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Die Tempel von Uxul: Unter Schlangengewalt

Von Annette Bruhns

Fotostrecke: Die Tempel von Uxul Fotos
Archäologisches Projekt Uxul/ Dr. Kai Delvendahl

Lange war das Maya-Königreich Uxul verschollen, nun wird es von Archäologen freigelegt. Ein Deutscher leitet die Ausgrabung und berichtet von überraschenden Funden: den deutlichen Spuren einer hundertjährigen Fremdherrschaft.

Am Nachmittag des 22. April 2005 bekam Nikolai Grube eine Nachricht, von der er seit seiner Kindheit geträumt hatte. Am Telefon war Ivan Sprajc, ein slowenischer Archäologe, und schrie: "Nikolai, ich glaub, ich bin in Uxul!" Grube war elektrisiert. Seit über einem halben Jahrhundert galt die Maya-Stätte, ausgesprochen: "Uschul", als verschollen. Und nun war der Freund im fernen Mexiko eigens auf die höchste Pyramide gestiegen, um von hier aus, über dem dichten Blätterdach, via Satellit zu ihm nach Bonn durchzudringen.

"Ich hab alles stehen und liegen gelassen und bin hingeflogen", sagt der Maya-Experte, ein stattlicher Mann mit Schnauzer und leichtem Lispeln. Schon als Junge las er begeistert über die Entdeckung Altamerikas. "Uxul wurde 1934 gefunden. Auf dem Weg ging den Forschern das Wasser aus. Sie waren malariageplagt und am Ende ihrer Kräfte." Wohl daher erfassten die Wissenschaftler den Standort mit ihrem Sextanten nur ungenau, und die Ruinen im Dschungel fielen in einen Dornröschenschlaf.

Die Geschichte Uxuls lüften die Forscher von der Universität Bonn nun gemeinsam mit der mexikanischen Altertumsbehörde Inah, Spaten für Spaten, manchmal sogar Löffel für Löffel. 120 Kilometer entfernt vom letzten bewohnten Dorf liegt Uxul, an der Grenze zu Guatemala, etwa in der Mitte der Halbinsel Yucatán.

35 Kilometer nordöstlich erheben sich die Pyramiden von Calakmul. Die Maya-Metropole war einst mit mindestens 50.000 Einwohnern, Kolossalbauten und Hunderten Denkmälern die Supermacht des Tieflands. Ihr Emblem war der Kopf einer Schlange, Wappentier der Könige der "Kaan (Schlangen)"-Dynastie.

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DER SPIEGEL

Erforschung der feindlichen Übernahme

Calakmuls Aufstieg begann im 6. Jahrhundert mit einem Krieg gegen den großen Tieflandkonkurrenten Tikal. Die ersten Siege konnten die Schlangenkrieger für sich verbuchen. Gestärkt eroberten sie lokale Königtümer und pressten ihnen Tribut ab. Zu den unterworfenen Stadtstaaten gehörte Uxul.

Die Erforschung der feindlichen Übernahme steht im Mittelpunkt der Grabungen: Wurde die Stadt nach der Eroberung umgebaut? Wuchs oder schrumpfte sie? Kamen Herrscher aus Calakmul auf den Thron - oder wurden Uxuls Könige zu Vasallen der Kaan?

Auf all diese Fragen gibt es jetzt vorläufige Antworten. Und es sind unverhoffte Funde aufgetaucht: das Vermächtnis eines Prinzen und ein Massengrab mit 24 Gewaltopfern. Außerdem zwei Wasserspeicher, die zeigen, welche Ingenieursleistung nötig war, um hier zu überleben.

Eine Ahnung vom Überlebenskampf haben die Forscher selbst bekommen. Uxul liegt in einem menschenleeren Biosphärenreservat. Grube: "Ivan Sprajc musste sich wochenlang mit der Machete durch den Urwald kämpfen, um die auf Luftbildaufnahmen vage erkennbaren Ruinen zu finden." Sein Erkundungsteam hatte es da schon leichter. Doch auch er und seine Leute gingen kilometerweit zu Fuß, geplagt von Hitze und Mücken, 25-Liter-Wasserkanister schulternd.

Sie wurden entschädigt durch einen aufregenden Fund: mehr als ein Dutzend Stelen, die meterhohen, steinernen Denkmäler einstiger Könige. Für den Hieroglyphenspezialisten Grube sind dies die wahren Trouvaillen, Botschafter der noch immer wenig erforschten Maya-Kultur.

Die Pyramiden von Uxul waren zum Leidwesen ihrer Wiederentdecker nicht mehr so unberührt wie noch 1934 - auch wenn Forscher die Koordinaten verloren hatten, andere fanden den Ort. "Irgendwann in den achtziger Jahren müssen Grabräuber alle wichtigen Gebäude geplündert und die wertvollen Keramiken auf dem Kunstmarkt verkauft haben", sagt Grube.

Heute kann man mit dem Jeep bis ins Archäologencamp fahren. Drei Jahre brauchten die Forscher für Vorbereitungen und Genehmigungen; erst 2009 begann die Grabung. An die zwei Millionen Euro hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft beigesteuert; noch bis Ende 2014 steht die Finanzierung.

Zur Blütezeit von Uxul sah es hier anders aus. Fleißige Hände hatten die Urwaldriesen gerodet und den Boden mit Kürbis, Bohnen und Mais gleichzeitig bepflanzt, im "Milpa"-System. Dadurch wurde der Boden mit Nährstoffen versorgt und gegen Erosion geschützt. Gesät wurde im April, zu Beginn der Regenzeit. Die Kost wurde um Wildbret ergänzt, erzählt Grubes Kollege Kai Delvendahl, der bärtige Grabungsleiter von Uxul. "Man jagte Hirsche, Nabelschweine, Hasen, Truthühner."

Wichtigster Werkstoff war Obsidian. "Wir fanden sogar Fragmente des grünen Lavasteins aus den Minen der weit über tausend Kilometer entfernten Großmacht Teotihuacán", so Delvendahl.

In leuchtendem Rot erhoben sich damals die Tempel über den Brotnussbäumen, deren Früchte die Maya in Notzeiten ernährten. Längst haben Regengüsse den gefärbten Kalk von den Mauern gewaschen. Als die Forscher ankamen, sah der riesige Herrscherpalast von Uxul eher aus wie ein überdimensionaler Hügel, bedeckt von Erdschichten und Pflanzen.

Das Attribut "göttlich" war alleiniges Privileg der Schlangenchefs

Eine Antwort auf viele Fragen fanden die Archäologen schon, als sie das bebaute Zentrum der etwa vier Quadratkilometer großen Siedlung freilegten: Das Ensemble war eine verkleinerte Kopie der Metropole Calakmul - mit einem Tempel im Norden, einer 15 Meter hohen, akropolisartigen Pyramide im Süden, einem kleinen Ballspielplatz und den drei Hauptplätzen auf einer Ost-West-Achse. "Viele der Gebäude entstanden kurz nach der Eroberung von Uxul, also nach 630", erzählt Grube. "Einige wurden aber auch einfach über bestehende Gebäude gestülpt."

Eine zehn Meter breite, in Stein ausgebaute Zeremonialstraße - typisch für jede Maya-Stadt - führt vom Zentrum zu einem Platz mit vier hohen Pyramiden. Sie könnten als Nekropolis fungiert haben - als Begräbnisstätte für den aufwendigen Ahnenkult der Maya.

Über die Eingliederung von Uxul ins Reich von Calakmul geben auch Inschriften Auskunft. Insgesamt 18 Stelen, sieben Altäre und sechs Tafeln fanden die Forscher vor. Die meisten waren allerdings stark verwittert. Minutiös hat Grube alle Details mit Bleistift abgemalt. Ein mexikanischer Kollege ließ nachts, ohne das störende Streulicht der Sonne, die Monumente ausleuchten und schoss Fotos aus allen Perspektiven - zur späteren 3D-Ansicht am Computer.

Ergebnis der Detektivarbeit: Die Stelen mit den Bildern von Königen und deren Regierungsdaten stammen fast alle aus der Calakmul-Zeit, die ziemlich genau hundert Jahre andauerte. Eine der wenigen Inschriften aus älterer Zeit ist bezeichnenderweise von den neuen Herrschern übermeißelt wurden. Auf einem Denkmal ist auch eine Frau abgebildet, Fürstin Ajaw Ka'ahk. Sie war möglicherweise eine Prinzessin aus Calakmul.

Nur einen Herrschernamen konnte Grube entziffern: Muyal Chaak - "Wolkenregengott". Am 11. April 660 kam er auf den Thron. Seine Brust schmückt die für das Haus Kaan typische Muschel, auf dem Kopf prunkt ein mit Tabakblättern verzierter Jaguar. Zwei Stelen zeigen ihn beim rituellen Blutvergießen. Als hoher Gast beim Opferfest ist der große Yukno'm Ch'een vermerkt, der mächtigste aller Calakmul-Herrscher. "Muyal Chaak war also entweder ein willfähriger lokaler Herrscher, ein Marionettenkönig", sagt Grube, "oder selber Kaan-Abkömmling."

