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Richtig studieren In der Welt zu Hause

2. Teil: Ein Auslandsaufenthalt macht "gut im Lebenslauf"


Natürlich geht's auch eine Nummer kleiner. Aber auch all jene, die nicht später ein Blue-Chip-Unternehmen managen wollen, sollten sich die Chancen, die eine Auslandsstudium bietet, nicht leichtfertig entgehen lassen.

EHSSAN DARIANI Der Deutsche iranischer Herkunft (l.) gründete nach einem Praktikumsaufenthalt in den USA das Studentenverzeichnis "StudiVZ". Für bis zu 85 Millionen Euro sollen Dariani und seine Mitstreiter die Studenten-Plattform inzwischen verkauft haben.
studivz.de

EHSSAN DARIANI
Der Deutsche iranischer Herkunft (l.) gründete nach einem Praktikumsaufenthalt in den USA das Studentenverzeichnis "StudiVZ". Für bis zu 85 Millionen Euro sollen Dariani und seine Mitstreiter die Studenten-Plattform inzwischen verkauft haben.

Katja Speck, 33, verbrachte während ihres BWL- und Tourismusstudiums an der Fachhochschule München je ein Semester in Mexiko und Spanien. Obwohl sie im Studium Englisch und Spanisch, aber nicht Französisch hatte, fand Speck ihre erste Stelle in der Karlsruher Niederlassung einer französischen Firma. "Meinen Chefs war wichtig zu wissen, dass ich schon eine Zeitlang weg war." Diese Erfahrung garantiere, so das Kalkül, dass die Neue auch mit längeren Aufenthalten in der französischen Zentrale zurechtkäme.

Dass sich ein Auslandsaufenthalt "gut im Lebenslauf macht", hat Hanna Altheimer, 26, bereits bei der Bewerbung um Praktika erlebt. Im Wintersemester 2004/2005 war die Skandinavistik-Studentin in Schweden. Nach ihrer Rückkehr blieb sie international aktiv: Die sympathische Frau mit dem braunen Pferdeschwanz wurde Präsidentin der europäischen Studentenvereinigung Aegee in München und organisierte Sommeruniversitäten für ausländische Gaststudenten.

Bei Microsoft in München waren sie so beeindruckt, dass sie dem jungen Organisationstalent gleich ein Projekt anboten. Altheimer betreut jetzt Veranstaltungen, bei denen der Software-Riese potentiellen Kunden neue Produkte vorstellt. Für diese Aufgabe hat die Literaturfachfrau sogar ein Urlaubssemester eingereicht - erst mal.

Auch in fachlicher Hinsicht kann ein Auslandsstudium erheblichen Mehrwert bieten. Tobias Schwabe, 24, Student der mathematischen Finanzökonomie in Konstanz, zog es eigentlich an den Atlantik nach Lissabon. Doch mangels eines Stipendiums für die Stadt seiner Träume riet ihm sein Professor, nach Maastricht zu gehen, an eine Uni, die über die Grenzen der Niederlande hinaus für ihre unkonventionellen Methoden bekannt ist.

"Das hat sich total rentiert", sagt Schwabe. Statt in Vorlesungen lernte der junge Finanzer den Stoff in Tutorials, bei denen die Studenten die Sitzungen - auf Englisch - selbst vorbereiten und leiten, der Professor nur im Notfall einschreitet. Angst vor Präsentationen vor internationalem Publikum kennt Schwabe nicht mehr.

In Maastricht durften er und seine Kommilitonen auch schon den Ernstfall proben: Im Auftrag einer Immobilienfirma rechneten die Studis ein reales Projekt durch - mit Bauplänen, Marktanalysen und Daten der Immobilienverbände, an die Studenten sonst nicht herankommen. "In Konstanz wird Immobilienmanagement kurz theoretisch angeschnitten", sagt Schwabe, "aber das war's dann auch."

Studenten der Human- oder Tiermedizin machen beim Gaststudium in Frankreich ähnliche Erfahrungen. Während ihre deutschen Kommilitonen nur sporadisch mit echten Fällen zu tun haben, arbeiten angehende französische Mediziner als fortgeschrittene Studenten vormittags in der Klinik und betreuen dort - unter Aufsicht eines Arztes - relativ eigenständig Mensch oder Tier.

"An der Ludwig-Maximilians-Universität in München konnten wir Tiere höchstens mal in der Gruppe behandeln", sagt die Tierärztin Heike Pinsdorf, die im Wintersemester 2002/2003 in Toulouse war. "In Frankreich haben wir Studenten von der Patientenaufnahme über die Diagnose bis hin zu einfacheren Eingriffen fast alles allein gemacht."

Einen Praxisschock erlitt die Münchner Studentin nicht, im Gegenteil: Frankreich habe sie "neu motiviert", so die Veterinärin, danach sei ihr in Deutschland "vieles leichter von der Hand" gegangen.

Auch der Humanmediziner Peter Wollny lernte bei Gastsemestern in Paris und auf Guadeloupe die französischen Lehrmethoden zu schätzen. "Bei der Visite stellen die Studenten ihre Patienten dem Oberarzt vor und nicht umgekehrt", beobachtete Wollny staunend. Gegen Ende seines Aufenthalts hatte der Deutsche sogar eigene Patienten.

