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21.04.2009
 

Denken und fühlen

Zwei Leben lang Liebe

Von Bettina Musall

Alle träumen von glücklicher Dauer-Partnerschaft. Aber wie einen tauglichen Gefährten finden? Die Wissenschaft bestätigt beide Volksweisheiten: Gleich und gleich gesellt sich gern, und Gegensätze ziehen sich an.

Strahlend schön ist die junge Frau, ein erotisches Wunderwesen. Sonnenblonder Vamp, die blauen Augen mandelförmig, der Mund mal erotisches Versprechen, mal ein Kinderlachen. Ihr Auftritt bringt ein Lokal zum Schweigen und ein Stadion zur Raserei. Ungewöhnlich ist, dass ihre Erscheinung bei Männern wie bei Frauen Beschützerinstinkte weckt. Denn der ganze Glamour kann nicht verbergen, dass die Schöne schüchtern und leicht verletzlich ist. Als sie den Mann ihres Lebens trifft, ist sie 24, geschieden, kinderlos.

Glückliches Paar: Wie findet man die ewige Liebe?
Corbis

Glückliches Paar: Wie findet man die ewige Liebe?

Der erfolgreiche Schriftsteller, 35, groß, schlank, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Intellektuell kann er mit der Blonden nicht viel anfangen. Aber auch in ihm rührt sie etwas Unwiderstehliches an. Jahre später verschlingen sich die beiden in einer Amour fou. Er macht ihr einen Heiratsantrag - übers Fernsehen. Mit seiner neuen Frau wolle er nach England reisen, sagt Arthur Miller und nennt ihren Namen: Marilyn Monroe.

Natürlich nahm die Leinwand-Ikone die Werbung der Geistesgröße an. Fasziniert und irritiert zugleich schaute das Publikum den beiden zu, die sich als Geist und Körper perfekt zu ergänzen schienen, obwohl ihre Welten kaum näher beieinander lagen als Venus und Mars. Miller und Monroe waren das Traumpaar der fünfziger Jahre, jeder für sich höchst erfolgreich, Schmuckstücke jeder Jetset-Party, die überdies im streng antikommunistischen Nachkriegsamerika den Glanz der Moviestars verbanden mit einer politisch verfolgten liberalen Intelligenzia. Gerade weil die beiden kaum unterschiedlicher hätten sein können, verkörperten sie perfekt einen unsterblichen Menschheitstraum: die Idee von der absoluten Liebe, die alle Gegensätze überwindet.

Uneingeschränkt und rein soll sie sein, diese eine Liebe, die endlich die Sehnsucht stillt, sich in einem anderen ganz und gar aufgehoben zu fühlen. Wie vom Schicksal füreinander bestimmt, driften die amourös Infizierten aufeinander zu, um das Unmögliche möglich werden zu lassen: sich quasi aufzulösen in Gemeinsamkeit und zugleich als Individuum ganz zu sich zu finden, als folge die Liebe einer naturwissenschaftlichen Formel. Ich plus Du gleich Wir.

Bekanntlich scheiterte die Verbindung aus Miller und Monroe. Und zwar derart gründlich, dass der Schriftsteller nach dem Selbstmord seiner Ex nicht mal zu deren Beerdigung erschien. Und natürlich haben es jene, die den beiden einst verzückt beim Sich-Paaren zusahen, hinterher von Anfang an gewusst, dass eine solche Liaison niemals gutgehen kann - eine Behauptung, so probat wie ungerecht. Denn erstens hat es mit der Liebe zwischen den beiden offensichtlich funktioniert; nur mit der Lebenspartnerschaft wurde es nichts. Und zweitens scheitern Beziehungen auch in weniger prominenten Kreisen bestürzend oft.

Statistisch gehört jener Typus, der auf Anhieb kurz nach der Geschlechtsreife den Mann oder die Frau fürs Leben findet, zu einer irrelevanten Minderheit. Selbst wer die Neugier auf erotische Erfahrungen zu zügeln versteht, erhöht so keineswegs die Wahrscheinlichkeit, rascher im sprichwörtlichen Hafen zu landen. Und da auf Dauer festzumachen.

Warum nur?

Warum nur gelingt es heutzutage allenfalls zwei von drei verheirateten Paaren hierzulande, aus dem hoffnungsfrohen Auftakt einen glücklichen und haltbaren Bund zu schmieden? In den USA, deren gesellschaftlichen Strömungen Deutschland gewöhnlich nacheifert, scheitert sogar schon jede zweite Ehe. Mehr und mehr Singles müssen wieder und wieder auf die Pirsch, obwohl in postfeministischen und neuväterlich bereicherten Zeiten Frauen und Männer nun wirklich langsam zueinander passen könnten. Stets aufs Neue geraten gestandene Weibsbilder und geläuterte Clooney-Machos an die falschen Partner oder in dieselben unlösbaren Beziehungskatastrophen.

Dies erscheint umso unverständlicher, als kaum ein Lebensbereich ähnlich durchleuchtet wird wie Liebe und Partnerschaft. Das Geschäft mit der Ratgeberliteratur lebt ausgezeichnet vom Suchen und Finden der oder des Richtigen. Elektronische Kontakthöfe verzeichnen rasante Zuwachsraten. Eheberater, Paartherapeuten, Partnerschafts-Coachs konkurrieren im Psycho-Business um Beziehungsopfer. In der Wissenschaft streiten Evolutionsbiologen, Hirnforscher, Philosophen, Soziologen, Psychologen darum, welchen Anteil Hirn, Hormone, Elternhaus oder Sozialbiotop daran haben, wenn zwei bessere Hälften einfach nicht zueinanderfinden, obwohl beide keine Party, keine Ausstellungseröffnung, keinen Speed-Dating-Versuch und keine Selbsterforschungsgruppe scheuen.

Wer nach Erklärungen für das häufige Scheitern sucht, nimmt allen Einsichten zum Trotz verbale Anleihen beim Vokabular der Verhaltensforschung - wie so oft, wenn die Ratlosigkeit groß ist. Beuteschema heißt das Schlagwort, das zeigen soll, wie instinktgesteuert, also hilflos der moderne Homo sapiens rund 200.000 Jahre nach seinem ersten Auftreten handelt, wenn es darum geht, die große Liebe zu finden und zu bewahren.

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