Der lokale Adel wurde aus Uxuls Zentrum verdrängt. Die örtlichen Könige hießen nicht mehr wie einst "kujul Ajaw", "göttlicher Herrscher", sondern nur noch "Ajaw". Das Attribut "göttlich" war alleiniges Privileg der Schlangenchefs in Calakmul.

Diese ließen sich in Uxul auf Tafeln beim Ballspiel verewigen: der große Yukno'm Ch'een (636 bis 686), auch sein Sohn und sein Enkel. Dieser war am 4. Januar 705 zu Besuch. Es ist die letzte in Stein gemeißelte Zeitangabe in Uxul.

Die Namen der drei Schlangenkönige stehen neben Darstellungen von Ballspielern, erkennbar an Knieschonern und breiten Gürteln. Die Athleten tragen die Insignien höchster Maya-Macht: Ohrpflöcke, Schmuck sowie die Schwanzfeder des Quetzal-Vogels. Dass die Herrscher bei den Spielen in Uxul selbst antraten, hält Grube aber für unwahrscheinlich. "Man ließ Profis für sich spielen."

Eines der Spiele ist am 9. Februar 695 vermerkt. Die in eine Treppe eingelassene Tafel zeigt das letzte Porträt des Kaan-Königs Yukno'm Yich'aak K'ahk. Sechs Monate später verlor sein Heer vernichtend gegen Tikal. Es war die Niederlage, die den Abstieg von Calakmul, und damit auch von Uxul, einleitete.

War Prinz Yotoot Tihl ein letztes Mitglied der Kaan-Dynastie?

Im vierten Jahr der Grabungen, 2012, entdeckten die Archäologen bei der Freilegung des riesigen Palastgebäudes das Prinzengrab. Im Boden sahen sie Brüche in der Stuckschicht, Anzeichen dafür, dass er nachträglich aufgestemmt und wieder versiegelt worden war.

Beim weiteren Graben fanden sie eine Gruft mit dem Skelett eines 1,65 Meter großen Mannes, 20 bis 25 Jahre alt. Die Grabbeigaben enthüllten seine Identität: Der junge Mann war Prinz Yotoot Tihl: "Haus des Tapir". War er ein letztes Mitglied der Kaan-Dynastie? Bestattet wurde er irgendwann zwischen 711 und 730. Dass er nicht in direkter Thronfolge stand, erkennen die Forscher am Titel und an der Abwesenheit von Jadeketten als Schmuck.

Insgesamt waren dem Prinzen neun Keramiken mitgegeben worden. Neben einem Tabakgefäß waren vier davon Eliteware erster Güte, bemalt, beschriftet und modelliert. Einer der Becher zeigt, wie ein Adeliger mit dem Pinsel auf eine Hundenase zielt, auf einem anderen erscheint dem jungen Mann eine Visionsschlange. Der dritte Becher zeigt den Schöpfergott Itzamanaaj, aus dessen Stirn eine Art Tausendfüßler guckt.

Grubes Lieblingsstück ist ein schwerer Teller, auf dem steht, dass er für den Kakao von Yotoot Tihl bestimmt war. "Nicht für das Getränk, sondern für das köstliche Fruchtfleisch", erklärt Grube. Der Teller zeigt eine Gottheit mit einem Kranz von Maisblättern, das Symbol für Überfluss. Er entstand wohl in den Palastwerkstätten von Uxul - eine der wenigen Spezialtöpfereien, die den hochwertigen "Codex-Stil" beherrschten.

Einen weiteren Überraschungsfund machten die Forscher unter dem Palast: eine rosafarbene Wandmalerei aus der frühen Maya-Klassik, vermutlich aus dem 5. Jahrhundert. "Das Motiv stellt uns vor Rätsel: Es zeigt einen nackten Fischer mit einer Reuse auf dem Rücken und Fischen in den Händen."

Woher kam das Motiv? War der Fischer vielleicht ein Regengott? Uxul liegt fast 200 Kilometer von jeder Küste entfernt; in der Umgebung sind weder Flüsse noch Seen. Denkbar ist, dass das nach der Eroberung von Calakmul überbaute Gebäude früher kein Palast war, sondern ein Tempel für Rituale um das lebenspendende Element Wasser. "Wir hoffen, noch weitere alte Wandgemälde auszugraben", sagt Grabungschef Delvendahl.

