogen ihre Felder mit einem Grabensystem. So entstand ein Mikroklima: Am Tag erwärmte die Sonne das Wasser, in der Nacht gab dieses die Wärme an die Umgebung ab. Der Temperaturanstieg reichte aus, um die Pflanzen vor nächtlichem Frost zu schützen.

Was das Reich von Tiahuanaco zusammenhielt, ist unklar

Die Ernte hätte den Tiahuanaco aber wenig gebracht, wenn sie nicht gleichzeitig eine Logistik entwickelt hätten, mit der sie die Feldfrüchte in ihrem gesamten Herrschaftsbereich verteilen konnten. So züchteten sie Abertausende von Lamas, auf deren Rücken sie die Waren über ein ausgedehntes Fernhandelsnetz bis nach Nordchile transportierten.

Was das Reich von Tiahuanaco zusammenhielt, ist unklar. Hinweise auf militärische Konflikte gibt es kaum. Möglicherweise lebten damals äußerst geschickte Politiker, die ihre Vasallen mit Handelsabkommen, Heiratspolitik, Kolonien und religiösen Versprechen dauerhaft an sich banden.

Was die Inka nicht wussten, als sie die Steinriesen am Ufer des Titicacasees fanden: Die Tiahuanaco waren nicht allein. Auch den Archäologen blieb diese Tatsache lange Zeit verborgen; sie wunderten sich lediglich über die kulturell andersartigen "Tiahuanaco von der Küste". Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass gleichzeitig mit den Tiahuanaco im Norden ein ebenso mächtiges Reich im Süden existierte: das der Huari.

Wie die beiden Mächte zueinander standen, weiß keiner. Die Archäologin Joyce Marcus von der University of Michigan vergleicht das Verhältnis zwischen Tiahuanaco und Huari mit dem der USA und der Sowjetunion in den Zeiten des Kalten Krieges: Ein fragiles Gleichgewicht der Kräfte hielt den einen davon ab, den anderen anzugreifen.

Dass es zwischen den beiden Imperien Gemeinsamkeiten gab, beweist ihre Symbolsprache. Sowohl die Tiahuanaco als auch die Huari schmückten ihre Wände, Textilien und Keramiken mit Bildern von abgeschlagenen Köpfen; ihre Gottheiten malten sie mit senkrecht zweigeteilten Augen. Und beide verehrten - wenn auch wohl in unterschiedlicher Ausprägung - einen Gott, der als Stabträger dargestellt wird. Doch während die Tiahuanaco bemüht waren, Gestalten naturalistisch wiederzugeben, abstrahierten die Huari ihre Figuren. Ihr Stil wirkt kantig und geometrisch.

Das gilt auch für ihre Architektur - die Huari liebten rechte Winkel. Beim Bau ihrer Hauptstadt, die Forscher der Einfachheit halber ebenfalls Huari getauft haben, galt der Grundsatz: Hauptsache eckig! Lange und kurze Mauern teilen das Stadtzentrum in viele kleine, verschachtelte Areale, die teilweise so ineinander verwinkelt sind, dass man sich nur schwer vorstellen kann, wie die Menschen und Lamas sich einst zwischen diesen Wänden bewegen konnten. Zur Blütezeit der Huari waren die meisten Mauern strahlend weiß gestrichen - die Stadt muss mit ihren leuchtenden, oft mehrere Stockwerke hohen Kastenhäusern schon von weitem einen imposanten Anblick geboten haben.

Auch die Huari gründeten ihren Erfolg auf neuartige Bewässerungsanlagen. Doch statt auf die Hochebene spezialisierten sie sich auf die steilen Hänge der Anden. Sie erfanden ein Kanalsystem, mit dem sie das Wasser aus den Gebirgsflüssen die Hänge hinunterleiteten. Der Ausbau von Hangterrassen ermöglichte es, näher an den Quellen Getreide und Gemüse anzubauen. Zusätzlich experimentierten die Huari mit der Züchtung ertragreicherer Sorten, um die Ernte zu steigern. Es gelang ihnen dadurch, als unbewohnbar geltende Gebiete zu erschließen. Neue Siedlungen entstanden, große Teile der Bevölkerung zogen um. Das war die Basis der Huari-Macht: Für das Wissen um die neuen, dürresicheren Anbaumethoden und das Recht, in den neuen Dörfern zu siedeln, verlangten sie Gefolgschaft.

