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Ökoware aus China Geschäft ohne Seele

Öko-Boom in China: Geschäft ohne Seele
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2. Teil: Ist das Misstrauen gegenüber chinesischen Produkten deshalb berechtigt?


Allerdings ist Chinas Ökolandwirtschaft oft ein Geschäft ohne Seele. Viele Bauern haben sich nicht so sehr aus grünem Bewusstsein sauberen Anbaumethoden verschrieben. Meist setzen größere Unternehmen auf Bio, weil sie es für eine prima Geschäftsidee halten, da die Verkaufspreise höher sind.

Ist das Misstrauen gegenüber chinesischen Produkten deshalb berechtigt?

Im Nordwesten Pekings, am Rande der Duftenden Berge, arbeitet Jiang Gaoming. Der Botaniker der renommierten Chinesischen Akademie der Wissenschaften ist mit Leib und Seele ein Öko, sein Institut versucht gerade in der Inneren Mongolei eine Biohühnerfarm aufzubauen, um die Bauern von der traditionellen Rinder- und Ziegenwirtschaft abzubringen: "Die zerstört das Grasland."

Jiang weiß durchaus von schwarzen Schafen unter den Biobauern. So ertappte er im Umland der Hauptstadt einen Produzenten, dessen "organisches" Gemüse "ohne Anzeichen organischer Produktion" gedieh, aber zu "organischen Preisen" verkauft wurde.

Selbst wenn alles mit rechten Dingen zugeht, leiden die Biofarmen oft unter dem Einfluss der Nachbarschaft. Denn "die Bauern in der Umgebung sprühen weiterhin heftig Chemiedünger und Pestizide. Die Umgebung ist in der Regel stark verschmutzt", sagt Jiang. Biobauern müssen daher eine kleine Schutzzone um ihre Anbauflächen ziehen.

Oft steht nicht böser Wille hinter den Schummeleien, sondern wirtschaftlicher Druck. Weil Biobauern weit weg von den Märkten wohnen, schalten sich zahlreiche Einkaufsgesellschaften ein, die die Waren zum Verbraucher bringen. Die sind, wie der deutsche Experte Censkowsky sagt, derzeit ein Problem: "Jeder will verdienen, am Ende der Kette werden die Preise gedrückt."

Vom Anarcho zum Unternehmensberater

Von den Mühen der Branche weiß auch Klaus Griesbach, ein alter Hase im Biogeschäft. In Hamburg war der ehemalige Anarcho einer der Ersten, der den Biotrend erkannte, er gründete den Laden "Schwarzbrot". Irgendwann verschlug es den Hanseaten nach China, nun berät er das private Unternehmen "Organic Farm", einen der größten Bioproduzenten Chinas.

An einem heißen Sommernachmittag ist Griesbach zum Hof von Organic Farm jenseits des 6. Pekinger Stadtringes hinausgefahren. Rund hundert Gewächshäuser stehen hier, in denen unter anderem Kürbisse, Kirschtomaten und Gurken gedeihen. Das Unternehmen beliefert vor allem Ausländer in Peking, die im Internet ihre Waren bestellen. Zudem betreibt es eigene Läden sowie Verkaufsstände in Supermarktketten wie Carrefour.

Griesbach ist nicht zufrieden mit dem, was er sieht: einen trüben Tümpel, zusammengehalten in einer grauen Plastikplane, ansonsten Sand, nichts als Sand. Kein schöner Platz für die Hühner, die hier Bioeier legen sollen. Das Ziegengehege nebenan gleicht ebenfalls einer Steppenlandschaft. "Hier muss mehr Grünzeug her, Rasen und Büsche zum Beispiel", rüffelt Griesbach eine junge Mitarbeiterin.

Selbst wenn Federvieh und Ziegen nicht so leben, wie man sich einen Biohof vorstellt - hier, versichert Griesbach, werden Insekten mit natürlichen Fallen und nicht mit Pestiziden abgewehrt, hier wird mit Kompost gedüngt. "Die Kompostwirtschaft wurde ja zuerst in China entwickelt", doziert er.

