SPIEGEL: Herr Pantel, Sie konnten sich gerade selbst nicht auf Anhieb an Ihre eigene Telefonnummer erinnern. Ein Frühzeichen von Demenz?
Pantel: Das menschliche Erinnerungsvermögen ist begrenzt. Je mehr Informationen man mit sich herumträgt, desto eher kann man auch mal etwas nicht abrufen. Das ist völlig normal.
SPIEGEL: Wie unterscheidet sich die normale Vergesslichkeit von Demenz?
Pantel: Wenn mir etwa in einem Moment so etwas wie meine Telefonnummer nicht einfällt, ein Detail, das später aber abgerufen werden kann, erklärt sich das mit einer kurzfristigen Kapazitätsüberlastung des Gehirns. Das kennt jeder. Im Alter lernt man meist nicht mehr so schnell, man braucht mehr Wiederholungen und Konzentration, braucht länger, um sich auf neue Situationen einzustellen. Vokabellernen dauert dann eben nicht zwei Tage, sondern eine Woche. Ein dementer Mensch hingegen lernt gar nicht mehr. Die Fähigkeit, neue Informationen zu speichern, ist bei der Krankheit zerstört.
SPIEGEL: Glauben Betroffene oft vorschnell, an Demenz erkrankt zu sein?
Pantel: Natürlich gibt es viele besorgte Gesunde, die einfach gar nichts haben. Manche ältere Menschen haben geradezu eine neurotische Fixierung darauf, dass ihr Gedächtnis nachlassen könnte. Das ist aber auch ein gesellschaftliches Problem: Die Alten werden heute unter Druck gesetzt, mit den Jungen mithalten zu müssen.
SPIEGEL: Was bringt einem tatsächlich Betroffenen die Frühdiagnose Demenz? Man kann doch kaum etwas dagegen tun.
Pantel: Es gibt da tatsächlich auch ein Recht auf Nicht-Wissen. Aber die Menschen, die zur Frühdiagnostik kommen, haben einen Leidensdruck und wollen es wirklich wissen. Wichtig ist, dass man schon vor der Untersuchung mit dem Patienten klärt, welche Konsequenzen eine Demenz-Diagnose für sein weiteres Leben hätte. Entscheidet er sich für eine Diagnostik, könnte er Vorteile haben: Im besten Fall kann eine Krankheit ausgeschlossen werden oder man entdeckt eine Krankheit, die behandelbar ist. Auch wenn die Diagnose Demenz lautet, gewinnt der Patient Zeit, sich bewusst damit auseinanderzusetzen und Vorkehrungen für einen Verlust seiner Autonomie zu treffen. Viele Menschen empfinden es als eine Chance, zuvor Verfügungen und Vollmachten zu hinterlegen.
SPIEGEL: Wirklich behandeln kann man die Krankheit aber nicht?
Pantel: In allen Stadien der Erkrankung ist es möglich, den Verlauf einer Demenz positiv zu beeinflussen, auch medikamentös. Je früher man eine Therapie beginnt, desto besser. Die Patienten können auch an Studien für neue Medikamente teilnehmen. Man weiß zwar nicht, ob die Substanzen funktionieren, aber es gibt zumindest eine Chance. Auch für eine gesunde Ernährung und körperliche Aktivität gibt es erste Hinweise, dass das eine eine Verbesserung des Zustandes ermöglichen kann.
SPIEGEL: Welche Möglichkeiten gibt es, vorzubeugen?
Pantel: Es gibt drei Säulen der Demenz-Vorbeugung. Es hilft, wenn sich das Gehirn lebenslang aktiv mit der Umgebung auseinandergesetzt hat und dies auch im Alter noch tut. Bei der Ernährung sollte man auf Mittelmeerkost setzen, und Bewegung ist wichtig. Es gibt einen gewissen Schutz durch Bildung; ein Hochgebildeter würde dann ein paar Jahre später zum Patienten.
SPIEGEL: Gibt es für die Zukunft Hoffnung, Demenzen wirklich heilen zu können?
Pantel: Es gibt zurzeit etwa 20 Medikamente, die sich in einer aussichtsreichen Phase der klinischen Prüfung befinden. In der Vergangenheit gab es hier aber viele Enttäuschungen. Zudem wird man künftig den Betroffenen noch stärker psycho-soziale Hilfestellung für ihren Alltag geben - die positive Wirkung ist gut bewiesen. Eine dritte Säule könnten dann technische Adaptionen im Wohnraum des Patienten sein, die es ermöglichen, dass er trotz der Krankheit lange dort wohnen bleiben kann.
SPIEGEL: Sie meinen ...
Pantel: ... zum Beispiel einen Kühlschrank, der seinen Besitzer daran erinnert, dass er Milch einkaufen muss.
Das Interview führte Martin U Müller
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Frau von der Leyen, ist nicht die Ministerin die ich favorisiere, aber sie jetzt, vermutlich aufgrund ihrer zweifelhaften politischen Erfolge, in einen Zusammenhang mit ihrem demenzkranken Vater bringen, (Ernst Albrechts dubiose [...] mehr...
Schön wärs, aber unsere Mediziner sind weitestgehend von der Pharmaindustrie gekauft. Das Interview mit Paul kommt auch nicht von ungefähr. Die Internationale Pharmaindustrie hat die Demenzerkrankungen jetzt als höchst [...] mehr...
So habe ich es auch gemeint: "Das ist nur der Anfang". Das dicke Ende folgt dann - selbstredend. So sieht eben Verfall aus. Oder gehören auch Sie zu der Spezies, die sich "for ever young" wünschen? [...] mehr...
Je mehr die Herren Entgleisungen im Organismus in die molekulare Bestandteile zerlegen, umso weniger koennen und muessen Sie das Ganze im Blick halten. Prima! Wie man aber die schleichende Gesundheitsabnahme eines [...] mehr...
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© SPIEGEL Wissen 1/2010
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