Über ihren Staat und seinen Aufbau wissen die Archäologen bislang mehr als über die Huari selbst. Deshalb war es eine Sensation, als im vergangenen Jahr ein polnisch-peruanisches Team unter der Leitung von Milosz Giersz von der Universität Warschau auf eine ungeplünderte Grabanlage stieß. Drei Königinnen der Huari lagen darin, zusammen mit 60 weiteren Toten. Die geopferten Toten saßen in Reihen hintereinander, während jede der Königinnen eine eigene Kammer für sich hatte. Diese waren gefüllt mit Schätzen: goldenes Webwerkzeug, Gold- und Silberschmuck, Silbergeschirr, bronzene Äxte, ein Alabasterbecher, Messer, Gefäße mit Cocablättern und leuchtend buntbemalte Keramik.

Die großen Moche hatten das Wetter gegen sich

Ein erstaunlicher Fund dort im Castillo de Huarmey nördlich von Lima; aber nur ein Stück im großen Huari-Puzzle. Und er wirft neue Fragen auf: Standen bei den Huari eventuell Frauen an der Spitze der Macht?

Ein Gefäß aus diesem Grab hat eine interessante politische Botschaft. Auf ihm sind axtschwingende Huari abgebildet, die sich auf Moche-Krieger stürzen. Was bedeutet das? Sicherlich wird es die eine oder andere militärische Auseinandersetzung zwischen den Moche und den Huari gegeben haben. Der eigentliche Grund aber, warum im 7. Jahrhundert die Macht der Moche zusehends schwand und das Reich der Huari an Stärke gewann, war kein militärischer. Die großen Moche hatten das Wetter gegen sich.

Am Anfang vom Ende der Moche stand ein Phänomen, das heute als El Niño bekannt ist und damals besonders heftig ausfiel. Das Superjahr mit der heißen Meeresströmung aus Asien brachte das Klima in der gesamten Region grundlegend durcheinander. Es folgten 30 Jahre mit starken Regenfällen und schweren Überflutungen. Danach blieb der Niederschlag 30 Jahre fast ganz aus.

Wie verheerend das Ausmaß dieser Katastrophe war, entdeckten die Archäologen in den Ruinen der ehemaligen Moche-Hauptstadt Cerro Blanco. Die Regenfluten waren über Häuser, Straßen und Tempel hereingebrochen und hatten große Teile der Stadt weggespült. Kaum jedoch waren die Schäden repariert, zogen riesige Dünen von der Küste landeinwärts und begruben Cerro Blanco unter einer meterdicken Sandschicht. Am Ende ragten nur noch die beiden großen Pyramiden, die Huaca del Sol und die Huaca de la Luna, aus dem Sand. Die Moche mussten eine neue Hauptstadt bauen, 50 Kilometer weiter das Lambayeque-Tal hinauf.

Mit den Inka zu beginnen, wäre in etwa so, als würde man die europäische Historie erst von den Römern an erzählen.

Dem Klimaschock des 6. und 7. Jahrhunderts fielen nicht nur Gebäude zum Opfer, sondern auch Felder. Zuerst standen sie unter Wasser, dann dörrten sie aus. Der Steilhang-Ackerbau der Huari erwies sich in dieser Krise als das zuverlässigere System - und wer die Leute ernähren konnte, hatte die Macht.

Unter allen präinkaischen Kulturen sind die Moche wahrscheinlich am besten erforscht. Das Wissen über sie verdanken wir maßgeblich ihrer Sitte, mächtige Tote mit überaus üppigen Grabbeigaben zu bestatten - ein Geschenk für nachfolgende Grabräuber-Generationen. Tausende der bunten Moche-Gefäße mit realistischen Darstellungen von Menschen, Tieren und Göttern füllen bereits seit dem 19. Jahrhundert die Vitrinen der Museen und, vor allem, der privaten Kunstsammler.