Auch in China erkennt man Bioware am Siegel. Ein Stempel fehlt allerdings - der für "Fairen Handel".

In einem Gewächshaus von Organic Farm hockt die Landarbeiterin Chen und schneidet Keimlinge. Zehn Stunden, Tag für Tag, auch am Wochenende. Was sie verdiene? "Etwas über 1000 Yuan." Also etwas mehr als 100 Euro pro Woche. Für den Bioeinkauf langt das nicht.

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insgesamt 9 Beiträge
Onsager 18.10.2009
Ich liebe diese tendenzioesen Ueberschriften. In Deutschland ist das alles also ganz anders, will man mir suggerieren. Baumumarmer und Bastschuhtraeger ueberall, die taeglich ihre Aepfelchen streicheln...
Zitat von sysopChina exportiert Ökoware im Wert von 500 Millionen Dollar im Jahr. Auf dem Binnenmarkt macht Bio nicht mal ein Prozent aus. Die großen Gewinnspannen für die Erzeuger verführen zu Schmu. http://www.spiegel.de/spiegelwissen/0,1518,654887,00.html
Ich liebe diese tendenzioesen Ueberschriften. In Deutschland ist das alles also ganz anders, will man mir suggerieren. Baumumarmer und Bastschuhtraeger ueberall, die taeglich ihre Aepfelchen streicheln...
lalito 18.10.2009
Nachfrage liegt über dem Angebot. Das ist die Situation. Bio ist ein ernstgenommener Wirtschaftsfaktor geworden, sechseckig mit grün-schwarzem Rand. Das war das Ende für kba. Wer die Geschichte und die Protagonisten der [...]
Nachfrage liegt über dem Angebot. Das ist die Situation. Bio ist ein ernstgenommener Wirtschaftsfaktor geworden, sechseckig mit grün-schwarzem Rand. Das war das Ende für kba. Wer die Geschichte und die Protagonisten der Geschichte der jetzigen Nürnberger Bio-Fach kennt, weiß, dass die Frage nach der Seele zu spät gestellt wird. Wer zu spät kommt den bestraft das Leben. Hagen und Hubert haben die Seele nach Nürnberg verkauft, der damals so hoch gehaltene Anspruch, nur "kba", konnte nicht aufrecht erhalten werden. Nun ist die Seele vom Markt aufgesaugt worden und fristet allenfalls noch ihr Nischendasein auf inhabergeführten Biohöfen mit idealistisch geführten angehängtem Hofladen. Der Rest lässt sich von Banken und Großkapital die aufgeweichten Vorgaben diktieren. Hab es seit meinen ersten Kontakten mit den Märkten und Messen "Öko/Bio" usw., also seit 89, immer mit dem milden Fatalismus gehalten: Wenn es Bio ist und auch noch besser schmeckt darf es auch ruhig ein bisschen teurer sein. Das Massengeschäft von heut war damit jedoch nicht gemeint. Die überwiegende Zahl der Idealisten der ersten Stunden sind wirschaftlich tot, ihre Seelen auch. Selbst Britta - und da war Cash - konnte den eigenen Anspruch nicht stemmen. Nun, das was heute daraus entstanden ist müsste die Grundlage für den Anbau Pflanzen zur Herstellung von Nahrungs-, Bekleidungs- und Körperpflegeprodukten grundsätzlich und weltweit werden, dann wäre auch tatsächlich etwas gewonnen. Das lassen die Verkäufer von "Pflanzenschutzmitteln" und "genetisch optimiertem Saatgut" nicht zu. Die Lobby ist wirtschaftlich einfach zu potent. So macht eine Nische mit ihren eckigen und bunten Vertrauens-Labeln gerade mal bisschen Extra-Profit auf niedrigstem gemeinsamen Bio-Nenner. We feed the world, eine Doku. Mal googlen.
SchneiderG 18.10.2009
---Zitatende--- 100 Euro Lohn pro Woche? Das dürfte der Monatslohn sein.
