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25.03.2008
 

Kurzporträt

Fatih Çevikkollu

Fatih Çevikkollu, 35, wurde als Schauspieler und Kabarettist mehrfach ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in Köln und tourt derzeit mit seinem Soloprogramm „Fatihland“ durch Deutschland.

Ich wurde als Kind türkischer Eltern in Köln geboren, meine Eltern sind Muslime, und bei uns war es so wie bei vielen Christen: Die Feste wurden gefeiert, das Zuckerfest und das Opferfest beispielsweise. Meine Mutter hat mir und meinen beiden Brüdern immer gesagt: Wir bekennen uns zu Gott, zu seinen Geboten, zur Fastenzeit. Aber viel mehr Religion war eigentlich nicht. Damals, vor 25 Jahren, waren viele Hinterhofmoscheen bereits sehr umtriebig. Meine Mutter sagte: Kinder, ihr geht mir da nicht hin. Sie fürchtete, wir würden dort zu sehr indoktriniert. Ich denke, meine Eltern sind gesund und wach im Kopf, sie haben eine ausgeprägte Menschlichkeit, die haben sie uns vermittelt. Der islamische Glaube meiner Familie war für mich nie dominant.

Çevikkollu
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DPA

Çevikkollu

Wir sprachen türkisch untereinander, doch im Haus lebte eine 80-jährige Frau, man könnte sagen, sie war meine erste Freundin. Wir sprachen sehr viel miteinander, wir waren das perfekte Paar. Sie war 1900 geboren und somit ein wandelndes Geschichtsbuch, das war sehr interessant für mich. So habe ich nicht nur Deutsch, sondern auch Kölsch gelernt.

Als ich älter wurde, überraschte mich, wie lustfeindlich, streng und freudlos viele Muslime wirkten, meine Eltern betonten immer Brüderlichkeit und Toleranz. Heute gibt es dauernd diese Vergleiche: Sprichst du lieber türkisch oder deutsch? Ist der Islam besser als das Christentum? Auf diese Fragen darf man sich nicht einlassen, das ist der Beginn von Rassismus.

Nach meinem Abitur bin ich eher zufällig zur Schauspielerei gekommen und habe eine Zeitlang fest am Theater gearbeitet, geackert wie ein Pferd, bezahlt wie ein Pony. Ich habe mich schließlich selbständig gemacht, künstlerisch ist das freier und kreativer, ich will meine eigenen Geschichten erzählen. Die politisch-satirischen Texte, die ich mache, sind meistens sehr persönlich, sie sollen aufklären, dabei unterhaltsam und charmant sein – sie sollen den Zuschauern Freude im Herzen bereiten. Religion spielt immer wieder eine Rolle, ich habe zum Beispiel einen „Moslem-TÜV“ im Programm, dabei geht es um den Test zur Integration in Baden-Württemberg. Ich schreibe auch gerade ein Buch mit dem Titel „Moslem-TÜV“, da geht es um gesellschaftliche Veränderungen, um Religion, um Fragen wie: Gestern noch Kümmeltürke, heute schon Topterrorist, was ist da passiert?

Ich stelle in meinen Programmen die Dinge dar, wie sie sind, das bewegt schon etwas bei den Leuten. Gehässige Töne liegen mir nicht, ich möchte, dass sich die Leute emotional miteinander und mit mir verbinden, das ist mein Ziel. Deutschland ist meine Heimat, ich habe ein tolles Leben hier. Es ist schön, in der Türkei zu sein, aber ich freue mich sehr, wenn ich dann über den Rhein fahre und den Dom wiedersehe.


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