SPIEGEL: Warum studieren Sie in China?
Schell: Ich wollte das Leben in China am eigenen Leibe erfahren und vor allem natürlich mein Chinesisch verbessern. In Köln habe ich die Sprache schon studiert. Aber ohne einen Aufenthalt in China wird man sie nie richtig beherrschen. Außerdem höre ich an der Qinghua-Universität Vorlesungen über Rüstungskontrolle.
SPIEGEL: Sie studieren nicht klassische Sinologie, sondern ...
Schell: ... Regionalwissenschaften, eine Kombination aus modernen China-Studien und aus Wirtschafts-, Politik- oder Rechtswissenschaften.
SPIEGEL: Und warum zieht man von Aachen nach Peking?
Tielmann: Ich wollte grundsätzlich gerne ins Ausland. Am Anfang hatte ich an die USA, an Schweden oder Frankreich gedacht und hörte dann eher zufällig von dem China-Programm der RWTH Aachen. Von der Idee war ich sofort begeistert. Mich hat schon immer die asiatische Kultur fasziniert.
Ruhrmann: Ich wollte ebenfalls gerne ins Ausland. Für mich gab es zwei Möglichkeiten: Nach Portland in die USA - oder eben das Aachen/Qinghua-Programm. Für Peking sprach dann das Besondere, China ist einfach etwas ganz anderes. Wenn man bedenkt, was für ein Potential in China steckt, wenn man seine Wirtschaftsraten sieht, dann will man dabei sein.
SPIEGEL: Verlieren Sie hier nicht kostbare Studienzeit?
Ruhrmann: Nein. In Peking werden dieselben Fächer wie in Aachen angeboten. Die Inhalte ähneln denen der RWTH sehr stark.
SPIEGEL: Aber Sie werden von chinesischen Professoren unterrichtet?
Ruhrmann: Klar. Aber die Vorlesungen sind auf Englisch. Hinzu kommt, dass wir hier den Master-Abschluss nach einem Jahr erwerben können. Wir werden also später einen Diplom- und einen Master-Titel haben.
SPIEGEL: Anders als bei Herrn Schell war China vorher nicht Ihre besondere Leidenschaft?
Ruhrmann: Nein. Ich hatte aber gehört, dass dies eine supertolle Erfahrung sein soll. In Aachen werden pro Jahr maximal 30 Studenten nach China geschickt.
SPIEGEL: Was müssen Sie für die beiden Auslandssemester bezahlen?
Tielmann: Wir bekommen ein Stipendium der chinesischen Regierung. Die übernimmt auch die Kosten für das Wohnheim und die Studiengebühren. Für zehn Teilnehmer gibt es Geld vom DAAD.
SPIEGEL: Es bleibt nur eine gewaltige Hürde - die Sprache?
Tielmann: Bevor ich mich für China entschied, habe ich mir gesagt: Wenn ich die Sprache nicht kann, dann hat das alles keinen Zweck. Dann habe ich erfahren, dass die Vorlesungen auf Englisch gehalten werden, genauso wie beim Master-Studiengang in Aachen.
SPIEGEL: Sie lernen dennoch Chinesisch?
Tielmann: Zum Programm gehört ein Sprachkurs, einmal die Woche, zwei Stunden. Das empfinde ich jedoch als relativ mager. Deshalb besuche ich jeden Tag einen zweistündigen Kurs an einer Privatschule. Eine Stunde kostet dort etwa 1,20 Euro.
Schell: Das ist bei mir natürlich etwas anders. Wir lernen täglich rund 60 neue Schriftzeichen. Es gibt jeden Tag einen Test, jeden Tag ein Diktat, jeden Tag müssen wir einen Aufsatz schreiben.
SPIEGEL: Und wie sind Sie untergebracht?
Ruhrmann: Im Studentenwohnheim für Ausländer.
Schell: Dort gibt es verschiedene Möglichkeiten: Man kann zusammen mit einem Kommilitonen in einer Zweier-WG wohnen, aber auch im Einzelzimmer.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Studium | RSS |
| alles zum Thema Auslandsstudium Asien | RSS |
© SPIEGEL special 2/2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH