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Rätsel Pubertät Off limits am Mississippi

Jugendliche: Mit den Flegeljahren kommen die SorgenZur Großansicht
Corbis

Jugendliche: Mit den Flegeljahren kommen die Sorgen

2. Teil: Wenn Väter und Söhne, Mütter und Töchter das gleiche Zeug auf ihren iPods haben

Als wir dem Rapper dann gegenübersaßen, sah ich: Er war ein sympathischer Teddybär. Und ich kapierte, dass die harte Nummer der HipHopper eine für 14-Jährige war, die das Abenteuer anbeten. Die beiden verstanden sich prächtig, unterhielten sich über konkurrierende Rapper, und ich war draußen. Weit draußen. Doch immerhin, wir saßen gemeinsam vor 50 Cent.

Die Vorstellung, dass ich mit meinem Vater gemeinsam meinem Idol Mick Jagger gegenübergesessen hätte, ist absurd, von allen Seiten. So weit immerhin sind die Generationsklüfte eingeebnet. Väter und Söhne, Mütter und Töchter sind heute Teilnehmer der gleichen Popkultur und haben weitgehend das gleiche Zeug auf ihren iPods. Mein Sohn hat Poster seiner HipHop-Stars in seinem Zimmer hängen, einen Fernseher, liberale Eltern, er spricht über Sex, er darf nicht geprügelt werden in der Schule. All das gehört zu den Errungenschaften der 68er, die die Gesellschaft und ihre kulturellen Kodizes ein für alle Mal revolutioniert haben, und ich bin mir nicht sicher, ob zum Guten hin.

Ich kann mich noch genau an den Nachmittag erinnern, als ich "Twist and Shout" zum ersten Mal hörte, bei uns im Wohnzimmer, die schweren Sessel weggeräumt, der Tisch mit der verstellbaren Platte ebenfalls, und mein ältester Bruder und sein Freund twisteten vor, und es war irrsinnig komisch und schön. Es gab Randschärfen, es gab das Alte und das Neue.

Mit 16 zog ich zu den Maoisten in eine Kommune

Wir hoben damals ab in diese neue Welt, aber auf einem soliden Fundament. Wie meine Brüder ging ich auf das Jesuiteninternat Aloisiuskolleg in Bad Godesberg. Das Ako war ein katholischer Kosmos aus Silentium und Kissenschlachten in 40-Betten-Schlafsälen, jeden Morgen in der Krypta Messe dienen, jeden Nachmittag Fußball, und gegen sündige Gedanken kalte Duschen. Nie übrigens gab es auch nur einen einzigen "Vorfall", von dem ich gewusst hätte. Doch selbst die Präfekten konnten sich dem übermütigen Glück der Beatles nicht entziehen - sonntags durften wir im Präfektenzimmer Singles auflegen, die Auswahl war nicht groß, "Mr. Postman" war dabei und "Help me Ronda" von den Beach Boys. Nie wieder gab es einen so deutlichen Bruch zwischen dem, was die Eltern hörten, und dem, was ihre Kinder hörten, zwischen der alten und der neuen Welt.

Zu der neuen gehörte übrigens auch, unten an der Haltestelle, der Imbiss mit dem Alligator-Flipper der Firma Bally, an dem die Zwillinge standen, selbst 14 Jahre alt, mit Fransenhemden und komischen Hüten und Miniröcken, und alle träumten von einem Freispiel mit ihnen. Auch die sexuelle Revolution war ein Thema meiner Jugendzeit - heute ist sie in dem sattsam bekannten pornografischen Totalschaden gelandet.

Mit 16 bin ich in eine Kommune gezogen, zu ein paar maoistischen Lehrern, und habe dort meinen Sommer der Anarchie verbracht. Meine Eltern haben mir sorgenvoll vom fernen bürgerlichen Ufer aus zugewinkt.

