Von Christian Wüst
Einer der ersten Biokraftstoffe, deren Herstellungsverfahren an der Schwelle stehen, den Sprung von der ersten zur zweiten Generation zu machen, ist eine Substanz, die dem Menschen schon seit Jahrtausenden als Rauschmittel dient: Alkohol.
Nikolaus August Otto befeuerte einen Vorläufer des später nach ihm benannten Ottomotors um 1860 mit diversen Sprittypen, die der Handel anbot. Einer davon war Ethylalkohol, damals weit verbreitet als Brennstoff für Lampen.
Die amerikanischen Autopioniere Henry Ford und Charles Kettering, damals Forschungschef von General Motors, sahen schon während der dreißiger Jahre ein enormes Potential im Schnapssprit und wollten ihre Autos gern mit dem Gärprodukt amerikanischer Ackerfrüchte füttern.
In einem flammenden Appell setzte sich auch Francis Garvan, damals Präsident der Chemical Foundation, für Alkoholsprit ein: "Es heißt, wir haben ausländisches Öl", erklärte Garvan 1936 während einer Konferenz im Ford-Heimatort Dearborn bei Detroit. "Es liegt in Persien und in Russland. Glauben Sie, damit können Sie Ihre Kinder verteidigen?"
Doch die Alkohollobby konnte sich nicht durchsetzen. Zu rasch wurden immer größere Ölfelder entdeckt - vor allem in Arabien. Der fossile Kraftstoff erwies sich als die billigere Wahl - und die westlichen Industrienationen marschierten stramm in die totale Abhängigkeit von Importen.
Nur ein einziges Land ging einen Sonderweg und setzte offensiv auf Alkohol im Tank: Brasilien. Etwa 40 Prozent seines Kraftstoffbedarfs deckt das südamerikanische Land heute mit Bioethanol, einer Form von Alkohol.
Das tropische Klima lässt dort Zuckerrohr als Rohstoff für die Ethanol-Gewinnung in gigantischen Mengen emporsprießen - was nicht unbedingt ein Segen für die örtliche Umwelt ist. Millionen Hektar Urwald mussten bereits den Plantagen für Autofutter weichen.
In Europa und Nordamerika gewinnt man Ethanol vorwiegend aus Feldfrüchten wie Weizen, Roggen oder Mais. In Deutschland haben Firmen wie Südzucker inzwischen Schnapsraffinerien in Betrieb genommen. All diese Unternehmen arbeiten noch mit Herstellungsmethoden der ersten Generation. Die Erträge würden niemals reichen, um nennenswerten Ersatz für Benzin zu schaffen. Erst seit wenigen Jahren arbeiten Forscher an leistungsfähigen Verfahren zur Umwandlung von Stroh und Holz in Ethanol.
Anlagen dieser Art befinden sich noch im Forschungsstadium, teilweise mit Unterstützung der Ölmultis. Shell hat sich in Kanada an dem Ethanol-Produzenten Iogen beteiligt, einem der Pioniere dieser jungen Branche.
Politiker und Ingenieure aller Industrieländer sind inzwischen gleichermaßen von der Idee berauscht, Autos mit Alkohol anzutreiben, der im Grunde aus Abfällen hergestellt wird. In Schweden soll Bioethanol sogar das Schlüsselelixier sein, mit dem sich das Nordland vom Jahr 2020 an vollkommen vom Erdöl unabhängig machen will.
Auch die Regierung der Vereinigten Staaten sieht im Bioethanol jenen Kraftstoff der Zukunft, mit dem der ultimative energetische Befreiungsschlag gelingen soll. US-Präsident George W. Bush erklärte erst kürzlich: "Wir wollen, dass die Leute mit Treibstoff fahren, der in Amerika wächst."
Zu den großen Vorzügen des Alkohols zählt seine Ähnlichkeit mit Benzin. Bis zu fünf Prozent lassen sich dem konventionellen Sprit beimischen, ohne dass am Motor des Fahrzeugs etwas verändert werden muss.
In Europa verfügbar sind derzeit Mischverhältnisse mit bis zu 85 Prozent Alkoholanteil. Ford und die schwedischen Hersteller Volvo und Saab bieten bereits Modelle an, deren Motoren den neuen Kraftstoff namens E85 vertragen. Die Veränderungen an der Motorsteuerung sind trivial, der Aufpreis beträgt nur einige hundert Euro.
In Südamerika fahren Autos sogar mit reinem Ethanol. Allerdings steigt mit dem Alkoholanteil im Tank auch der Verbrauch des Motors; denn im Schnaps stecken nur etwa zwei Drittel des Energiegehalts von Benzin.
Noch sind die heimischen Ethanol-Produzenten zarte Pflanzen im weltweiten Kraftstoffgeschäft. Während Brasilien bereits zehn Millionen Tonnen Bioethanol pro Jahr herstellt, bringen es die drei Anlagen in Deutschland gerade mal auf etwa eine halbe Million Tonnen. "Die größte Herausforderung", sagt Shell-Forscher Wolfgang Lüke, "wird darin bestehen, wirklich nennenswerten Ersatz zu schaffen."
