Ernährung für Sportler: Medaillengarant Haferschleim

Von und Cathrin Gilbert

Sportler wie die Hochspringerin Ariane Friedrich und die Weitspringerin Bianca Kappler feilen an der perfekten Ernährung - die ist für ihre Leistung mittlerweile so entscheidend wie Training und Schlaf.

Leistungssport: Die perfekte Ernährung Fotos
DPA

Morgens gab es Haferflocken mit heißer Milch. Abends gab es Bronze. Vor großen Wettkämpfen sieht Ariane Friedrichs Frühstücksteller immer gleich aus. Daran hat die beste deutsche Hochspringerin auch vor dem Finale bei der Leichtathletik-WM in Berlin nichts geändert.

Mit Aberglauben hat das nichts zu tun. Sondern mit Wissenschaft und Sporternährung. Ariane Friedrich, 25, hat ihr Essen auf ihren Sport, ihr Training und ihren Wettkampf abgestimmt, um ihr Gewicht von 57 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,79 Meter zu halten.

Während der Sprinter Usain Bolt auf Chicken-Nuggets aus dem - Fast Food-Restaurant schwört, machen sich Sportler, denen nur irdische Leistungen gelingen, ernsthaftere Gedanken um ihre Essgewohnheiten. Ernährung ist für sie mittlerweile so wichtig wie Training und Schlaf. Manche zählen die Nährstoffe pro Mahlzeit zusammen, um ihr Gewicht zu halten. Andere setzen auf möglichst viele Kalorien, um nicht abzunehmen. Dabei geht es vor allem um das richtige Wettkampfgewicht und die schnelle Erholung nach der Belastung.

Viele Leistungssportler arbeiten mittlerweile mit Experten zusammen. Ariane Friedrich wird von Michael Hirt und Uwe von Renteln betreut. Renteln, 40, ist Diplom-Ernährungstrainer und sagt: "Die richtige Ernährung macht bis zu 20 Prozent der Leistung eines Sportlers aus."

Er sitzt in einem Café in Rostock und bestellt stilles Wasser. Der Körper, sagt er, bestehe eben zu zwei Dritteln aus Wasser und nicht aus Cola oder Eistee. Man sieht es seinem Oberkörper an, dass Renteln fünfmal in der Woche ins Fitnessstudio geht. Würde er sich auf eine Körperfettwaage stellen - vielleicht würde die gar nichts mehr anzeigen.

"Wer abnehmen will, muss nicht unbedingt weniger essen"

Zum ersten Mal beschäftigten sich Wissenschaftler in den sechziger Jahren mit Ernährung bei Leistungssportlern. "Trotzdem machen 80 Prozent der Sportler heute noch grobe Fehler beim Essen", sagt Renteln. Neben Friedrich berät er auch die Weitspringerin Bianca Kappler, die vor zwei Jahren Fünfte bei der WM in Japan wurde. Die 32-Jährige brachte sich zur Weltmeisterschaft in Berlin ihre Waage aus dem saarländischen Rehlingen mit ins Vier-Sterne-Hotel. Jeden Morgen stieg sie drauf. Ihr Gewicht kann die Leichtathletin heute konstant unter 61 Kilogramm halten - ohne Diät.

"Wer abnehmen will, muss nicht unbedingt weniger essen", sagt Renteln. Für ihn ist das ein großer Irrtum, dem viele Sportler verfallen. Ein Drittel von ihnen esse zu wenig. "Wer auf die Relation von Kohlenhydraten, Eiweißen und Fett achtet, muss nicht hungern."

Seit sich Ariane Friedrich und Bianca Kappler an ein Verhaltensmuster in ihrer Küche halten, seien ihre Kraftwerte immer besser geworden, sagen sie. "Es gibt ein paar einfache Kniffe, die es zu beachten lohnt", sagt Renteln. "Und die gelten für Profi- und für Hobbysportler."

Der Stoffwechseltyp ist ausschlaggebend

Wenn Renteln einen Ernährungsplan schreibt, ist eines seiner wichtigsten Kriterien der Stoffwechseltyp seines Sportlers. "Die Frage ist, wie effizient Nahrungsmittel genutzt und in Energie umgewandelt werden", sagt er.

Bei Ariane Friedrich hat Renteln einen mesomorphen Stoffwechsel festgestellt, das ist der mittlere Typ. Sie wandle die durch die Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate nicht ganz so schnell in Energie um wie ihre Kollegin Kappler. Die Weitspringerin gehöre zu den ektomorphen Typen. Und die endomorphen Typen, das sind die Athleten mit dem langsamsten Stoffwechsel, die nach dem Essen am schnellsten wieder Hunger spüren.

