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Chirotherapie Verrückte Wirbel

Chirotherapie: Knacken, strecken, dehnen
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Corbis

Vor über 100 Jahren erfand ein Kolonialwarenhändler die Chirotherapie. Die Wirksamkeit der beliebten Behandlungsmethode ist fraglich, auf jeden Fall drohen gefährliche Nebenwirkungen.

Der ehemalige Barkeeper und Kolonialwarenhändler Daniel David Palmer aus Davenport, Iowa, schlug sich als Magnetheiler durch, bis er am 18. September 1895 die Entdeckung seines Lebens machte: An der Halswirbelsäule eines Hausmeisters, der sein Gehör fast vollständig verloren hatte, fand er eine merkwürdige Erhebung, offenbar war ein Wirbel leicht verschoben. Als Palmer kräftig auf diesen Wirbel drückte, um ihn wieder in die richtige Position zu bringen, rief der Hausmeister plötzlich aus, er könne wieder hören.

Berauscht von seinem Erfolg, pries sich Palmer in Zeitungsanzeigen als jemand an, der Taubheit kurieren könne. Die Gehörlosen, die daraufhin zu ihm kamen, konnte Palmer mit seiner Wirbeleinrenk-Technik zwar nicht von ihrer Taubheit befreien - aber angeblich von anderen Leiden: Eine neue Behandlungsmethode, die Chirotherapie (von altgriechisch cheir = Hand), war geboren.

Flugs gründete Palmer ein eigenes College zur Ausbildung weiterer Chirotherapeuten und erfand auch noch eine Theorie. Die verrückten Wirbel, verkündete er, ohne jemals einen wissenschaftlichen Beweis dafür erbracht zu haben, blockierten die für die Funktion der Organe lebenswichtigen Impulse, die benachbarte Nerven in den Körper sendeten. Würden diese "Blockaden" der Gelenke durch gezielte Handgriffe gelöst, könne die Nervenaktivität wieder ungestört fließen.

Eine der beliebtesten Methoden gegen Rückenschmerzen

Heute heißt die Chirotherapie meistens Manuelle Therapie und ist eine der beliebtesten Methoden gegen Rückenschmerzen. Rund 5400 Ärzte sowie zahlreiche Physiotherapeuten und Heilpraktiker haben in Deutschland eine entsprechende Zusatzausbildung absolviert.

Die Methode wurde in die "Nationale Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz" aufgenommen und ist durch die gesetzlichen Krankenkassen erstattungsfähig. Mehr als 20 Millionen Mal jedes Jahr wird das "Wirbeleinrenken" von Ärzten und Physiotherapeuten abgerechnet. Mehrere hundert Millionen Euro kostet dies das Solidarsystem. Hinzu kommen Behandlungen durch Heilpraktiker oder auf Kosten der privaten Kassen.

Doch hilft die Methode überhaupt gegen Rückenschmerzen?

Es fehlt an Studien, die die Manuelle Therapie mit einer Scheinbehandlung vergleichen. Folglich weiß niemand, ob ihre Effekte tatsächlich auf die Metho-de an sich zurückzuführen sind - oder ob sie auf der Zuwendung des Behandlers beruhen. Und besser als Krankengymnastik ist sie auch nicht.

Ihre Nebenwirkungen dagegen sind unstrittig: Durch die ruckartige Bewegung der Halswirbelsäule, bei der meist ein Knochenknacken zu hören ist, können die Vertebral-Arterien verletzt werden, also jene Adern, die sich rechts und links in einem kleinen Kanal durch die Knochen der Halswirbelsäule winden und einen Teil des Gehirns mit Blut versorgen. Durch die Verletzung kann Blut zwischen die einzelnen Wandschichten der Arterie dringen, die Gefäßöffnung verengt sich, ein Blutpfropf entsteht. Wenn sich ein Teil dieses Pfropfes löst und ins Gehirn gespült wird, kann er dort ein Blutgefäß verstopfen - Schlaganfall!

Verlässliche Zahlen fehlen, aber womöglich kommt es bei jeder 10.000. bis 100.000. Behandlung zu einem Schlaganfall. Kanadische Neurologen warnen deshalb längst vor der Chirotherapie. Und deutsche Ärzte fordern inzwischen eine gründliche Aufklärung der Patienten. Vielleicht, so meinen sie, überlege sich ja der eine oder andere, ob er die Behandlung wirklich brauche.