Niedergang des Königreichs

Die Archäologen arbeiten hier nur von Februar bis Mai, in der Trockenzeit. Während es sonst so feucht ist, dass sich jedes Graben verbietet, verwandelt sich das Tiefland ab Mitte Februar in ein Wassermangelgebiet.

Dieser Mangel herrschte schon in der Maya-Zeit. Die Forscher haben 657 Steingebäude in Uxul gezählt. Dazu muss es Hütten aus vergänglichem Material gegeben haben, aus Holz, Lehm und Palmstroh, so wie Maya-Nachkommen auf Yucatán heute noch bauen. Insgesamt hatte die Stadt einst bis zu 8000 Einwohner. Für sie war kontinuierliche Wasserversorgung lebenswichtig.

"Im Karstboden von Yucatán versickert Regen sofort", sagt Doktorand Nikolaus Seefeld. Von Anfang an gehörte der 31-Jährige zum Team. Er hat maßgeblich die "aguadas", die künstlichen Wasserspeicher, ausgegraben. Dazu hat er riesige Schnitte im Boden ausgehoben - die Bassins waren fußballfeldgroß, 100 mal 100 Meter.

"Man hat sie mit Steinmeißeln ins Gestein geschlagen", sagt Seefeld, "eine Knochenarbeit." Die erste Aguada, im Westen Uxuls, liegt in einer Senke. Kanäle sammelten das Regenwasser und leiteten es ins Becken. Die zweite liegt im Osten. Sie wurde gebaut, als nach der Eroberung durch Calakmul die Einwohnerzahl wuchs.

Hier konnte Seefeld technischen Fortschritt nachweisen. "Der Boden des Speichers ist mit Keramikscherben übersät. Damit hat man die Oberfläche nivelliert. Darauf kamen dann noch ein Steinpflaster und eine versiegelnde Stuckschicht." Oberhalb des Sammelbeckens fand er eine anderthalb Meter hohe Mauer aus großen Steinen. "Sie diente dazu, das Wasser vor dem Eintritt ins Bassin zu filtern."

Doch nicht nur diese Zentralspeicher sicherten das Überleben während der Trockenmonate. Zusätzlich sammelte man auch lokal Wasser, in der Nähe der Häuser. So entpuppte sich eine Art Krater im Wald als Trichter, der sich unterirdisch in ein großes Becken öffnete, Fassungsvolumen: 64 Kubikmeter.

Im Inneren machte der junge Bonner letztes Jahr einen grausigen Fund. Er entdeckte Knochen von 24 Skeletten. Sie lagen verstreut, zum Teil offenbar in ritueller Absicht, die Unterkiefer paarweise ineinander gelegt. "Diese Leute starben einen gewaltsamen Tod", sagt Seefeld, "einige Schädel müssen von Beilklingen gespalten worden sein."

Die Opfer waren 22 Männer und 2 Frauen zwischen 17 und 42 Jahren. Sie hatten Zahninkrustationen aus Jade, Indiz für ihren hohen Rang. "Wir wissen nicht, ob es sich um Ortsansässige oder Fremde gehandelt hat", bedauert der Doktorand. "Dazu brauchen wir eine Isotopenanalyse, die klären könnte, wo diese Leute aufgewachsen sind."

Ob dieser Massenmord mit dem Zusammenbruch von Uxul in Zusammenhang steht, weiß man nicht. Der Niedergang des Königreichs kam kurz nach dem Tod von Prinz Yotoot Tihl, dem letzten der Kaan. Im Innenhof des Palastes wurden Projektile von Schleudern gefunden sowie Speerspitzen aus Feuerstein - Spuren eines Endkampfs? "Wir tippen auf einen Aufstand der lokalen Bevölkerung gegen die schwach gewordene Fremdherrschaft", erklärt Grube.

Die Leute von Uxul jedenfalls müssen die Besatzer aus Calakmul gehasst haben. So sind einige der Tafeln mit den ballspielenden Schlangenkönigen falsch herum in den Palasttreppen gefunden worden. Sie wurden im Nachhinein um 90 Grad gedreht.

Etwa um 800 hatte Uxul rund 95 Prozent seiner Bevölkerung verloren. "Nur 0,5 Prozent der gefundenen Keramik datiert nach diesem Jahr", sagt Grube. Insgesamt haben die Forscher 100 komplette Gefäße aus Uxuls Boden geborgen - und rund 1,2 Millionen Scherben.