Zitat von sysopChina exportiert Ökoware im Wert von 500 Millionen Dollar im Jahr. Auf dem Binnenmarkt macht Bio nicht mal ein Prozent aus. Die großen Gewinnspannen für die Erzeuger verführen zu Schmu. http://www.spiegel.de/spiegelwissen/0,1518,654887,00.html ---Zitat von sysop--- In einem Gewächshaus von Organic Farm hockt die Landarbeiterin Chen und schneidet Keimlinge. Zehn Stunden, Tag für Tag, auch am Wochenende. Was sie verdiene? "Etwas über 1000 Yuan." Also etwas mehr als 100 Euro pro Woche.
---Zitatende--- 100 Euro Lohn pro Woche? Das dürfte der Monatslohn sein.
Reissack 18.10.2009
welche mit viel Geduld und Entbehrungen die KbA Produkte an den Verbraucher brachten. Kaum die richtige Nachfragegröße, schon gibt es das auch beim Discounter um die Ecke, mit dem bekannten Druck auf die Preise. Eine der größten [...]
welche mit viel Geduld und Entbehrungen die KbA Produkte an den Verbraucher brachten. Kaum die richtige Nachfragegröße, schon gibt es das auch beim Discounter um die Ecke, mit dem bekannten Druck auf die Preise. Eine der größten Inhabergeführten deutschen Bio-Bäckereien legt zwar großen Wert auf den KbA der Rohstoffe, behandelt aber das Personal menschlich wie Sklaven, von vernünftiger Bezahlung ganz zu schweigen. Kapital zerstört jede gutgemeinte Entwicklung. z. B. ist Lehm seit mehreren tausend Jahren als Baustoff bekannt und war als gewöhnlicher Dreck wertlos. Erst seit man ihn in Säcke füllt und "verbraucherfreundlich" vermarkten kann kann man ihn fast nicht mehr bezahlen. Die Firma Kreidezeit Naturfarben führte lange Zeit ein von der Branche belächeltes Nischendasein. Nunmehr verwässern Markenhersteller ihre Baumarkt-Giftpampen mit Ökobegriffen und schon wird der Totenkopf ein bischen grüner.
cucco 18.10.2009
Richtig, das kann nur der Monatslohn sein. Ein durchschnittliches Einkommen in Nanjing ist etwa 80 Euro pro Monat. Die Öko Freaks aus Deutschland gehen nach China, nicht, um die Chinesen zu beglücken, sondern um Kohle zu [...]
Zitat von SchneiderG100 Euro Lohn pro Woche? Das dürfte der Monatslohn sein.
Richtig, das kann nur der Monatslohn sein. Ein durchschnittliches Einkommen in Nanjing ist etwa 80 Euro pro Monat. Die Öko Freaks aus Deutschland gehen nach China, nicht, um die Chinesen zu beglücken, sondern um Kohle zu machen möglichst mit dem Export. Die China- und Asien-Gänger ( neben anderen 3.Welt Ländern) haben die kommerzielle Profit-Mentalität, die die WTO und die EWG - als sie noch so hiess - korrumpiert hat. Wenn ich deutsches oder italienisches Bio kaufe, weiss ich, dass ich jemanden in Europa für seine Arbeit bezahle, der davon lebt. In China werden die Menschen - wie auch in allen Tigerstaaten und meisten Staaten von Afrika - gnadenlos und unmenschlich von uns Westlichen ausgenutzt. Jeder Kauf eines China- Vietnam- oder Philippinen Produkts erzeugt Armut und Elend in jenen Ländern und gigantischen Reichtum von Unternehmern und Politikern. Die Gewinne steigen in unvorstellbare Höhen und sind dann der Anlass für die Finanzbranche zum globalisierten und unkontrollierbaren Zocken. Der sogenannte freie Welthandel in der modernen Globalisierung ist der Grund für: Massenarbeitslosigkeit in der westlichen Welt bei gleichzeitigen Mega Gewinnen der Finanzwelt und Sozialisierung der Verluste eines Teils der materiellen Oberschicht. Auch die korrupten britischen Politiker wissen, warum sie ihren Bänkern nicht die Flügel stutzen und den Menschen in der EU damit sträflich schaden.
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