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insgesamt 102 Beiträge
Vanita 10.11.2011
"Durch die ruckartige Bewegung der Halswirbelsäule, bei der meist ein Knochenknacken zu hören ist, können die Vertebral-Arterien verletzt werden, also jene Adern, die sich rechts und links in einem kleinen Kanal durch die [...]
"Durch die ruckartige Bewegung der Halswirbelsäule, bei der meist ein Knochenknacken zu hören ist, können die Vertebral-Arterien verletzt werden, also jene Adern, die sich rechts und links in einem kleinen Kanal durch die Knochen der Halswirbelsäule winden und einen Teil des Gehirns mit Blut versorgen. Durch die Verletzung kann Blut zwischen die einzelnen Wandschichten der Arterie dringen, die Gefäßöffnung verengt sich, ein Blutpfropf entsteht. Wenn sich ein Teil dieses Pfropfes löst und ins Gehirn gespült wird, kann er dort ein Blutgefäß verstopfen - Schlaganfall!" Ich stimme zu, dass es mit Sicherheit angenehmere Behandlungsmethoden gibt. Ich persönlich empfinde das Einrenken an sich als unangenehm, habe aber sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Ich will auch garnicht ausschließen, dass auch hier durchaus bedenklich Nebenwirkungen bestehen können. Die Behauptung da oben finde ich allerdings lächerlich. Wie wir wissen, sind Arterien die Gefäße, die vom Herzen wegführen, Venen führen zum Herzen hin. Das Blut des Körperkreislaufes kommt aus dem linken Herzen. Zum Körperkreislauf gehören auch die Gefäße, die die Wirbelsäule versorgen. Nehmen wir an, in einer Arterie bildet sich ein Thrombus. Wie soll er von einer Arterie in der Wirbelsäule ins Gehirn kommen? Da er sich eher nicht entegen der Strömunsgrichtung des Blutes bewegen wird, wird der stromabwärts getrieben. Was kommt stromabwärts? Die Arteriolen und Kapillaren. Danach folgenden die Venolen und Venen. Wenn der Thrombus also von einer Arterie der Wirbelsäule ins Gehirn will, muss er erstmal durch die kleineren und kleinsten Gefäße durch, um zum rechten Herzen zu kommen. Wenn er das schafft, dann ist da immer noch der Lungenkreislauf, auch dort gibt es winzige Gefäße. Da muss er erstmal durch, um ins linke Herz zugelangen und von da ins Gehirn zu wandern. Dieser Thrombus würde also wenn dann zu einer Lungenembolie und nicht zu einem Schlaganfall führen. Insofern zweifle ich die Sorgfalt, mit der dieser Artikel geschrieben wurde durch aus an. Aber das ist wieder einmal typisch ... leider.
anathema 10.11.2011
Leider funktioniert der hauseigene Link nicht, da er falsch angegeben wurde. Richtig lautet er: http://www.spiegel.de/spiegelwissen/0,1518,796577,00.html!
Zitat von sysopVor über 100 Jahren erfand ein Kolonialwarenhändler die Chirotherapie. Die Wirksamkeit der beliebten Behandlungsmethode ist fraglich, auf jeden Fall drohen gefährliche Nebenwirkungen. http://www.spiegel.dewissen/0,1518,796577,00.html
Leider funktioniert der hauseigene Link nicht, da er falsch angegeben wurde. Richtig lautet er: http://www.spiegel.de/spiegelwissen/0,1518,796577,00.html!
altebanane 10.11.2011
Ach. Gefährliche Nebenwirkungen, soso. Man könnte nun natürlich die Alternativen betrachten und deren Nebenwirkungen. Muss man aber nicht.... Im Ernst jetzt mal : Schmerzmittel in hohen Dosen sind auch nicht grad magen- und [...]
Ach. Gefährliche Nebenwirkungen, soso. Man könnte nun natürlich die Alternativen betrachten und deren Nebenwirkungen. Muss man aber nicht.... Im Ernst jetzt mal : Schmerzmittel in hohen Dosen sind auch nicht grad magen- und nierenfreundlich.
mutley101 10.11.2011
Es gibt bei eine Chiropraktische Behandlung keine Knochenknacken, das was zu hören ist, ist das Entstehen einer Gas Blase in der Gelenkflüssigkeit! Wenn die Knocken sich wirklich berühren würden währe weit mehr als eine Knacken [...]
Es gibt bei eine Chiropraktische Behandlung keine Knochenknacken, das was zu hören ist, ist das Entstehen einer Gas Blase in der Gelenkflüssigkeit! Wenn die Knocken sich wirklich berühren würden währe weit mehr als eine Knacken zu hören sein, von den dann sicherlich unerträglichen Schmerzen abgesehen. Ein konstruktiver Artikel, im Sinne des Patienten, über Chiropraktik wäre hier sicherlich viel interessanter gewesen?
Vielleicht sollten Sie sich selber erstmal informieren: Die Vertebralarterien entspringen den Schlüsselbeinarterien und ziehen dann zum 6. Halswirbel, um von dort im Querfortsatzkanal der Halswirbel Richtung Schädelbasis zu [...]
Zitat von Vanita... Dieser Thrombus würde also wenn dann zu einer Lungenembolie und nicht zu einem Schlaganfall führen. Insofern zweifle ich die Sorgfalt, mit der dieser Artikel geschrieben wurde durch aus an. Aber das ist wieder einmal typisch ... leider.
Vielleicht sollten Sie sich selber erstmal informieren: Die Vertebralarterien entspringen den Schlüsselbeinarterien und ziehen dann zum 6. Halswirbel, um von dort im Querfortsatzkanal der Halswirbel Richtung Schädelbasis zu führen und dann das Gehirn zu versorgen. Der dargestellte Sachverhalt ist also durchaus vorstellbar. Nix mit Versorgung der Wirbelsäule und dann wieder erstmal zurück zum Herzen...
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