Sie nehmen an, dass durch den Niedergang der Eliten der Rest der Bevölkerung nicht in der Lage war, das Überleben im Urwald zu sichern. Sie gaben ihren Kampf gegen den periodischen Wassermangel verloren. Erschwerend kam hinzu, dass das Tiefland ab dem 9. Jahrhundert von einer Dürreperiode heimgesucht wurde.

Die Suche nach Wasser muss zuletzt verzweifelt gewesen sein. "Wir haben mitten in einer Aguada einen Schacht gefunden, durch den versiegelten Boden hindurch", erzählt Nikolaus Seefeld. "Offenbar hat man versucht, an das darunter liegende Sickerwasser zu kommen."

Eine Maßnahme, die den Zweck des Speichers ad absurdum führte. Mit einem Loch im Boden hielt er auf Dauer keine Flüssigkeit. Ohne Wasser aber kein Leben - auch nicht im Regenwald.

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insgesamt 38 Beiträge
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1. Viel Arbeit, viel Geld, um etwas über die Vergangenheit
redbayer 20.04.2014
der Maya und Uxul herauszufinden und was machen wir damit? Auch diese Geschichte, wie fast jede zeigt, dass das Überleben von Gesellschaften durch zwei Menschentypen geprägt wird, solchen die etwas 1) aufbauen, erfinden, erschaffen, sich kümmern und wachsen lassen - hier die Ingenieure, Bauern, Arbeiter, Handwerker mit gewaltigen Bauten, Wasserbecken in Stein, Werkzeugen, Infrastruktur etc. und 2) Typen die etwas zerstören, Gewalt ausüben, anderen etwas wegnehmen, sie unterjochen, beherrschen und töten - - hier die Häuptlinge, Priester, Führer, Politiker, Krieger, Feldherren und Herrscher etc. In Uxul hat der "Aufbautyp" offenbar die Schlachten verloren, sei es gegen die "Zerstörer" (Typ 2) und gegen die Natur u.a. Dürrekatastrophen und damit ist diese Gesellschaft untergegangen. Da hat sich bis heute nichts geändert. Nur hat sich der Zerstörertyp wie "Politiker und Herrscher" sehr stark ausgedehnt und ist dabei den Aufbautyp bald völlig zu beherrschen (über Gesetze, Verwaltung, Erziehung und Indoktrination). Falls wir überhaupt noch aus der Geschichte lernen wollen/können dann hieße das, mit aller Gewalt gegen den Typ 2 Menschen vorzugehen und Herrschaft, politische Präsenz, Indoktrination etc. auszurotten, damit die Menschheit erleben kann.
2. Ohne Funktionseliten geht es nicht
Kurt Kraus 20.04.2014
Nur eine Zentralgewalt kann Resourcen aus dem Konsum in Infrastruktur umlenken. Mit der Organisation ging der Kampf gegen den Wassermangel verloren und es kam der Absturz in die Subsistenzwirtschaft. Auch hier mal wieder die erschreckenden Menschenopfer, die man aus allen südamerikanischen Hochkulturen kennt, dagegen war die blutige Kolonialherrschaft der Spanier vermutlich ein Fortschritt.
3.
muellerthomas 20.04.2014
Zitat von redbayerder Maya und Uxul herauszufinden und was machen wir damit? Auch diese Geschichte, wie fast jede zeigt, dass das Überleben von Gesellschaften durch zwei Menschentypen geprägt wird, solchen die etwas 1) aufbauen, erfinden, erschaffen, sich kümmern und wachsen lassen - hier die Ingenieure, Bauern, Arbeiter, Handwerker mit gewaltigen Bauten, Wasserbecken in Stein, Werkzeugen, Infrastruktur etc. und 2) Typen die etwas zerstören, Gewalt ausüben, anderen etwas wegnehmen, sie unterjochen, beherrschen und töten - - hier die Häuptlinge, Priester, Führer, Politiker, Krieger, Feldherren und Herrscher etc. In Uxul hat der "Aufbautyp" offenbar die Schlachten verloren, sei es gegen die "Zerstörer" (Typ 2) und gegen die Natur u.a. Dürrekatastrophen und damit ist diese Gesellschaft untergegangen. Da hat sich bis heute nichts geändert. Nur hat sich der Zerstörertyp wie "Politiker und Herrscher" sehr stark ausgedehnt und ist dabei den Aufbautyp bald völlig zu beherrschen (über Gesetze, Verwaltung, Erziehung und Indoktrination). Falls wir überhaupt noch aus der Geschichte lernen wollen/können dann hieße das, mit aller Gewalt gegen den Typ 2 Menschen vorzugehen und Herrschaft, politische Präsenz, Indoktrination etc. auszurotten, damit die Menschheit erleben kann.