Weltweit ist das Biomasse-Potential enorm
Welches Potential aber hat der alkoholische Hoffnungsträger wirklich? Nach Berechnungen der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), dem Kompetenzzentrum des deutschen Landwirtschaftsministeriums in Sachen Biosprit, lassen sich aus dem Kornertrag eines Hektars heimischer Getreideäcker 2500 Liter Ethanol gewinnen. Ein Liter ersetzt 0,66 Liter Ottokraftstoff. Bleibt also eine reale Substitution von 1650 Litern.
Weit größere Hoffnungen nährt eine Technologie, die sich noch im Entwicklungsstadium befindet: Sie heißt "SunDiesel" und wird derzeit im sächsischen Freiberg erprobt.
Dort ersann der gelernte Steinkohlehauer und auf dem zweiten Bildungsweg zum Ingenieur veredelte Visionär Bodo Wolf eine Methode, die aus Holz und anderen organischen Substanzen die Entstehung der fossilen Rohstoffe im Zeitraffer nachvollziehen soll.
Die Schlüsselerkenntnis, auf deren Grundlage er schon zu DDR-Zeiten sein Verfahren ausbrütete, manifestiert sich in einer simplen Wahrheit: "Öl, Gas und Kohle - das ist alles Sonnenenergie."
Das gesamte Kraftfutter des Industriezeitalters ist das Resultat blühenden Lebens der Urzeit, das infolge tektonischen Ungemachs zügig unter der Erde verschwand, ehe es an der Luft vermodern konnte: Wälder wurden zu Kohleflözen, trockengefallene Lagunen voller Algen und Meeresgetier zu Öl- und Gasfeldern. Unter enormem Druck und hohen Temperaturen bildeten sich aus den Kohlenwasserstoffen der früheren Lebewesen die festen, flüssigen und gasförmigen Energieträger.
Wolf hat eine Methode entwickelt, genau diesen Prozess nachzuahmen und dabei gewaltig zu beschleunigen. Was die Natur in Jahrmillionen bewerkstelligte, erledigt das von Wolf patentierte "Carbo-V-Verfahren" in wenigen Stunden: Holz, Stroh und jede andere Form getrockneter organischer Substanzen wird in einer Apparatur von Brennern und Katalysatoren in ein Synthesegas verwandelt. Aus diesem gewinnt ein Fischer-Tropsch-Reaktor, wie auch bei der schon länger praktizierten Kohle- und Erdgasverflüssigung, Dieselkraftstoff.
Das von Wolf gegründete Unternehmen nennt sich Choren. Die ersten drei Buchstaben stehen für Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O) - die Grundbausteine organischen Lebens und jeglicher konventioneller Energie; die letzten drei Buchstaben stehen für "renewable", also erneuerbar.
Der Gründer ist inzwischen im Ruhestand. Um sein Erbe ranken sich hochmögende Industriekonzerne. DaimlerChrysler und Volkswagen fungieren schon seit drei Jahren als Entwicklungspartner. Im vergangenen Sommer beteiligte sich Shell an Choren.
Die Erwartungen sind enorm, obgleich die Freiberger Dieselbraukunst von der Feuertaufe des ersten kommerziellen Einsatzes noch ein gutes Stück entfernt ist. Bisher läuft lediglich eine kleine Forschungsanlage. Erst im kommenden Jahr, weit später als anfangs geplant, soll die zweite, weit größere Apparatur in Betrieb gehen und 15.000 Tonnen SunDiesel pro Jahr produzieren. Noch später soll die erste Großraffinerie im vorpommerschen Lubmin auf einen Jahresausstoß von 200.000 Tonnen kommen.
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Oder noch viel besser, indem die Wirtschaft die Arbeitsplätze dort anbietet wo die Menschen wohnen. In dem die Wirtschaft ihre Mitarbeiter nicht umso qualifizierter sieht je weiter entfernt sie vom Betriebsgelände wohnen Motto: [...] mehr...
vllt liegt da auch die zukunft. in der zurücksiedelung der arbeitnehmer in ohne auto erreichbare nähe der arbeit, bzw. in das einzugsgebiet der städtischen busse. ist ja auch praktisch. schließlich hat man das klo irgendwann [...] mehr...
Der ganze Bohay dient keinesfalls dazu, irgend grossartige neue alternative oder sonstwasige Energie aus weiss Gott was zu gewinnen, sondern EINZIG und ALLEIN dazu, Subventionen abzugreifen, Steuergelder aus oeffentlichen in [...] mehr...
6 kWh/100 km sind etwa 21 Megajoule Energie, also ein bisschen mehr als ein halber Liter Benzin. Wirkungsgrad des Benzinmotors: grosszügig nach unten angenommen 20%. Macht für den gleichen Roller mit Benziner ungefähr 2.5 [...] mehr...
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