Aus seinem Zimmer schallt viel Japanisches

Heute sind die Rollen vertauscht. Ich sympathisiere immer noch mit Rebellionsgesten, während mein Sohn überhaupt nichts von Anarchie hält. Sein Schulpraktikum macht er bei der Polizei. Abends hält er mir Vorträge darüber, was man alles nicht darf. Es ist ziemlich viel, was man nicht darf. Kommunen? Er hat seinen Ersatz: Das sind die Jungens, die mit ihm im Internet "raiden" gehen, also jene, die gemeinsam mit ihm über Telefon-Standleitungen virtuelle Welten durchstreifen.

In letzter Zeit höre ich aus seinem Zimmer viel Japanisches. Markus liebt japanische Zeichentrickserien, kennt sich in den Sitten der Shoguns aus und den Höflichkeitsgeboten der Samurai, die er allerdings mir gegenüber weniger anwendet, wahrscheinlich, weil ich keinen japanischen Adelstitel trage. Am liebsten würde er jeden Tag Ramen-Suppe essen. Dann wiederum: All das ist auch nicht unbedingt exotischer als dieser Fransenhemden-Indianer-Quatsch, von dem wir in den sechziger Jahren so benommen waren.

Was kann ich meinem Sohn beibringen? Was soll ich ihm zurufen auf seinem Floß? Vielleicht, dass die Welt doch nicht von Monstern bevölkert ist, auch wenn es manchmal den Anschein hat. Das ist wohl alles, was ich tun kann.


Dieser Text ist ein Beitrag aus dem aktuellen SPIEGEL WISSEN zum Thema Pubertät - über alles, was Heranwachsende umtreibt und was Eltern heute wissen sollten, um konstruktiv und gelassen zu bleiben. Das Inhaltsverzeichnis gibt es hier , bekommen kann man das Heft hier - und überall im Zeitschriftenhandel.