In der Verarbeitung von Gold waren die Moche Meister, und ihre Weberinnen schufen prächtige, farbenfrohe Stoffe, teilweise aus überaus fein gesponnenen Fäden. Besonders beeindruckend sind auch die figürlich verzierten Tumi, scharfe Ritualmesser mit runder Klinge, die den Moche als Multifunktionswerkzeug dienten: für Opferrituale ebenso wie für Trepanationen - der Öffnung der Schädeldecke zwecks Heilung.

Die Kunst der Moche ist voller bunter, reich geschmückter Phantasiewesen und Dämonen, aber auch voller Gewalt. In den Bildern wimmelt es von abgehackten Köpfen, heraushängenden Eingeweiden und blutigen Gliedmaßen. Immer wieder taucht eine Gottheit auf, die Forscher den "Kopfabschneider" getauft haben. Aber die Keramiken zeigen auch andere Aspekte des Lebens - Geburten zum Beispiel oder Sexualität. Ihre oft sehr expliziten Darstellungen erlauben einen ungewöhnlichen Blick in ihr Intimleben.

Das Gesicht der Mumie war von einer Goldmaske bedeckt

Als der peruanische Archäologe Walter Alva 1987 in Sipán zum ersten Mal ein noch ungeplündertes Grab eines Moche-Herrschers entdeckte, schienen die bunten Götter plötzlich lebendig geworden zu sein: Der sogenannte Señor de Sipán war genauso gekleidet, wie man es von Darstellungen her kannte. Die goldverzierte Kleidung, der Kopfputz, die reichen Federbüschel - plötzlich trug das alles nicht nur ein Gott auf irgendeiner Vase, sondern ein Mensch, der einst aus Fleisch und Blut bestanden hatte.

Mittlerweile haben die Archäologen noch 13 weitere Moche-Herrscher in Sipán ausgegraben. Die nächste Sensation folgte 2004, als in El Brujo wieder ein überaus reiches Moche-Grab geöffnet wurde. Darin lag allerdings nicht der Leichnam eines Herrschers - sondern der einer Frau. Unter den Grabbeigaben befanden sich neben Schmuck, Gefäßen und anderen schönen Mädchenutensilien auch eindeutige Insignien der Macht: Das Gesicht der Mumie war von einer Goldmaske bedeckt, mit im Grab lagen zwei Zeremonien-Keulen und 28 Speerschleudern. Mehrere Wachen mussten der unbekannten Königin in den Tod folgen, dazu ein junges Mädchen. Es trug den Strick, mit dem man es stranguliert hatte, noch um den Hals.

Woran die "Señora de Cao" starb, ist nicht bekannt. Es ist aber wahrscheinlich, dass sie Komplikationen bei der Geburt eines Kindes erlag, denn in ihrem Unterleib fanden die Ausgräber Babyknochen. Zum Zeitpunkt ihres Todes war sie etwa 25 Jahre alt. Sie muss eine beachtliche Erscheinung gewesen sein, mit langen schwarzen Haaren und Tätowierungen von Schlangen und Spinnen am ganzen Körper.

Auch bei den Moche gab es also Frauen, die große Macht ausübten. Und die Señora de Cao sollte kein Einzelfall bleiben. Im Sommer 2013 gruben Archäologen in Chepén eine weitere Priesterin aus, die ebenfalls mit Menschenopfern beigesetzt worden war; mittlerweile die achte mächtige Moche-Frau. Wie schon bei den Huari stellt sich die Frage: War diese Kultur - zumindest phasenweise - ein Matriarchat?

Bis zurück ins 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung lassen sich Spuren der Moche an der peruanischen Nordküste verfolgen. Und der archäologische Blick reicht noch tiefer in die Geschichte hinein. Den blutrünstigen Kopfabschneider beispielsweise gibt es schon viel früher. Zum ersten Mal taucht der grausame Gott bereits irgendwann nach 3700 v. Chr. in Séchin Bajo auf: in einem der ältesten bekannten Gebäude des gesamten amerikanischen Kontinents. Um 1600 v. Chr. ist er dann in Cerro Sechín unterwegs, der mutmaßlichen Hauptstadt der Sechín-Kultur. Und er wurde in Chavín de Huántar verehrt - einem zeremoniellen Zentrum der Chavín, die vor den Moche zwischen 850 und 200 v. Chr. entlang der peruanischen Nordküste den Ton angaben.

