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23.02.2010
 

Die Zürcher Hoffnung

Zwei Ärzte geben den Traum von der Impfung nicht auf

Von Veronika Hackenbroch

Tierversuch: Professor Nitschs Labormäuse dienen der Alzheimer-Forschung.Zur Großansicht
Psychiatrische Forschung / Universität Zürich

Tierversuch: Professor Nitschs Labormäuse dienen der Alzheimer-Forschung.

Sie sind Freunde, und sie liegen weit vorn in der Alzheimer-Forschung: Christoph Hock und Roger Nitsch sind zuversichtlich, bald eine wirksame Therapie gegen die Krankheit zu finden.

Das Büro von Roger Nitsch ist ein Ort voll Optimismus mit weltweiter Ausstrahlung. Als sichtbares Zeichen hängt ein weißer Seidenschal in der Ecke. "Den hat mir der Dalai Lama geschenkt", sagt Nitsch. "Er ist auch sehr an Hirnforschung interessiert."

Nitsch leitet die Abteilung für Psychiatrische Forschung der Universität Zürich, und er hat ein großes Ziel: endlich eine Therapie zu finden gegen die Alzheimer-Krankheit.

Sein Labor ist eine Betonfestung, in der 30 hochqualifizierte Mitarbeiter - Molekularbiologen, Mediziner und Psychologen ebenso wie Physiker und Informatiker - genetische Analysen durchführen, Antikörper bestimmen und mit den rund 6000 Versuchsmäusen experimentieren, die in sterilen Käfigen im Keller leben.

Fünf Minuten entfernt steht die Psychiatrische Universitätsklinik, idyllisch zwischen Wiesen und Obstbäumen. Drei Straßenbahnhaltestellen von dort ein weiterer Bau, groß, hell, mit grünen Fensterläden: das Gerontopsychiatrische Zentrum Hegibach mit einer Ta-gesklinik und einer Ambulanz. Chefarzt Christoph Hock versteht sich als forschender Arzt. "Ich habe die demenzkranken Menschen vor Augen, denen ich helfen will. Das war und ist mein Antrieb für die Wissenschaft."

Roger Nitsch und Christoph Hock, beide Jahrgang 1961, zwei deutsche Ärzte in Zürich, gehören zu den international führenden Alzheimer-Forschern. Über die Grenzen ihres Fachs hinaus bekannt wurden die Wissenschaftler, als sie vor rund zehn Jahren einen Impfstoff gegen die Krankheit an Menschen erprobten. Eine Geschichte voller Hoffnungen und Rückschläge und neuen Hoffnungen, die noch nicht zu Ende ist.

Erstmals gab es Hoffnung auf Heilung

Der Impfstoff war von der irischen Firma Elan entwickelt worden: ein kleines Stück Beta-Amyloid, ganz ähnlich jenem Molekül, das sich in den Gehirnen der Alzheimer-Patienten krankhaft anreichert. Es sollte das körpereigene Immunsystem dazu bringen, das krankmachende Amyloid aus den Gehirnen der Alzheimer-Patienten wieder zu entfernen. Eine neuartige, erstmals wirklich Linderung oder gar Heilung versprechende Therapie zeichnete sich ab.

In Zürich wurde der erste Patient der sogenannten Phase II Studie geimpft, in einem kleinen, unscheinbaren Behandlungszimmer. "Hier saß der Mann", erzählt Hock, "hier hat er die Spritze in den Oberarm bekommen - genau wie bei einer ganz normalen Grippeimpfung." 30 Patienten wurden in Zürich geimpft, weitere 270 in anderen Städten Europas und der USA, und zunächst lief alles glatt. Doch Ende 2001 meldeten Forscher aus Frankreich erste Nebenwirkungen. Und kurz darauf merkten auch Nitsch und Hock, dass mit einigen Teilnehmern etwas nicht stimmte. "Bei uns litten drei Patienten plötzlich an Gangstörungen, Schwindel und Bewusstseinsveränderungen", berichtet Hock.

Bald stand fest: Ursache war eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute, ausgelöst wahrscheinlich durch eine Immunreaktion auf die Impfung. Zwar waren insgesamt nur 18 Geimpfte betroffen; und etliche von ihnen konnten zudem mit Cortison gut behandelt werden. Dennoch: Die Studie wurde abgebrochen. Der Traum von der Alzheimer-Impfung war erst einmal geplatzt. "Ein berühmter Kollege sagte damals zu mir: ,Roger, it's dead!'" erzählt Nitsch. Die meisten Forscher zogen sich frustriert zurück.