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exakt dasselbe hier… ich habe heute Geburtstag, bin jetzt 45 und plötzlich unendlich weit weg von meinem 14jährigen Sohn, der mit den Kopfhörern am Macbook klebt, in seinem Zimmer. Welches natürlich off limits ist ;))
exakt dasselbe hier… ich habe heute Geburtstag, bin jetzt 45 und plötzlich unendlich weit weg von meinem 14jährigen Sohn, der mit den Kopfhörern am Macbook klebt, in seinem Zimmer. Welches natürlich off limits ist ;))
Methusalixchen 04.05.2010
Der Beach-Boys-Titel heißt "Help me Rhonda" (war die zweite Nummer-1-Single).
Der Beach-Boys-Titel heißt "Help me Rhonda" (war die zweite Nummer-1-Single).
blowup 04.05.2010
Probleme mit meinem 16-jährigen Sohn? Keine besonderen. Sein Zimmer "off limits"? Nicht mit mir. Er weiß: ich bin hier das Gesetz. Und auch mit über 50 kein Weichei, wie offensichtlich andere Väter. Hip Hop finde ich [...]
Probleme mit meinem 16-jährigen Sohn? Keine besonderen. Sein Zimmer "off limits"? Nicht mit mir. Er weiß: ich bin hier das Gesetz. Und auch mit über 50 kein Weichei, wie offensichtlich andere Väter. Hip Hop finde ich einfach Mist und vor allen Dingen total verlogen. Aber mit dem Internet und Bit Torrent kenne ich mich besser aus als er. Ich denke, wir haben ein gutes Verhältnis, was vor allen Dingen daran liegt, dass ich als Freischaffender immer erreichbar war und wir viel Zeit miteinander verbracht haben. Klar, in der Pubertät ist er ein bisschen eintönig geworden aber er weiß, dass auf seinen Alten immer Verlass ist. Vor allen Dingen weiß er, dass ich nicht Teil des Systems bin sondern einfach ich. Das verbindet schon mal. Natürlich ist es ein mulmiges Gefühl, die "Taue los zu machen". Aber ich bin ein freiheitsliebender Mensch und gestehe ihm das auch zu. Die Gesellschaft, in der ich es zu einer gewissen "Expertise" gebracht habe, geht ohnehin gerade den Bach runter. Geld, Geld, Korruption, Banken, Wirtschafts- und Staatskrisen und eine Zukunft, die sich wohl vor allem im pazifischen Raum abspielt. Da muss er selber durch. Aber wir sprechen immer noch viel miteinander. Er weiß, dass ich ihn nicht dem "Medienwahnsinn zum Fraß vorwerfe", und dass ich endloses Computer spielen nicht dulde, weil ich selbst den Sog der Multiplayer Games kenne. Im Zweifel sperre ich den Computerzugang per Passwort oder Check den Verbindungsaufbau im Router. Aufmerksamkeit ist eine Währung und ein Milliardenbusiness. Ich lass meinen Sohn nicht ausplündern. Schluss. Aus. Wahrscheinlich hält er mich wie jeder Sohn für etwas strange. Mir egal, sofern ich mich für authentisch hält.
Earendil77 04.05.2010
Ein völlig überflüssiger, ich-bezogener Text. Und darin dann so was: Nein? Also ich schon. Mal in der logischen Umkehrung formuliert: Sie sind sich nicht sicher, ob es vielleicht doch besser wäre, Ihr Sohn dürfte nicht die [...]
Zitat von Mathias MatussekMein Sohn hat Poster seiner HipHop-Stars in seinem Zimmer hängen, einen Fernseher, liberale Eltern, er spricht über Sex, er darf nicht geprügelt werden in der Schule. All das gehört zu den Errungenschaften der 68er, die die Gesellschaft und ihre kulturellen Kodizes ein für alle Mal revolutioniert haben, und ich bin mir nicht sicher, ob zum Guten hin.
Ein völlig überflüssiger, ich-bezogener Text. Und darin dann so was: Nein? Also ich schon. Mal in der logischen Umkehrung formuliert: Sie sind sich nicht sicher, ob es vielleicht doch besser wäre, Ihr Sohn dürfte nicht die Poster seiner Lieblingsstars in sein Zimmer hängen, hätte keinen Fernseher, aber autoritäre Eltern, Sex wäre ein Tabuthema und seine Lehrer_innen dürften ihn prügeln? Ist das Ihr Ernst? Ich bin mir nur nicht sicher, ob man diesen kulturellen Wandel einfach so den 68er zurechnen darf... Diktator+Macho und stolz darauf? Oder nur Diktator in Einbildung?
docsoc 04.05.2010
Ich habe den Eindruck, dass hier mal wieder mehr die midlife crisis des Vaters das Thema ist, als die Pubetaet des Sohnes. Wenn ich als Autorennamen Matussek lese, weiss ich als Spiegel-online-Leser schon im Voraus, was mich [...]
Zitat von sysopSo rebellisch die eigene Jugend gewesen sein mag: Wenn Väter ihre halbstarken Söhne ins Abenteuer Leben entlassen, stellen sich Ohnmachtsgefühle und Wehmut ein. http://www.spiegel.de/spiegelwissen/0,1518,692356,00.html
Ich habe den Eindruck, dass hier mal wieder mehr die midlife crisis des Vaters das Thema ist, als die Pubetaet des Sohnes. Wenn ich als Autorennamen Matussek lese, weiss ich als Spiegel-online-Leser schon im Voraus, was mich erwartet: Wehmuetige Erinnerungen eines katholischen Internatszoeglings, lauwarme Reminiszenzen an die post-68er Zeit, die gebetsmuehlenhaft fuer alles verantwortlich gemacht werden, was Herr Matussek eher ambivalent betrachtet. Diesmal hat sogar die Porno-Industrie ne Watschn gekriegt. Wow! Nun kommt Herr Matussek ja aus einer bekannten Bildungsbuerger-Familie, die wahrscheinlich seinen bekannten cholerischen Ausfaellen, die ja sogar zum Romanstoff herhalten mussten, genauso liberal gegenueberstand, wie Papa seinem Sohn heute. Mit oder ohne 68er. Mit oder ohne Mao. Ich wuensche mir, dass Herr Matussek jetzt bitte, bitte mal ne Schreibpause macht in Sachen Erinnerungen, statt dass einem daraus immer wieder dasselbe feuilletonistische Knabbergebaeck vorgesetzt wird. Vielleicht kann er ja mal den Job ein paar Monate mit seinem Bruder in New Delhi tauschen.
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