Mehrere Wachen mussten der Königin in den Tod folgen, dazu ein Mädchen. Es trug den Strick noch um den Hals.

Bei den Chavín treffen die Forscher noch einen weiteren Bekannten wieder: den Stabgott der Tiahuanaco und Huari. Wie der Kopfabschneider stand er in den unterirdischen Gängen des Tempels. Was genau dort betrieben und wer dort verehrt wurde, ist nicht ganz klar. Einige Archäologen vermuten, dass im Dunkel ein Orakel raunte. Andere spekulieren darüber, dass nach starken Regenfällen das Wasser von den Berghängen durch das Tunnelsystem geleitet wurde. Das Brausen und Tosen in den engen Gängen habe sich dann angehört, als ob ein Brüllen aus den Tiefen emporsteigen würde. Viele Götter späterer Kulturen waren bereits bei den Chavín etabliert.

Je weiter man in die Vergangenheit zurückgeht, desto spärlicher werden die Spuren. Als älteste Stadt Amerikas gilt Caral, 170 Kilometer nördlich von Lima in der Wüste. Dort lebten zwischen 2600 und 2000 v. Chr. bereits mehr als 3000 Menschen. Es scheinen friedliche Leute gewesen zu sein, die Sinn für Musik hatten. Die Ausgräber fanden weder Waffen noch Befestigungen, aber eine Menge Flöten und Blashörner aus Tierknochen.

Gewaltige Bauwerke sind sogar aus erheblich älterer Zeit erhalten, jedenfalls in Überresten. In Sechín Bajo entstand um 3500 v. Chr. eine riesige Tempelanlage, die mindestens zwei Jahrtausende lang in Gebrauch war und mehrfach erweitert wurde.

Und selbst davor schon leisteten die Südamerikaner großartige Dinge. Die Heiler der Chinchorro, die zwischen 5000 und 1800 v. Chr. als Nomaden durch die Region des heutigen Nordchile und Südperu zogen, verstanden sich bereits auf die Kunst, Schädel zu öffnen. Archäologen fanden die Löcher an den Köpfen ihrer aufwendig präparierten Mumien. Und die Spuren an den Knochen belegen: Die Patienten überlebten die Operationen. Weltweit waren die Chinchorro damit die Ersten, die erfolgreiche Trepanationen durchführten - wenn sie auch noch keine Keramik herstellen oder Gebäude errichten konnten.

Die Inka haben sich also reichlich bei den Vorgängerkulturen bedient. Sie verehrten ihre Götter, bauten Tempel und Städte wie sie, nutzten ihr medizinisches Wissen und ihre kunsthandwerklichen Fähigkeiten. Diejenigen von ihnen, die mit den spanischen Chronisten sprachen, erwähnten diese Vorgänger mit keinem Wort - ob absichtlich oder aus Unwissenheit, sei dahingestellt. Der Schatten, den sie damit über die älteren Kulturen warfen, war gewaltig.

Zum Glück vermelden zeitgenössische Archäologen fast jeden Monat neue Funde. Jeder einzelne davon zündet ein kleines Licht in der Dunkelheit der Jahrtausende an.