Heute hat Wollny seinen ersten Job seinen Auslandssemestern zu verdanken: Der frisch Approbierte bewarb sich auf eine Stellenanzeige des Kreiskrankenhauses von Wissenbourg im Elsass. Er wusste, dass im Elsass deutsche Ärzte gern genommen werden - zumal die älteren Patienten noch die elsässische Mundart sprechen und viele französische Kollegen ungern in die Grenzregion ziehen. Obwohl sein jetziger Chef eigentlich einen erfahreneren Arzt suchte, nahm er daher Wollny. Der war deutsch - und mit dem französischen System vertraut.

Gerade in Berufen, in denen der Arbeitsmarkt in Deutschland sehr umkämpft ist, kann die Auslandserfahrung Chancen auf einen Job eröffnen. Erst recht, wenn man zusätzlich einen ausländischen Titel hat.

Der Jurist Armin Koch(Name geändert), 31, hatte bei längeren Aufenthalten in Frankreich und England die dortigen Studienabschlüsse - Maîtrise und Master of Laws, kurz LLM - gleich mit erworben. Doch mit dem tollen Job in Deutschland, auf den der angehende Junganwalt dank Praktika bei der EU-Kommission in Brüssel und in einer internationalen Top-Kanzlei gesetzt hatte, wurde es nichts: Kochs Zweites Staatsexamen fiel nur ordentlich aus - nicht überragend.

Was nun? Koch graute es vor der Perspektive, die auf viele durchschnittliche Jura-Absolventen wartet: freies Durchwursteln zu Dumping-Stundenlöhnen. Ihm kam zu Ohren, dass große Wirtschaftskanzleien in Luxemburg gern auch deutsche Anwälte einstellen, wenn diese einen französischen Abschluss vorweisen können. Koch bewarb sich und wurde sofort genommen. "In Deutschland hätte ich eine so gut bezahlte Stelle nie bekommen", freut er sich.

Die größte Hürde für ein Auslandsstudium ist oft die Bewerbung. Einen Studienplatz im Wunschland zu ergattern gleicht oftmals einem Lotteriespiel: Die meisten Länder nehmen im Rahmen von Stipendienprogrammen Auslandsstudenten nur auf Gegenseitigkeit auf. Ansonsten fallen oft hohe Studiengebühren an.

Beliebte Zielländer sind seit einigen Jahren Schweden und die Niederlande. Viele Veranstaltungen werden dort auf Englisch abgehalten. Seit den späten neunziger Jahren hat sich die Zahl der deutschen Auslandsstudenten mehr als vervierfacht.

Spannend sind auch grenzüberschreitende Studien, wie sie etwa die Universitäten Freiburg und Karlsruhe mit Partner-Hochschulen in Basel und Straßburg im Fach Biotechnologie anbieten. Die Studenten kommen aus allen drei Ländern und studieren gemeinsam. Gelehrt wird an der École Supérieure de Biotechnologie in Straßburg meist auf Französisch, die praktischen Studienteile laufen in Basel, Freiburg und Karlsruhe in der Regel auf Deutsch und Englisch.

Am Ende halten die Biotechnologen einen Abschluss aus drei Ländern in den Händen und sind in allen drei Sprachen fit für die spätere Arbeit bei Pharma- und Agrarmultis. Im täglichen Umgang mit den Kommilitonen lernen sie auch die verschiedenen Mentalitäten kennen. "Es macht schon viel aus", sagt die Freiburger Studentin Stefanie Müller, "wenn man die unterschiedlichen Umgangsformen kennt."

Noch größere kulturelle Differenzen zu überbrücken, lernen derzeit Informatik-Studenten an der TU Berlin. Dort gibt es einen Studiengang, der nach einem zweijährigen Studienaufenthalt in Shanghai ein chinesisch-deutsches Doppeldiplom einschließt.

Timo Glaser, 24, schreibt momentan seine Doktorarbeit über die Sicherheitsrisiken, die die kulturellen Unterschiede beim Auslagern von IT-Dienstleistungen nach China mit sich bringen. Trotz der Ausbildung im wirtschaftlich boomenden Reich der Mitte hat sich aber die Erwartung von Glasers Dozenten, dass die Industrie sich um die Inhaber des Doppeldiploms reißen würde, bislang nicht erfüllt. Die ersten vier Absolventen sind alle noch an ihrer Alma Mater in Berlin. Und auch bei der nächsten Generation stehen die Unternehmen nicht Schlange. "In China gewesen zu sein", sagt Diplomand Johannes Schaback, 25, "ist es nicht allein." Berufserfahrung sei mindestens genauso wichtig, und die müssen die Informatiker erst noch erwerben.

Für seinen Kommilitonen Martin Mehlitz hat sich der China-Aufenthalt allerdings jetzt schon gelohnt. Mehlitz hat dort nämlich nicht nur "potentielle Geschäftskontakte" geknüpft, sondern eine Chinesin, die er an der Uni kennenlernte, gleich nach Deutschland mitgebracht. Als Ehefrau.

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