Je mehr Antikörper, desto langsamer der geistige Verfall

Nicht jedoch Hock und Nitsch. "Die Patienten hatten ja Antikörper gegen das Beta-Amyloid entwickelt - und diese Antikörper waren immer noch in ihrem Blut", sagt Hock. "Da mussten wir doch weiterverfolgen, wie es ihnen damit geht." In einem Kühlraum in Nitschs Labor lagerten sämtliche Blut- und Nervenwasserproben. Jetzt wollten die beiden Mediziner wissen, was die Spritzen mit ihren Patienten gemacht hatten.

Im Mai 2003 folgte dann die Erfolgsmeldung: Nitsch und Hock konnten nachweisen, dass bei den geimpften Patienten der geistige Abbau umso langsamer voranschritt, desto mehr Antikörper gegen Amyloid sie gebildet hatten: der erste Hinweis darauf, dass die Impfung tatsächlich wirken könnte.

Das Blatt begann sich wieder zu wenden. Plötzlich zeigten zahlreiche Pharmafirmen Interesse. Mit verschiedenen Methoden versuchten die Forscher jetzt, den Impfstoff so zu verändern, dass keine Hirn- und Hirnhautentzündungen mehr auftreten können.

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insgesamt 19 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
15.03.2010 von HBauer: Die Nonnenstudie - der Schluessel zu Alzheimer

Seit der Nonnenstudie wissen wir doch was los ist. Alzheimer ist eine Entzuendungserkrankung. Deshalb ist Curcumin empfohlen, sowohl wie Iboprufen. Letzteres hat zwar Nebenwirkungen, doch gibt es bereits Alzheimermittel auf [...] mehr...

11.03.2010 von frau trallala: Curry

Curry wird ja gerne als Allheilmittel propagiert, von Speiseröhrenkrebs über Leukämie bishin zum Wunderpulver für die Darmgesundheit, daher sollte man mit solchen Aussagen generell vorsichtig sein. Im Fall Alzheimer könnte [...] mehr...

11.03.2010 von saul7: ++

Wenn es so kommen würde, wäre es gewiss ein Segen. Der Nobelpreis wäre ihnen sicher!! mehr...

11.03.2010 von The Independent: Nicht ganz richtig.

Das stimmt so nicht. Es ist allerdings einfacher post-mortem eine eindeutige Diagnose zu stellen, weil eben dann natürlich das Krankheitsbild (oder sagen wir die Veränderung im Gehirn) so weit fortgeschritten ist, dass man oft [...] mehr...

11.03.2010 von raytheon11: Hoffnung? Wohl eher nicht (ein Forscher)

Also von dieser Curry studie habe ich schon was gehört und sie ist wohl recht unsauber durchgeführt worde. Sie sagt also gar nichts aus. Ausserdem ist man sich noch gar nicht sicher, ob die plaques und Tangles wirklich für den [...] mehr...

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Morbus Alzheimer

Die Alzheimer-Krankheit wird auch Morbus Alzheimer oder Demenz vom Alzheimer-Typ genannt. Der bayerische Nervenarzt Alois Alzheimer beschrieb die Erkrankung erstmals 1906 anhand von Beobachtungen an seiner 51-jährigen Patientin Auguste Deter, die fünf Jahre lang unter schwerem Gedächtnisverlust und paranoiden Wahnzuständen gelitten hatte, bevor sie starb. Bei der Analyse ihres Gehirns fand Alzheimer steinharte Ablagerungen, die sogenannten Plaques und Fibrillen.

Die langsam fortschreitende Erkrankung ist neurodegenerativ, d.h in bestimmten Gehirnbereichen wie dem Hippokampus, den motorischen Arealen und dem Hirnstamm, gehen die Nervenzellen allmählich zugrunde. Die durchschnittliche Krankheitsdauer liegt zwischen sechs und acht Jahren, in Ausnahmefällen zwischen einem und 15 Jahren. Im Verlauf kann es zu Jahre anhaltenden Plateauphasen kommen, während derer sich der Patient stabil auf dem erreichten Niveau hält.

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Fakten zur Demenz

Zurzeit leben mehr als eine Million Demenzkranke in Deutschland, jährlich gibt es rund 250.000 Neuerkrankungen. Die Krankheit bezeichnet den Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit - besonders der Gedächtnisleistung und des Denkvermögens - und tritt verstärkt im hohen Alter auf. Demenz gilt als eine der teuersten Krankheitsgruppen im Alter, die Bundesregierung schätzt die Kosten derzeit auf 26 Milliarden Euro pro Jahr. Allerdings wird ein Großteil, nämlich die Pflege, bislang unentgeltlich von Angehörigen erbracht. Im Jahr 2010, schätzt die Bundesregierung, werden voraussichtlich 20 Prozent aller Bundesbürger über 65 Jahre alt sein - die Kosten könnten dann auf 36,3 Milliarden Euro steigen.

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