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World_watcher 07.04.2014
1.
Zitat von sysopCorbisDie Chimú, Huari und Moche bereiteten den Boden für die Hochkultur der Inka. Diese Epoche fördert zurzeit faszinierende Details zu Tage: Gräber starker Königinnen und Spuren eines Klimaschocks. http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/inka-hochkultur-vorgaenger-mysterioese-flossfahrer-a-961983.html
30 Jahre lang hauptsächlich Regen, danach 30 Jahre lang Dürre. [leichter Sarkasmus] War das Wetter oder durch Menschen gemachte Klimaerwärmung? Ist El Nino ein natürliches Phänomen? [\leichter Sarkasmus]. Das nennt sich m.E. Natur und wiederkehrende Phänomene, auch und gerade im Zusammenspiel mit der Sonne und ihren (In-)Aktivitäten. As always
puyumuyumuwan 07.04.2014
2. Andenmusik
Was mich an den Inkas fasziniert ist, dass ihre Musik, die sich bis heute als "Andenmusik" gehalten hat, so fatal an japanische Musik erinnert. Meine Hypothese ist, dass die Inkas und Mayas -ähnlich wie in ihren Sagen aus der Vorzeit- um das 6. Jahrhundert n. Chr. in Schiffen mit grossen Segeln wie Wolken- über den Pazifik kamen und sich -wie später die europäischen Kolonialisten in Nordamerika- dort breitmachten. Müsst eigentlich durch DNS-Analysen festgestellt werden können. Die nordamerikanischen Eskimos und Indianer (und die Urbevölkerung Südamerikas) hingegen kamen als "Asiaten" über die damals noch existente Landbrücke zwischen Alaska und Sibirien*. Die Selk’nam, Yámana, Halakwulup und Haush als Feuerlandindianern dürften noch aus der ersten Besiedlung über die Sibirische Landbrücke stammen. Deren Musik ist primitiv. *Schon über Genvergleich gesichert ist, dass die Vorfahren der amerikanischen indigenen Bevölkerung vor 13.400 Jahren aus dem zentralasiatischen Altai nach Nordamerika ausgewandert. Also eigentlich eher Russen sind. Um es mit Dittsche zu sagen, daraus erklärt sich noch heute die Feindschaft der WASP gegen Russlands.:-)
Vormwalde 07.04.2014
3. Hochkulturen
Zitat von sysopCorbisDie Chimú, Huari und Moche bereiteten den Boden für die Hochkultur der Inka. Diese Epoche fördert zurzeit faszinierende Details zu Tage: Gräber starker Königinnen und Spuren eines Klimaschocks. http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/inka-hochkultur-vorgaenger-mysterioese-flossfahrer-a-961983.html
Ein Volk, das geniale Wasserkanäle baut, Lamas züchtet und Gemüse anbaut, das wir zum Teil von dort nach hier her transferiert haben, hat leider auch einen brutalen Kopfabschneider hervorgebracht. Lag es am Cocarausch, dass dort so blutige Rituale vollzogen wurden? Wenn ich an die Dornenkette denke, die die Herrscher und Königinnen dort durch ihre Zungen zogen, wird mir ganz übel. Schade nur, dass die spanischen Eroberer so gierig waren und die Goldkunstwerke lieber einschmolzen, um sie besser zu transportieren und der spanischen Krone übergeben zu können. Ein unsäglicher Verlust für die Wissenschaft.
prinzkurt 07.04.2014
4. Altai
Aus dem Altai kamen aber nicht die Russen (die sind eher slawisch und kamen nicht mal ansatzweise aus Asien). Altai ist der Ursprungsort der Turkvölker. Die Zelte (Yurten) der Indianer und der schamanistische Glaube sind markante Parallelen. Bin gespannt, was noch so ans Tageslicht kommt, da gibt es noch viel neues zu entdecken, denke ich. Mfg
Layer_8 07.04.2014
5. Cocarausch
Zitat von VormwaldeEin Volk, das geniale Wasserkanäle baut, Lamas züchtet und Gemüse anbaut, das wir zum Teil von dort nach hier her transferiert haben, hat leider auch einen brutalen Kopfabschneider hervorgebracht. Lag es am Cocarausch, dass dort so blutige Rituale vollzogen wurden? Wenn ich an die Dornenkette denke, die die Herrscher und Königinnen dort durch ihre Zungen zogen, wird mir ganz übel. Schade nur, dass die spanischen Eroberer so gierig waren und die Goldkunstwerke lieber einschmolzen, um sie besser zu transportieren und der spanischen Krone übergeben zu können. Ein unsäglicher Verlust für die Wissenschaft.
Das, was einen "Cocarausch" hervorruft, ist wohl hauptsächlich neuzeitlicher westlicher Chemie zu verdanken. Und das mit dem Übel werden, da brauchen Sie nur die eigenen westlichen Rituale studieren, welche noch zeitgleich mit den Inka in Europa praktiziert wurden.
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