Warten Sie, ich öffne Ihnen die beiden Schubladen, die eine für weiß, die andere für schwarz, dann ist alles schön säuberlich und einfach sortiert.
4. Lächerlicher Mißbrauch
obrunio 20.04.2014
Lieber Redbayer, Ihre politische Denkrichtung ist wohl bekannt. Freuen Sie sich daran. Von der Maya Kultur haben Sie allerdings keine Ahnung. Ich habe im angeblich verschollenen Uxul bei einer meiner Dschungeltouren in den 90er Jahren mal die Silvesternacht verbracht. Der gesamte mexikanisch/guatemaltekische Dschungel ist von hunderten Mayastätten übersäht. Alle Gräber sind aufgebrochen, viel wertvolle Keramik achtlos zerbrochen bei der Suche nach den wertvollen Exemplaren. Sammler zahlen jedes Jahr zig Millionen für das Raubgut. Ausser den Archäologen kann sich eigentlich jeder das ganze Jahr da bewegen. Und das Wasser tragen gemeinhin die Mulis... Über die Archäologen und ihre gigantische Infrastruktur lächeln sie im Dschungel. Habe selbst oft in den verlassenen Camps genächtigt.
5.
syracusa 20.04.2014
Zitat von redbayerder Maya und Uxul herauszufinden und was machen wir damit? Auch diese Geschichte, wie fast jede zeigt, dass das Überleben von Gesellschaften durch zwei Menschentypen geprägt wird, solchen die etwas 1) aufbauen, erfinden, erschaffen, sich kümmern und wachsen lassen - hier die Ingenieure, Bauern, Arbeiter, Handwerker mit gewaltigen Bauten, Wasserbecken in Stein, Werkzeugen, Infrastruktur etc. und 2) Typen die etwas zerstören, Gewalt ausüben, anderen etwas wegnehmen, sie unterjochen, beherrschen und töten - - hier die Häuptlinge, Priester, Führer, Politiker, Krieger, Feldherren und Herrscher etc. In Uxul hat der "Aufbautyp" offenbar die Schlachten verloren, sei es gegen die "Zerstörer" (Typ 2) und gegen die Natur u.a. Dürrekatastrophen und damit ist diese Gesellschaft untergegangen. Da hat sich bis heute nichts geändert. Nur hat sich der Zerstörertyp wie "Politiker und Herrscher" sehr stark ausgedehnt und ist dabei den Aufbautyp bald völlig zu beherrschen (über Gesetze, Verwaltung, Erziehung und Indoktrination). Falls wir überhaupt noch aus der Geschichte lernen wollen/können dann hieße das, mit aller Gewalt gegen den Typ 2 Menschen vorzugehen und Herrschaft, politische Präsenz, Indoktrination etc. auszurotten, damit die Menschheit erleben kann.
Das ist eine recht naive Sicht der Entwicklung von Zivilisationen. Sie hält schon einfachsten Überlegungen nicht stand. Es gab in der Menschheitsgeschichte noch niemals eine technisch hoch entwickelte Zivilisation (in der also von körperlicher Arbeit freigestellte Ingenieure und Wissenschaftler kreative Entdeckungen und Erfindungen durchführen konnten), die nicht zugleich auch sozial hierarchisch gegliedert war und deshalb über Häuptlinge, Priester, Führer, Politiker, Krieger, Feldherren und Herrscher verfügte, die diese Kultur beherrschten. Gerade die von uns als die am wertvollsten erachteten Werke der Architektur und der bildenden Kunst entstanden unter den brutalsten Gewaltherrschern aller Zeiten. Man muss also - leider - annehmen, dass eine technologische Zivilisation nur unter den Rahmenbedingungen einer stark ausgeprägten sozialen Hierarchie entstehen kann. Die entscheidende, bislang noch offene Frage ist aber: kann eine technologische Zivilisation die soziale Hierarchie abschaffen. Bislang ist das nur rudimentär gelungen, und glücklicherweise leben wir in einer solchen, ansatzweise demokratischen und auf Gleichheit aller Bürger bauenden Zivilisation.
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© SPIEGEL Geschichte 2/2014
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