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Krank durch Essen Die Last des Fleisches

Fast-Food-Kreationen: Dickmacher aus Teufels Küche
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This is Why You're Fat

Fettleibigkeit verursacht Folgekrankheiten, deren Behandlung Milliardenbeträge verschlingt. Aber die Krankenkassen weigern sich meist, die Kosten der Therapien für Superdicke zu übernehmen.

Immer abends, nach der Arbeit, kamen die Angst-Attacken. Das Herz raste und sprang aus dem Takt, berichtet Hans Joachim Beiersdorf, 51. Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck gehörten 19 Jahre lang zu seinem Leben - und waren doch längst nicht das Schlimmste.

Viel dramatischer fand Beiersdorf die nächtlichen Atemaussetzer, die auch seine Frau so erschreckten. Regelmäßig fuhr er im Schlaf auf, schrie um Hilfe: "Ich dachte jedes Mal, ich ersticke." Doch mit der Zeit hatte er sich selbst daran gewöhnt, wie an all die anderen Leiden, die die Ärzte dem enormen Übergewicht des 160-Kilo-Mannes zuschrieben: die hohen Blutzuckerwerte, die Nervenschäden im linken Fuß, die Sehschwäche, die Schmerzen in den Kniegelenken.

Vielleicht hätte er immer so weitergemacht, sagt der gelernte Schlosser aus Herne - Abend für Abend 30-mal an den Kühlschrank schleichen, Kalorienbomben gegen Kummer futtern. Wäre da nicht im Dezember vergangenen Jahres die Schock-Diagnose beim Hausarzt gewesen: behandlungsbedürftiger Diabetes mellitus. Der Mediziner stellte ihn vor die Alternative, fortan Insulin zu spritzen oder sein Leben radikal zu ändern.

Beiersdorf entschied sich für Letzteres. Seit April hat er in einer einjährigen ambulanten Gruppentherapie im Adipositas-Zentrum an der Bochumer Augusta-Kranken-Anstalt, einer von bundesweit rund 35 Spezialeinrichtungen, den Kampf gegen die krank machenden Pfunde aufgenommen. Mit Hilfe eines interdisziplinären Teams aus Ärzten, Psychologen, Ernährungsberatern und Sportlehrern nahm Beiersdorf bislang 51 Kilo ab. Viele seiner Krankheiten besserten sich dadurch erheblich: Die Atemaussetzer sind weg, die Blutzuckerwerte und der Bluthochdruck stark gesunken. Statt vier muss er heute nur noch zwei Medikamente täglich einnehmen - in deutlich geringeren Dosen.

"Ich war auf dem besten Wege, mich zu Tode zu essen"

120 schwerstgewichtige Patienten suchen allein in Bochum jährlich Hilfe. Mehr als 90 Prozent von ihnen, so der psychologische Leiter Uwe Machleit, sind nicht nur dick, sondern krank. Sie schlucken täglich einen Cocktail aus bis zu 20 Pillen - gegen ihre Fettleber, ihre erhöhten Harnsäurewerte oder gegen Bluthochdruck. Etliche leiden unter insulinpflichtigem Diabetes. "Das kostet die Kassen pro Kopf oft 300 bis 400 Euro im Monat", sagt Machleit.

Doch während Staat und Krankenkassen jährlich hohe zweistellige Milliardenbeträge in die Behandlung sogenannter Folgekrankheiten pumpen, ist der Kampf gegen die Ursache all dieses Übels, die Fettleibigkeit, noch weitgehend Privatsache. Therapien wie in Bochum übernehmen Krankenkassen in der Regel nicht - auch wenn die Anbieter in immerhin 60 Prozent der Fälle auf Langzeiterfolge verweisen können.

12 der 14 Teilnehmer in Beiersdorfs Gruppe etwa mussten die Kosten von 2000 Euro selbst tragen. Absurd, findet der abgemagerte Diabetiker. "Viele unternehmen angesichts solcher Preise lieber gar nichts gegen ihr extremes Übergewicht." Das verschlimmere dann ihren Krankheitszustand - und lasse später die Kosten für die Beitragszahler explodieren.

Für einige Programme gebe es noch nicht genügend aussagekräftige wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit, begründet Stefan Gronemeyer, Bereichsleiter beim Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen, die Weigerungshaltung. Und Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen, bestätigt, dass Therapien gegen Fettleibigkeit generell nur eine "Kann-Leistung" der Kassen im Zuge der Rehabilitation seien. Sie sollen zum Beispiel besonders dicken Herzpatienten nach einem Infarkt bei der Genesung helfen.

Stephan Bischoff, Sekretär der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Leiter des Instituts für Ernährungsmedizin an der Universität Stuttgart-Hohenheim, hält die Haltung der Krankenkassen für fahrlässiges Laisser-faire. Adipositas sei krankhaft und krank machend, doziert er. "Es ist ethisch, medizinisch und ökonomisch dringend notwendig, Fettleibigkeit endlich wie eine Krankheit zu therapieren - und zwar frühzeitig."

Welche Krankheiten starkes Übergewicht häufig verursacht und was sie die Gesellschaft kosten, hat ein Freiburger Kardiologe am Beispiel eines 68-jährigen Maurers dargestellt. Der Senior brachte 122 Kilo auf die Waage, litt an Herzschwäche, Luftnot, Diabetes mellitus Typ-2 (Altersdiabetes), Bluthochdruck, Bewegungsmangel und beidseitiger Kniearthrose. Allein die Frührente, die er wegen seiner zahlreichen angefutterten Erkrankungen ab dem 58. Lebensjahr bekam, kostete die Rentenkasse 120.000 Euro. Zusammen mit Untersuchungen, Knieoperationen und Medikamenten kamen fast 190.000 Euro zusammen - in nur sieben Jahren.