Mittags isst Friedrich am liebsten Sushi, manchmal auch Gemüse, Fisch oder Fleisch. Ihre Nahrung muss einen hohen Eiweißgehalt haben. Kartoffeln und Nudeln sind für die Hochspringerin tabu, weil sie die Energie bis abends nicht mehr verbrauchen kann und so aus den Kohlenhydraten Fett würde.

"Kohlenhydrate in rauen Mengen sind für die meisten Sportler überhaupt nicht gut", sagt Renteln. Der Begriff Nudelparty löse bei ihm einen kalten Schauer aus. Leistungssportler mit vollen Nudeltellern in Verbindung zu bringen ist für ihn der zweite große Irrtum.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
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1. Unsinn
sam clemens, 01.11.2009
Dass Ernährung ebenso entscheidend für Wettkampfergebnisse ist wie Training, ist Unsinn. An der Bedeutung der Ernährung ist nicht zu zweifeln, aber man sollte die Kirche im Dorf lassen. Zu der Frage Eiweiß/Kohlehydrate: Wie sich unsere Vorfahren vor 40.000 Jahren ernährt haben, wissen wir schlicht und einfach nicht genau. Sicher ist aber, dass wir kein Fleischfresser-Gebiss und -verdauungssystem haben und auch unsere Vorfahren bis hin zu Lucy usw. hatten das auch nicht. Eine einseitige, auf Eiweiß setzende Ernährung ist mit Sicherheit genau so falsch wie eine Konzentration auf Kohlehydrate. Zu "Flippi": Gold hat sie ja nun trotz des gesamten Theaters nicht geholt. Sie hatte einfach nicht genug Energie für einen stundenlangen Hochsprung-Wettkampf auf höchstem Niveau. Vielleicht sollten sich Ihre Gurus mal fragen, warum. Wettkampfspezifische Ausdauer hat im Hochsprung auch was mit Regenerationsfähigkeit und Glykogenstoffwechsel zu tun.
2. titel
Gertrud Stamm-Holz 01.11.2009
Zitat von sysopSportler wie die Hochspringerin Ariane Friedrich und die Weitspringerin Bianca Kappler feilen an der perfekten Ernährung - die ist für ihre Leistung mittlerweile so entscheidend wie Training und Schlaf. http://www.spiegel.de/spiegelwissen/0,1518,655438,00.html
Nun, ich möchte an sportliche Genies erinnern, nehmen wir Alberto Tomba. Der hat sich nie für irgendwelche Schikanen hergegeben und war trotzdem unschlagbar. Und ausserdem entspannt und wenig verbissen. Moderne Sportler wollen und sollen durchtechnisiert ihre Erfolge erzielen. Was aber, es haut nicht hin? Ohne herausragendes Talent geht es nicht. Eine Karolina Klüft hat mit Sicherheit auch ihre Ernährung umgestellt. Das alleine hätte ihre Erfolge aber niemals verursacht. Ein Jan Zelezny war im Speerwurf Ewigkeiten eine Größe. Ich glaube kaum, dass ihm mit dem Rucksack an richtiger Ernährung unter ärztlicher Aufsicht der Spass an seiner Disziplin so lange erhalten geblieben wäre.
3. ...
wurstendbinder 01.11.2009
die perfekte ernährung für alle hochleistungssportler zu (er)finden ist größenwahnsinnig und dumm. Nicht nur, weil jede sportart andere anforderungsprofile hat, sondern auch weil jeder einzelnen mensch auf spezifische ernährungspläne ganz anders reagiert. das ist ja auch mit den trainingsplänen dasselbe. der eine ausdauersportler braucht hohe umfänge und wenig intensität, um seine gegner in grund und boden zu fahren/laufen/schwimmen/etc, bei einem anderen ist es vielleicht genau umgekehrt. menschen sind nun mal einzigartig. aber das ist halt mit der großindustriellen vermarktung von solchen sachen nur bedingt zu vereinbaren. gruß
4. hm
serdna 01.11.2009
Also ich schwimme 1500 m Kraul in 29 Minuten, das ist ganz schön flott und ernähre mich überwiegend von Schokolade und Kaffee. Meine These. Ernährung ist völlig wurscht. Ganz übel ist Obst, das Geknirrsche reibt die Zähne ab.
5. Die
saul7 01.11.2009
Zitat von sysopSportler wie die Hochspringerin Ariane Friedrich und die Weitspringerin Bianca Kappler feilen an der perfekten Ernährung - die ist für ihre Leistung mittlerweile so entscheidend wie Training und Schlaf. http://www.spiegel.de/spiegelwissen/0,1518,655438,00.html
Ernährung ist wichtig. Dass sie aber eine entscheidende Bedeutung im Leistungssport einnimmt, wage ich zu bezweifeln.
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