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Alte und neue Medien: Warten auf den Durchbruch

Von Martin Greive

Nach dem Hype ist in der Podcast-Szene Realismus eingezogen. Die Goldgräberstimmung ist dahin, Geld verdienen kann man mit den Audio- und Videosendungen im Internet bislang kaum.

An Geld zu kommen kann manchmal so einfach sein. In Zeiten des Web 2.0 muss man nur als Mutter interessant über sein Familienleben plaudern können, und prompt bekommt man einen gutdotierten Sponsorenvertrag. Wie Paige Heninger und Gretchen Vogelzang aus den USA.

In ihrem Podcast "MommyCast" erzählen die beiden Frauen aus einem amerikanischen Vorortstädtchen über ihre Babys, geben Erziehungstipps oder machen sich Gedanken zum Muttertag. Ihre Fan-Gemeinde wuchs seit ihrer ersten Sendung im März 2005 so rasant an, dass ein Haushaltswarenproduzent die beiden Mütter mit einem sechsstelligen Dollar-Betrag pro Jahr unterstützt.

Von solchen Erfolgsgeschichten träumen viele Podcaster. Doch während in den Vereinigten Staaten erfolgreiche Produzenten gutes Geld verdienen, lässt in Deutschland der kommerzielle Durchbruch auf sich warten. "Mit dem Bekanntwerden von Podcasts im Jahr 2005 herrschte eine regelrechte Goldgräberstimmung", sagt Georg Schneider, Vorsitzender des Podcastclubs und selbst Produzent.

Doch inzwischen hat sich der Enthusiasmus deutlich abgekühlt. Second Life heißt der neue Mega-Trend, Podcasts verschwinden aus dem Licht der Öffentlichkeit, und die Wirtschaft blickt größtenteils skeptisch auf die neue Kommunikationsform.

Zwar wachsen die Download-Zahlen von Podcasts weiter an: Noch vor einem Jahr luden sich nur zwei bis vier Millionen Nutzer monatlich einen Podcast herunter, mittlerweile sehen sich pro Monat rund 15 Millionen User Internet-Sendungen an. "Aber mit der Produktion von Sendungen kann man sich bislang nur ein Zubrot verdienen", sagt Schneider.

Alexander Köllner, ein Podcaster der ersten Stunde, sieht die Branche in einer entscheidenden Phase: "In den nächsten eineinhalb Jahren wird sich entscheiden, ob Podcasts den kommerziellen Durchbruch schaffen oder ob sie weiter ihr Nischendasein fristen", sagt Köllner.

Der Begriff Podcast, in Großbritannien von einem bekannten Wörterbuch im Jahr 2005 zum Wort des Jahres gekürt, setzt sich zusammen aus dem englischen Wort broadcast (Rundfunkübertragung) und dem Namen des populären Audioplayers iPod von Apple. Gemeint ist schlicht das Anbieten von Audio- oder Videodateien im Internet.

Beim Podcasten kann jeder unabhängig von Sendeanstalten seine Radiosendungen produzieren - und auch ganz einfach veröffentlichen. Der Podcaster macht eine Ton- oder Videoaufnahme und schickt sie an einen Server im Internet.

Das Praktische an Podcasts: Der Internet-Nutzer kann über einen sogenannten RSS-Feed die Sendungen abonnieren - wenn der User online geht, lädt sein Rechner mittels einer Software automatisch die gewünschte Sendung herunter.

Eine der erfolgreichsten der rund 2500 Podcaster in Deutschland ist Larissa Vassilian. Ihre erste Sendung "Schlaflos in München" stand erstmals am 21. März 2005 im Internet. "Die technische Neugier trieb mich dazu, es selbst mal auszuprobieren, und ich fing sofort Feuer", sagt Vassilian. 400 Folgen lang plauderte die Nachwuchsmoderatorin täglich als Annik Rubens über ihre Heimorgel oder über ihren Kater "Tiger". Inzwischen ist sie auf ein wöchentliches Format umgestiegen, porträtiert Menschen und führt Interviews.

Obwohl Vassilian als einer der absoluten Stars der Branche gilt, erreicht auch die 31-Jährige mit ihrer Sendung maximal 10 000 Hörer. Zwar gibt es auf ihrer Homepage einige Werbebanner, aber einen großzügigen Sponsor für ihre Sendung hat auch Vassilian nicht.

Dabei könnte es für ein Unternehmen auf den ersten Blick ganz interessant sein, in privaten Podcasts Anzeigen zu schalten. Studien zeigen: Der Podcast-User ist jung, technikbegeistert und gutverdienend. Zudem differenzieren sich die Nutzer der Internet-Sendungen noch weiter aus: Einen Heimwerker-Podcast etwa hören oder sehen sich eben nur begeisterte Hobby-Bastler an - durchaus eine interessante Werbezielgruppe für Baumärkte.

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© SPIEGEL special 3/2007
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