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insgesamt 253 Beiträge
The Godfather 15.10.2009
Man sollte unterscheiden. 1. Kostenübernahme bei Stoffwechselstörungen, die zu Fettleibigkeit führen. 2. Wer sich aus Spaß ein Puddinggesicht anfrisst, muß halt auch mit Spaß wieder abnehmen. Alles andere widerstrebt meinem [...]
Man sollte unterscheiden. 1. Kostenübernahme bei Stoffwechselstörungen, die zu Fettleibigkeit führen. 2. Wer sich aus Spaß ein Puddinggesicht anfrisst, muß halt auch mit Spaß wieder abnehmen. Alles andere widerstrebt meinem Gerechtigkeitsempfinden, selbst wenn es teurer wird. Andererseits, man kommt vom 100. ins 1000.. Was tun mit Rauchern, Trinkern, Snowboarden usw usw usw.
christiane006 15.10.2009
zunächst einmal sollte man der Lebensmittelindustrie auf die Finger klopfen, denn die verstecken Fette nur allzu gern in ihren Produkten. Die Inhalte werden auf den Produkten so versteckt und klein angebracht, dass man zum [...]
Zitat von sysopFettleibigkeit verursacht Folgekrankheiten, deren Behandlung Milliardenbeträge verschlingt. Aber die Krankenkassen weigern sich meist, die Kosten der Therapien für Superdicke zu übernehmen. Wie soll therapeutisch verfahren werden, müssen sich Kassen mehr engagieren?
zunächst einmal sollte man der Lebensmittelindustrie auf die Finger klopfen, denn die verstecken Fette nur allzu gern in ihren Produkten. Die Inhalte werden auf den Produkten so versteckt und klein angebracht, dass man zum Einkaufen eine Lupe mitnehmen muss. Fett ist billiger Rohstoff, deshalb werden Lebensmittel nur allzu gern damit aufgepeppt. Wenn Gewinnstreben die Volksgesundheit ruiniert, dann sollte der Gesetzgeber einschreiten. Wir brauchen die Ampelkennzeichnung, damit der Verbraucher vor ungesunden Lebensmitteln gewarnt wird. Fett macht fett. Prävention ist besser und billiger als Krankheiten zu bekämpfen.
moi1 15.10.2009
Tja, leider haben wir uns nicht nur der amerikanischen Arbeits- sondern auch Ernährungsphilosophie verschrieben. Wir sollten es wie die Franzosen oder Italiener handhaben. Dort ist es nicht unüblich in vielen Lebensbereichen [...]
Zitat von christiane006Prävention ist besser und billiger als Krankheiten zu bekämpfen.
Tja, leider haben wir uns nicht nur der amerikanischen Arbeits- sondern auch Ernährungsphilosophie verschrieben. Wir sollten es wie die Franzosen oder Italiener handhaben. Dort ist es nicht unüblich in vielen Lebensbereichen die Bude über die Mittagszeit zu schließen und sich in Ruhe dem Essen zu widmen, anstatt sich nebenbei was rein zuschieben. Und auch Croissants sind fettig.
steff261 15.10.2009
Da wird sich nie was ändern solange die Pharmaindustrie und Krankenkassenbosse sich gegenseitig in der Sauna eines Luxushotels den Bauch streicheln und später im Restaurant die Schecks über den Tisch wandern. Oder gibt es [...]
Zitat von sysopFettleibigkeit verursacht Folgekrankheiten, deren Behandlung Milliardenbeträge verschlingt. Aber die Krankenkassen weigern sich meist, die Kosten der Therapien für Superdicke zu übernehmen. Wie soll therapeutisch verfahren werden, müssen sich Kassen mehr engagieren?
Da wird sich nie was ändern solange die Pharmaindustrie und Krankenkassenbosse sich gegenseitig in der Sauna eines Luxushotels den Bauch streicheln und später im Restaurant die Schecks über den Tisch wandern. Oder gibt es eine bessere Erklärung für die Tatsache, daß die Kassen die (Einmal-)Kosten für stationäre Abmagerungskuren nicht übernehmen wollen und sattdessen lieber jahrzentelang teure Medikamente und die Behandlung für die Folgen der Fettleibigkeit bezahlen?
FastFertig 15.10.2009
Erst die Raucher, dann die Fetten und morgen sind die Alkoholiker dran! Danach wird es spannend. Muss man dann ähnlich der Steuererklärung einen Bewegungsnachweiß beim Bewegungsamt einreichen um seine Genußmittelmarken zu [...]
Erst die Raucher, dann die Fetten und morgen sind die Alkoholiker dran! Danach wird es spannend. Muss man dann ähnlich der Steuererklärung einen Bewegungsnachweiß beim Bewegungsamt einreichen um seine Genußmittelmarken zu bekommen? Werden einem bei Nichteinhaltung ein paar Jährchen von der Lebensberechtigungskarte abgezogen?
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© SPIEGEL Wissen 3/2009
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Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen
Zur Definition von Übergewicht wird der sogenannte Körpermassen-Index (BMI) herangezogen. Durch das Wachstum und die Pubertätsentwicklung sowie den damit verbundenen Änderungen der Körperzusammensetzung unterliegt der BMI alters- und geschlechtsspezifischen Veränderungen. Ein BMI von 25-29,9 gilt als Indiz für Übergewicht.
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